Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Komfort und Sicherheit für Rollstuhlfahrer

03.06.2013
Mit modernen Kommunikationshilfen können E-Rollstuhlfahrer selbstständig PC und Handy bedienen, durchs Gelände navigieren und sich die Batteriekapazität anzeigen lassen. Ein neues Modul verwandelt die Elektro-Mobile in Kommunikationszentralen.

SMS verfassen, E-Mails schreiben, durchs Internet surfen, telefonieren – all dies ist für Menschen mit Handicap eine echte Herausforderung. Das gilt umso mehr für Rollstuhlfahrer mit eingeschränkter Handmotorik oder für Schwerbehinderte.


Mit Hilfe des Zusatzmoduls des AST verbindet sich der Rollstuhl per Bluetooth mit Smartphone, PC, TV oder der Spielkonsole.

Um elektronische Geräte problemlos bedienen zu können, sind die Betroffenen auf eine Kommunikationshilfe angewiesen. Eine solche haben Forscher vom Fraunhofer-Institutsteil Angewandte Systemtechnik AST im Auftrag des Medtech-Unternehmens und langjährigen Industriepartners Otto Bock Mobility Solutions GmbH entwickelt.

Dabei handelt es sich um ein Zusatzmodul, das die Funktionalität von E-Rollstühlen erweitert, indem es die vorhandene Rollstuhlsteuerung wie Joystick oder Kinnsteuerung per Bluetooth mit Handy, PC, TV, Spielekonsole und Co. verbindet. Schnittstelle für die Datenübertragung ist der CAN-Bus des Rollstuhls, wo alle Rollstuhldaten zusammenlaufen. »Mit dem Modul kann man alle Mausfunktionen – etwa auf dem Notebook oder dem Smartphone – ausführen und so beispielsweise E-Mails abrufen, sich durchs Internet klicken oder bei Notfällen Nachrichten verschicken. Unterstützt werden alle USB-fähigen Geräte«, sagt Prof. Dr. Andreas Wenzel, Gruppenleiter »Eingebettete Systeme« am AST in Ilmenau.

Smartphone-App berechnet Reichweite

Das Modul ist zu vielen E-Rollstühlen der Firma Otto Bock kompatibel. Es hat die Form eines Kästchens und lässt sich mit einer Größe von 85 x 65 x 32 Millimetern unauffällig am Rollstuhl befestigen. Die Box umfasst sowohl die Hardware in Form einer Leiterplatine als auch die Software und verfügt über zwei Bluetoothschnittstellen. »Das System ermöglicht nicht nur die Interaktion mit Elektronikgeräten. Vielmehr lässt es sich auch zum Transfer von Rollstuhldaten wie beispielsweise Batteriekapazität, Motorenströme oder Fehler im Antriebssystem an ein Smartphone nutzen«, erläutert Wenzel den Nutzen der zweiten Bluetoothschnittstelle. Eine eigens entwickelte Smartphone-App liest die Daten aus und verarbeitet sie weiter.

»Besitzer von Elektro-Rollstühlen sind oft unsicher, ob und wie weit der Akku reicht, da der Energiebedarf des Fahrzeugs von Außentemperaturen und Höhenprofilen abhängt. Bei starken Steigungen wird mehr Strom verbraucht als auf ebenen Strecken. Aus Unsicherheit verzichten die Betroffenen daher häufig auf Ausflüge oder andere Unternehmungen«, erläutert Wenzel. Die Android-App führt eine präzise Reichweitenprognose durch. Nach Eingabe des aktuellen Aufenthaltsorts und einem Abgleich mit der Batteriekapazität berechnet sie, ob die vorhandene Energie noch ausreicht, um zum Heimatstandort zurückzugelangen. Die erforderlichen Daten ruft sie aus dem Internet ab. Per Handy wird der Rollstuhlfahrer informiert, wie weit er noch fahren kann. Geht die Kapazität zur Neige, erscheint eine Warnung am Display des Smartphones und weist darauf hin, dass nur noch zehn Kilometer zurückgelegt werden können. »Das schafft Sicherheit«, sagt Andreas Biederstädt, Entwicklungsleiter für eMobility & Drive Technology bei Otto Bock. »Das Handy lässt sich problemlos am Rollstuhl montieren, außerdem sind wir so in der Lage, teure Industriedisplays zu ersetzen.«

Ein weiterer Vorteil der App: Mithilfe der Navigationsfunktionen lassen sich barrierefreie Wege anzeigen oder auch behindertengerechte Toiletten. Wer über einen geländegängigen Rollstuhl verfügt, kann sich so auch abseits der Straßen bewegen und geeignete Routen anzeigen lassen. »Besitzer von E-Rollstühlen erhalten durch das Zusatzmodul mehr Autonomie, Sicherheit und Komfort«, resümiert Biederstädt. »Nicht nur Behinderte, auch Senioren mit eingeschränkter Mobilität profitieren von solchen Mobilitätskonzepten mit Bluetoothmodul.«

Erste Tests konnten erfolgreich abgeschlossen werden, mit der neuartigen Kommunikationshilfe ausgestattete Rollstuhl-Prototypen wurden bereits präsentiert. Otto Bock plant derzeit, eine Nullserie aufzulegen. Das fertige Produkt soll ab dem dritten Quartal dieses Jahres angeboten werden. Auch die Forscher vom AST wollen ihre Entwicklung vorantreiben. »Im nächsten Schritt binden wir unser Bluetoothmodul an die Hausautomation an. So kann ein behinderter Mensch vom Rollstuhl aus beispielsweise die Klimaanlage steuern, Jalousien öffnen und schließen oder das Licht ausschalten«, sagt Wenzel.

Prof. Dr.AndreasWenzel | Fraunhofer Forschung Kompakt
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2013/juni/mehr-komfort-und-sicherheit-fuer-rollstuhlfahrer.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Plattformübergreifende Symbiose von intelligenten Objekten im »Internet of Things« (IoT)
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

nachricht Von Fußgängern und Fahrzeugen: Uni Ulm und DLR sammeln gemeinsam Daten für das automatisierte Fahren
09.12.2016 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie