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Loveparade-Videos analysiert – Fraunhofer IAIS entwickelt Software zur automatischen Gefahrenerkennung

30.09.2010
Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS in Sankt Augustin haben eine Software entwickelt, die gefährliche Situationen wie die Entstehung einer Massenpanik bei Großveranstaltungen automatisch erkennt. Eine exemplarische Analyse der Videos zur Loveparade 2010 in Duisburg zeigt, wie kritische Zustände per Videoanalyse identifiziert werden können.

Große Veranstaltungen sind für Organisatoren und Rettungskräfte eine Herausforderung und erfordern ein Höchstmaß an Sicherheitsvorkehrungen. Neue IT-Verfahren können helfen, die Sicherheit der Besucher bei Konzerten, Festivals und anderen Events zu optimieren.


Die Videoanalyse-Software des Fraunhofer IAIS erkennt kritische Bewegungsströme und zeigt anhand des grünen Rasters, an welchen Stellen in einer Menschenmenge potenzielle Gefahrensituationen auftreten können. (Ausschnitt aus der Analyse der Loveparade-Videos; Screenshot: Fraunhofer IAIS)

„Im Rahmen des von der EU geförderten Projektes PRONTO entwickeln wir Verfahren zur IT-Unterstützung von Rettungskräften“, sagt Prof. Dr. Christian Bauckhage, Leiter der Arbeitsgruppe Visuelle und Soziale Medien am Fraunhofer IAIS. Einen Schwerpunkt der Arbeiten bilden dabei Verfahren zur automatischen Erkennung potenziell kritischer Ereignisse in Menschenmengen.

Barbara Krausz, die am IAIS als wissenschaftliche Mitarbeiterin über die Erkennung von Gefahrensituationen promoviert, erklärt: „Um Videos von Massenereignissen zu untersuchen, greifen wir auf Ideen aus der Physik zurück." Im Falle der Loveparade-Videos analysiert die Software der Fraunhofer-Forscher zunächst generelle Bewegungsmuster der Besuchermasse und berechnet anschließend statistische Werte wie etwa die Entropie. Anhand der ermittelten Werte lässt sich zum Beispiel in den Bildern der Kamera, die den Tunnel filmte, automatisch erkennen, dass sich die Bewegungen des Besucherstroms gegen 15:50 Uhr – nach dem Aufbau einer Polizeikette – deutlich änderten. Ebenso eindeutig identifiziert die Software das starke Anwachsen des Besucherstroms gegen 16:20 Uhr, das anschließend zu den Stauungen an der Rampe führte.

„Bei Großveranstaltungen ließen sich mit unserer Software solch kritische Phasenübergänge in den Bewegungsmustern der Masse also automatisch erkennen“, betont Bauckhage. „Daraufhin könnten Rettungskräfte rechtzeitig alarmiert werden und Gegenmaßnahmen einleiten.“ Um das System bald in der Praxis einsetzen zu können und damit die Sicherheit auf Veranstaltungen zu unterstützen, entwickeln die Wissenschaftler des Fraunhofer IAIS ihre Verfahren derzeit kontinuierlich weiter.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christian Bauckhage
Telefon 02241 14-2854
E-Mail christian.bauckhage@iais.fraunhofer.de
Pressekontakt:
Katrin Berkler
Telefon 02241 14-2252
E-Mail katrin.berkler@iais.fraunhofer.de

Katrin Berkler | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.iais.fraunhofer.de

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