Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Maßgeschneiderte Pläne für eine Evakuierung

10.10.2012
Siemens-Forscher haben einen Softwareprototypen entwickelt, mit dem Evakuierungen aus Gebäuden, Stadien oder Bahnhöfen simuliert und Fluchtwege optimiert werden können.

Die Software berechnet das Gehverhalten von tausenden Personen und lässt sich detailliert an jede Situation anpassen. Sie wurde an realen Szenarien getestet und kann zum Training von Polizisten oder Feuerwehrleuten eingesetzt werden.



Sind viele Menschen in einem Gebäude, so ist eine Evakuierung eine Herausforderung. Schon bevor ein Notfall eintritt, wüssten Gebäudeplaner daher gerne, wie schnell alle Personen das Gebäude verlassen können. Wo gibt es Engstellen? Wie viele Personen können gleichzeitig durch einen Flur laufen? Welche Türen sollten geöffnet werden?

Da diese Fragestellungen aber bei großen Menschenmengen sehr komplex werden und die Entscheidungsfindung erschweren, werden für ihre Beantwortung Simulationsmodelle verwendet.

Die Wissenschaftler der globalen Siemens-Forschung Corporate Technology haben daher zusammen mit der Siemens-Division Building Technologies in mehreren Förderprojekten ein mathematisches Modell entwickelt. Es verwendet den Gebäudeplan oder die Topologie des Geländes und teilt die Räume in einzelne Zellen ein, über die sich die Menschen bewegen.

Ähnlich den Potenzialkräften von elektrischen Teilchen wird jede Person von ihrem Ziel angezogen und von Hindernissen wie Säulen oder Geländern abgestoßen. Sie hält geringeren Abstand zu Begleitern und einen größeren Abstand zu Fremden. Außerdem hat jede Person eine individuelle Geschwindigkeit, die sich der Realität entsprechend auf Treppen oder Steigungen ändert. Mit diesem Modell kann die Software das Gehverhalten tausender Personen zehnmal schneller berechnen, als sie sich in Echtzeit bewegen.

Tests mit realen Szenarien in einem Fußballstadion, in einem Großbahnhof, bei der Feueralarmübung einer Grundschule und mit Polizisten und Feuerwehrleuten zeigen, dass die Software gut mit der Realität übereinstimmt, da sie sich flexibel an viele Bedingungen anpassen lässt. Zum Beispiel ist die mittlere Geschwindigkeit der Menschen in einem Einkaufszentrum anders als auf einem Bahnsteig. Außerdem kommen Menschen umso langsamer voran, je dichter die Menge ist.

Mit der Software können die Forscher zeigen, wie Menschenmengen durch die geschickte Platzierung von Säulen und Geländern als Wellenbrecher entflochten, Engpässe durch die Erweiterung von Treppenhäusern oder Türen entschärft werden können, oder wie sich Evakuierungsrouten dynamisch an die Situation anpassen lassen. (IN 2012.10.1)

Dr. Norbert Aschenbrenner | Siemens InnovationNews
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/innovation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Volle Konzentration am Steuer
25.11.2016 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Warum Reibung von der Zahl der Schichten abhängt
24.11.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen

05.12.2016 | Förderungen Preise

Höhere Energieeffizienz durch Brennhilfsmittel aus Porenkeramik

05.12.2016 | Energie und Elektrotechnik