Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lernen beim Fahren

03.01.2011
Jeder lernt anders. Forscher haben ein System entwickelt, das es erlaubt, Lerninhalte ganz individuell anzupassen. LogiAssist spricht vor allem Unternehmen der Logistikbranche und Fernfahrer an. Sie können sich unterwegs mithilfe von Audio-Vorlesungen, Textdokumenten oder per Video weiterbilden.

Der alte Witz: »Wer sitzt den ganzen Tag vor seinem Bett und schaut zum Fenster hinaus? – ein Fernfahrer« hat längst ausgedient. Das Steuern eines Lastwagens ist heute ein Beruf, der viele Qualifikationen erfordert. Moderne Trucker müssen nicht nur Landkarten lesen und elektronische Geräte bedienen können, sondern auch ihre Routen möglichst effizient der gegebenen Verkehrs- und Ladungssituation anpassen, über die Rechtsbestimmungen auf dem Laufenden sein und die Sicherheit ihrer Ladung überwachen. Hinzu kommt eine Fülle von komplexen Vorschriften der EU-Gesetzgebung.


Lastwagenfahrer können sich mit dem System LogiAssist beruflich weiterbilden – beispielsweise via Smartphone. (© Fraunhofer FIT)

Ein Fahrer, der auch im Ausland unterwegs ist, muss sich obendrein mit fremden Sprachen herumschlagen und die Vorschriften des Gastlands kennen. Er kommt also nicht umhin, sich ständig weiterzubilden. Dazu ist er sogar gesetzlich verpflichtet. Andererseits verbringt ein Lastwagenfahrer fast den ganzen Tag hinter dem Lenkrad, freie Zeit hat er kaum. Die Trucks bringen nur Geld, so lange sie unterwegs sind. Daher muss der Fahrer die Standzeiten kurz halten.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT in Sankt Augustin haben zu diesem Zweck in enger Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft und dem Weiterbildungssektor das System LogiAssist entwickelt. »Es soll Fahrern und Unternehmern der Logistikbranche beim Lernen und Vorbereiten der beruflichen Weiterbildung helfen«, sagt Projektleiter Dr. Martin Wolpers. Das Konzept setzt darauf, dass Trucker am Feierabend, in den Pausen oder auch während des Fahrens mit einer Audio-Vorlesung lernen können oder aber über ein Assistenzsystem vor Ort gezielt unterstützt werden. Die Inhalte werden via Smartphone, Tablet-Computer oder Laptop angeboten – auf Geräten also, mit denen das Cockpit ohnehin ausgestattet ist. Sie sind auf die Lernbedürfnisse der Branche zugeschnitten und können auf den jeweiligen Kontext abgestimmt werden, je nach Vorwissen, Person, Fahrzeug, Ladung oder Fahrtroute.

Mit der Entwicklung derartiger Lernumgebungen beschäftigt sich die Forschergruppe am Fraunhofer FIT seit Jahren im EU-Projekt ROLE, kurz für Responsive Open Learning Environments (www.role-project.eu). »Wir sprechen mehrere Zielgruppen an«, er läutert Wolpers. »Dazu zählen Universitätsstudenten, Wissensarbeiter, Anbieter von Lehrmaterialien, aber auch mobile Personen ohne Schreibtisch wie die Trucker. Im Grunde alle, die auf elektronischem Wege lernen wollen.« Für sie erarbeiten die Wissenschaftler Standards und Anwendungen, die es ihnen ermöglichen, unterschiedliche Lehrmaterialien auf einer ganz individuell abgestimmten Lernplattform zu nutzen. Mit einem Baukasten aus vorgefertigten Werkzeugen kann sie jeder für sich zu sammenstellen. Wer möchte, nutzt die Software, die er aus dem Alltag kennt, also die gewohnten Browser oder Suchmaschinen. Zudem kann man auch in der Gruppe lernen und per Chatprogramm, Outlook oder Skype andere Teilnehmer des Online-Kurses kontaktieren. Die Lernumgebung ist so angelegt, dass sie sich dem Lern- und Arbeitsstil des Einzelnen anpasst: Während der eine es vorzieht, sich den Lernstoff am Bildschirm anhand von Dokumenten zu erarbeiten, lernt ein anderer überwiegend mit kurzen Teileinheiten über das Handy als Videosequenz oder Audio-Datei.

Vom 1. bis zum 5. März zeigt das Fraunhofer FIT auf der CeBit in Hannover in Halle 9, Stand B36 die praktische Anwendung derartiger individueller Lernumgebungen: Interessierte haben einerseits die Möglichkeit, LogiAssist selbst auszuprobieren. Andererseits können sie beobachten, wie chinesische Studenten mit Hilfe der Soft ware auf höchst unterschiedliche Weise Englisch lernten und dazu ihre jeweiligen Lernprogramme gestaltet haben.

Dr.-Ing. Martin Wolpers | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/13/trucker-e-learning-logiassist.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Vom Gehirn zur Robotik: Algorithmen verarbeiten Sensordaten wie das Gehirn
25.09.2017 | Universität Ulm

nachricht Ein stabiles magnetisches Bit aus drei Atomen
21.09.2017 | Sonderforschungsbereich 668

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops