Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Künstliches Augenlicht aus der Spielkonsole

30.06.2011
Studierende der Universität Konstanz entwickeln aus dem Videospiel-Sensor „Kinect“ eine Orientierungshilfe für Sehbehinderte

Studierende der Universität Konstanz haben mithilfe des Videospiel-Sensors „Kinect“ eine Orientierungshilfe für Sehbehinderte geschaffen. Ihr Orientierungssystem NAVI erfasst mittels des Kinect-Sensors Objekte, Personen, Bewegungen und sogar codierte Informationsschilder vor seinem Träger.

Über einen Vibrationsgürtel werden die optischen Eindrücke präzise abgebildet und für Sehbehinderte spürbar gemacht; NAVI simuliert damit ein räumliches Sichtfeld. Durch codierte Hinweistafeln, die von NAVI erkannt und per Sprachausgabe vorgelesen werden, ist es darüber hinaus möglich, Routen durch Gebäude abzustecken, die einen Sehbehinderten selbstständig zum gewünschten Ziel führen. Große Beachtung erhielt das Orientierungssystem auf der Entwicklermesse MIX11 in Las Vegas, auf der die beiden Konstanzer Informatik-Studenten Michael Zöllner und Stephan Huber ihre Erfindung auf Einladung von Microsoft vorgestellt haben.

„Wir haben uns überlegt: Wie wäre es, wenn wir die Perspektive der Kinect umdrehen würden? Wenn wir sie keine Körper-Erfassung vornehmen lassen würden, sondern die Kinect einer Person auf den Kopf setzten, um sie die Umgebung erfassen zu lassen?“, skizziert Michael Zöllner die Geburtsidee des Orientierungssystems NAVI. Die Orientierungshilfe für Sehbehinderte entstand auf Anregung von Prof. Dr. Harald Reiterer, Professor für Mensch-Computer-Interaktion an der Universität Konstanz: „Das Projekt NAVI war eingebettet in eine Lehrveranstaltung, in der unkonventionelle Formen der Interaktion mit Technologien und der Umwelt entwickelt wurden“, erläutert Reiterer: „Das Projekt NAVI zeigt dabei in vorbildlicher Weise neue Möglichkeiten der Interaktion mit der Umwelt auf, die durch die Kombination von neuen Technologien für Menschen mit Sehbehinderung entstehen können.“

NAVI ist als Ergänzung zu GPS-gestützten Orientierungssystemen gedacht und soll diese – oder gar den Blindenstock – nicht ersetzen, sondern deren Möglichkeiten erweitern. „Die Stärken von NAVI liegen in seiner Objekterkennung, das können GPS-Systeme nicht oder nur begrenzt“, führt Stephan Huber aus. NAVI ist in seinem Einsatzgebiet auf Innenräume beschränkt, da der Kinect-Sensor infrarotempfindlich ist und daher nicht im Außenbereich einsetzbar ist. Gerade innerhalb von größeren öffentlichen Gebäuden erlaubt eine NAVI-Routenbeschilderung jedoch eine vorzügliche Wegfindung, da NAVI über eine Entfernungsmessung zu den codierten Hinweisschildern punktgenau feststellen kann, wann ein Wegsuchender abbiegen oder eine Tür öffnen muss. Die Erfinder sehen sich selbst als Ideengeber und schließen eine Kommerzialisierung von NAVI aus: „NAVI soll eine Inspiration sein für andere Entwickler, die neue Formen von Benutzerschnittstellen umsetzen“, bekräftigt Stephan Huber.

Der Sensor Kinect wurde von Microsoft ursprünglich als Steuerungshardware für die Videospielkonsole „Xbox 360“ entwickelt. Mittels eines Tiefensensors und einer Farbkamera erlaubt Kinect es, den Körper eines Spielenden optisch zu erfassen und seine Bewegungen ins Videospiel hinein zu übertragen. Rasch nach dem Erscheinen des Sensors entdeckten freie Entwickler, dass das Potential der Kinect weit über Videospielanwendungen hinausgeht, und entwarfen neue Einsatzmöglichkeiten für den Sensor. Jüngst veröffentlichte Microsoft im Juni 2011 ein frei zugängliches und nicht-kommerzielles „Software Development Kit“ (SDK) für Kinect und eröffnete damit freien Entwicklern die Möglichkeit, neue Anwendungskonzepte des Gerätes auszuarbeiten.

Weitere Informationen zum Projekt und ein Videomitschnitt der Präsentation von NAVI auf der Entwicklermesse MIX11 in Las Vegas, USA, unter:

http://hci.uni-konstanz.de/blog

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: 07531 / 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de
Prof. Dr. Harald Reiterer
Universität Konstanz
Mensch-Computer Interaktion
Universitätsstraße 10
78464 Konstanz
Telefon: 07531 / 88-3704
E-Mail: Harald.Reiterer@uni-konstanz.de

Julia Wandt | idw
Weitere Informationen:
http://hci.uni-konstanz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Klick-Tagebuch: App-Projekt der HdM erlaubt neuen Ansatz in Entwicklungsforschung
11.01.2017 | Hochschule der Medien Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau