Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Künstliche Intelligenz mit menschlicher Logik

10.06.2014

Angenommen, Deutschlands Straßen und Schienen würden künftig nicht mehr von Menschen geplant, sondern Computer könnten entscheiden, wo die neue Autobahn oder die neue Bahnstrecke verläuft. Undenkbar?

Für die Infrastruktur eines Landes vielleicht – doch im Kleinen wird dieses Prinzip jetzt umgesetzt, nämlich in Fabriken. Die „Straßen“, auf denen sich Fahrerlose Transportfahrzeuge durch Produktionshallen und Lager bewegen, sollen künftig von einer künstlichen Intelligenz geplant werden. Daran arbeitet das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) in einem Forschungsprojekt, das vom Bundeswirtschaftsministerium finanziert wird.


Fahrerlose Transportfahrzeuge: Auf welchen Wegen sie sich durch die Fabrik bewegen, wird künftig nicht mehr manuell festgelegt, sondern automatisch – mithilfe von künstlicher Intelligenz.

Foto: Carmenter

Transportfahrzeuge in Fabriken kommen längst ohne menschliche Steuerung ans Ziel. Sogenannte Fahrerlose Transportsysteme (FTS) bringen Material aus dem Lager zur Maschine oder transportieren fertige Produkte von der Produktionsstätte zum Verpackungsort. Die Fahrzeuge bewegen sich dazu vollautomatisch auf vorgegebenen Strecken. Doch auch wenn kein Mensch am Steuer sitzen muss, legen immer noch Menschen fest, welche „Straßen“ die Fahrzeuge nutzen dürfen. 

Diese sogenannten FTS-Wegenetze werden zurzeit manuell geplant und müssen ständig von Hand angepasst werden – wenn sich beispielsweise herausstellt, dass es an einer Kreuzung oft zu Beinahe-Kollisionen kommt oder sich auf einer vielbefahrenen Strecke die Fahrzeuge stauen. Geht es nach dem Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH), soll künftig eine künstliche Intelligenz diese Aufgabe übernehmen. Das Forschungsunternehmen entwickelt derzeit ein System, das Wegenetze automatisch auslegt und anpasst – ohne dabei jedoch auf die Erfahrung der menschlichen Wegenetz-Planer zu verzichten.

„Die Spezialisten haben im Gefühl, worauf sie bei der Planung eines Wegenetzes achten müssen“, sagt IPH-Mitarbeiterin Sarah Uttendorf. „Ihr Erfahrungsschatz lässt sich aber nur schwer in mathematische Formeln übersetzen.“ Bei der Programmierung setzt die Wirtschaftsingenieurin deshalb auf sogenannte „Fuzzy-Logik“ – auf ungefähre Regeln also, an denen sich der Computer bei der Wegenetz-Planung orientieren soll. Beispielsweise: Wenn es Stau gibt, lege eine andere Route fest. Oder: Wenn sich der Weg zu nah an der Wand befindet, verschiebe ihn ein Stück. Für Menschen klingt das selbstverständlich – einem Computer beizubringen, so zu denken, ist allerdings eine Herausforderung. 

Künstliche Intelligenz, die menschlicher Logik folgt, soll also künftig Wegenetze für Fahrerlose Transportsysteme planen. In der Vision der IPH-Forscher gibt der Nutzer dazu lediglich alle relevanten Daten in das System ein – beispielsweise den Grundriss der Fabrik, die Maße der eingesetzten Fahrzeuge oder die Anzahl der Werkstücke, die an einem durchschnittlichen Arbeitstag von Maschine A zu Maschine B transportiert werden müssen. Der Computer erkennt Lager- und Montageplätze anhand des Grundrisses automatisch, identifiziert freie Flächen und legt die Wege fest, auf denen sich die Fahrzeuge bewegen dürfen.

Die künstliche Intelligenz soll auch in der Lage sein, das Wegenetz nachträglich anzupassen. Das ist im laufenden Betrieb nötig, wenn beispielsweise wegen eines Großauftrags mehr produziert werden muss als üblich und damit auch mehr Material zu den Maschinen gebracht werden muss.

In solchen Fällen müssen bislang Spezialisten manuell eingreifen und das Wegenetz neu auslegen – das ist aufwändig und teuer. Die künstliche Intelligenz soll die Wegenetz-Planer künftig bei der Arbeit unterstützen. Mit ihrer Hilfe ließe sich das Netz schneller anpassen, zudem könnte sie problemlos mehrere Alternativen berechnen und vergleichen. 

Ein erster Praxistest des Systems ist für Ende 2015 geplant. Das IPH sucht dafür noch Projektpartner, die bereits ein Fahrerloses Transportsystem nutzen und die neue Technik in ihrem Unternehmen ausprobieren wollen. Auch Hersteller von FTS können sich noch an dem Forschungsvorhaben beteiligen und ihr Expertenwissen einbringen. Interessierte Unternehmen melden sich bei Sarah Uttendorf unter Telefon (0511) 27976-227 oder per E-Mail an uttendorf@iph-hannover.de. Das Kick-Off-Treffen zum Projektstart findet am 25. Juni in Hannover statt. 

Das IGF-Vorhaben (18007 N/1) der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V. wird über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.

Weitere Informationen:

http://www.fts-wegenetz.de

Susann Reichert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Schnelle Time-to-Market durch standardisierte Datacenter-Container
28.03.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Modellfabrik Industrie 4.0: Forschungs- und Trainingsplattform für Wissenschaft und Wirtschaft
28.03.2017 | Hochschule Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit