Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Livestream-Genuss für Multiscreen-Anwendungen

01.08.2013
Mit ihrer Entwicklungsplattform FAMIUM schaffen Forscher ganz neue Anwendungsszenarien für adaptives Video-Streaming im Web-Browser. Ein Highlight: Inhalte lassen sich auf mehrere Geräte verteilen und synchron abspielen.

Vom verpassten Fernsehbeitrag bis zum Konzertmitschnitt der Lieblingsband: Das Internet ist eine Fundgrube für Videos oder Multimedia-Inhalte aller Art. Meist werden diese als Stream wiedergegeben – also nicht auf dem Rechner gespeichert, sondern direkt über den Browser in Echtzeit abgespielt.


Mit der Entwicklungsplattform FAMIUM lassen sich Livestream-Videos synchron auf mehreren Geräten abspielen. © Fraunhofer FOKUS

Der Haken an der Sache: Verschlechtert sich die zur Verfügung stehende Bitrate, leidet die Übertragungsqualität. Ruckelnde Videos oder Unterbrechungen stellen dann die Geduld des Anwenders auf die Probe. Verhindern lässt sich das nur, wenn man die Videoqualität der aktuell verfügbaren Bitrate anpasst.

Einzelne Sequenzen haben dann zwar eine schlechtere Qualität, aber die Wiedergabe bleibt flüssig. Für ein solches adaptives Streaming benötigen die Daten jedoch ein bestimmtes Format: den ISO-Standard MPEG DASH (Dynamic Adaptive Streaming over HTTP), der seit 2012 verfügbar ist.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin bauen auf der Grundlage dieser Technologie auf, um beim adaptiven Streaming ganz neue Anwendungen zu schaffen. Mit ihrer Entwicklungsplattform FAMIUM wird es möglich, Livestream-Videos synchron auf mehreren Geräten abzuspielen. »FAMIUM ist zum einen ein Player, der MPEG DASH-Videos im Browser abspielen kann. Das funktioniert bislang zwar nur mit Google Chrome und Internet Explorer 11 unter Windows 8.1, längerfristig sollten aber auch andere Browser den Player unterstützen.

Als zweite Komponente kommen weitere Funktionalitäten wie unser Multiscreen-Framework dazu«, erklärt Stefan Kaiser, Wissenschaftler am FOKUS. Zum Teil konnten die Forscher dabei auf bestehende Technologien zurückgreifen: So basiert FAMIUM auf einem Open Source Player des DASH Industry-Forums, wenngleich ihn das Projektteam an der ein oder anderen Stelle noch optimiert hat. Das Multiscreen-Framework wurde dagegen komplett am FOKUS entwickelt.

Videos synchron auf TV, Tablet und Handy abspielen

Mit der Plattform lassen sich unterschiedlichste Anwendungen realisieren. So ist es etwa möglich, ein Mobiltelefon mit dem Fernseher zu verbinden: Das Handy erkennt dann automatisch einen Fernsehapparat im Raum und Medieninhalte lassen sich auf beide Geräte verteilen. Während man also etwa auf dem Fernsehapparat ein Video abspielt, erscheinen auf dem Handy-Display Zusatzinformationen. »Wir haben beispielsweise ein Szenario umgesetzt, um ein Formel-1-Rennen auf zwei Bildschirmen zu verfolgen. Während auf dem Fernseher das normale Rennen läuft, liefert ein zweiter Bildschirm – etwa ein Tablet – Perspektiven aus dem Cockpit«, so Kaiser. FAMIUM sorgt dafür, dass die Inhalte synchron wiedergegeben und Steuerungsbefehle an beiden Geräten umgesetzt werden. Unterbricht der User zum Beispiel auf dem Tablet das Video, stoppt der Fernseher ebenfalls.

Anbieter oder Vermarkter von Medieninhalten können mit Hilfe von FAMIUM ihr Werbemanagement flexibel steuern. Möglich ist sowohl eine dynamische Werbeschaltung – das bedeutet, die Werbung wird während der Wiedergabe spontan geschaltet – als auch eine statische. Dabei lassen sich festgelegte Zeitpunkte definieren, zu denen Werbung eingeblendet werden soll. Um Inhalte zu verschlüsseln und nur einer bestimmten Zielgruppe zugänglich zu machen, etwa bei kostenpflichtigen Angeboten, kann ein Digital Rights Management (DRM) integriert werden.

Als die Berliner Forscher vor etwa einem Jahr das Projekt begannen, standen ihnen noch kaum geeignete Medieninhalte zur Verfügung. »Uns blieb letztlich nichts anderes übrig, als selbst entsprechenden Content zu generieren. Wir haben daher einen DASH Transcoder entwickelt, der Medien in das MPEG DASH-Format transkodiert«, erinnert sich Kaiser. Heute kommt der Transcoder zum Einsatz, um etwa das aktuelle Fernsehprogramm live über den Browser abspielen zu können.

Auf der diesjährigen IFA (Halle 11.1, Stand 21) und IBC (Halle 8, Stand B80) im September können sich Besucher über die umfangreichen Möglichkeiten von FAMIUM informieren. Kaiser hat dabei nicht nur den Entertainment-Sektor im Blick: »Auch im Business-Bereich könnte die Plattform wertvolle Dienste leisten, etwa beim kollaborativen Arbeiten im Team«, so der Wissenschaftler.

Stefan Kaiser | Fraunhofer Forschung Kompakt
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2013/august/livestream-genuss-fuer-multiscreen-anwendungen.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht IT-Sicherheitslücken – Gefahr für die Produktionstechnik
23.10.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Antibiotikaresistenzen: Ein multiresistenter Escherichia coli-Stamm auf dem Vormarsch

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sturmfeder bekämpft Orkanschäden

23.10.2017 | Maschinenbau

Vorstellung eines neuen Zellkultursystems für die Analyse von OPC-Zellen im Zebrafisch

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie