Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kreditkartenbetrüger – schnell entlarvt

02.05.2013
Steckt die Kreditkarte im Portemonnaie und dieses in der Tasche, wähnt man sich sicher vor Betrügereien. Zu Unrecht: Trickbetrügern reichen meist Kartennummern und -daten. Eine neue Software soll nun effektiver vor den Dieben schützen.
Noch mal eben schnell auf den Kontostand geschaut – doch was ist das? Obwohl man die letzten Wochen im Büro saß und sich definitiv nicht in anderen Ländern aufgehalten hat, macht einem die Abrechnung weis, man hätte sowohl Elektronik in der Türkei gekauft als auch Restaurantquittungen in Frankreich beglichen. Der Kunde muss in einem solchen Fall meist nur bei der Bank anrufen, um das Geld zurückzuerhalten. Die Kreditinstitute bleiben allerdings oft auf den Kosten sitzen.

Doch wie lassen sich die Karten besser schützen? Einfach auf sein Portemonnaie aufzupassen und die Karten bei der Bezahlung nicht aus der Hand zu geben, reicht nicht aus. Denn die Kartenlesegeräte können ohne das Wissen des Verkäufers oder des Restaurantbesitzers mit Trojanern verseucht sein, welche die Daten unbemerkt an Dritte weiterleiten. Auch bei Bezahlungen im Internet weiß der Kunde nicht, auf welche Abwege seine Daten geraten.
Die Banken erstellen daher Wenn-Dann-Regeln für die Buchungsvorgänge: Etwa »Wenn die Buchung aus dem Ausland erfolgt und einen gewissen Betrag übersteigt, verhindere die Buchung«. Auf dem Display des Bezahlgerätes erscheint dann nach der Online-Abfrage bei der Bank der Hinweis, dass die Buchung nicht erfolgreich durchgeführt werden konnte. Bisher schauen sich die Mitarbeiter die Betrugsfälle von Hand an und erstellen dazu die jeweiligen Regeln. Bei der riesigen Anzahl von Betrugsdelikten gelangt dieses Verfahren jedoch schnell an seine Grenzen.

Rasantes Prüfverfahren

Die Software »MINTify rule« unterstützt die Mitarbeiter der Banken daher – und hilft ihnen, die passenden Regeln zu erstellen. Entwickelt haben die Software die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS in Sankt Augustin gemeinsam mit ihren Partnern des Unternehmens PAYMINT. »Unsere Software analysiert die jeweils aktuellen Buchungen, die in der Datenbank des Kreditunternehmens gespeichert sind.
Je nach Größe des Unternehmens können das eine Million Datensätze pro Monat oder auch eine Million pro Stunde sein«, sagt Dr. Stefan Rüping, Gruppenleiter am IAIS. »Für diese Buchungen sucht die Software unter allen möglichen Regeln die zehn bis hundert besten heraus. Das Besondere: Wir können garantieren, dass das Programm die besten aller Regeln findet.« Der gesamte Vorgang dauert dabei nicht länger als eine halbe bis maximal eine Stunde. Auf Dauer soll das System noch schneller werden – das Ziel der Forscher ist es, die gesamte Prozedur in wenigen Minuten zu durchlaufen. Dann wäre die Software auch für Aktienhäuser interessant.

Wie viel Sicherheit sich die Bank für welche Kartenart wünscht und wie viele nicht-bediente Kunden sie dafür in Kauf nimmt, muss sie in einer Quote vorgeben. Denn je mehr Betrüger gestoppt werden, desto mehr echte Kunden werden vor dem Problem stehen, nicht bezahlen zu können. Wünschenswert ist sicherlich die Quote »Alle Betrüger stoppen, keinen Kunden« – realistisch ist sie dagegen noch nicht. Passender wäre beispielsweise »Vier Betrüger, ein Kunde«.
Mit dieser Angabe kann »MINTify rule« mit der Analyse loslegen und die optimalen Regeln heraussuchen. »Irgendwann kommt heraus, ob eine Aktion legal war oder nicht. Aus diesen Daten kann die Software lernen«, erläutert Rüping. Zudem sind die Regeln, die die Sicherheitsanwendung findet, gut nachvollziehbar: Die Mitarbeiter können die gefundenen Regeln daher – wenn gewünscht – zunächst überprüfen oder auch ungesehen freischalten.

Bei einigen Banken sowie einem führenden europäischen Zahlungsabwickler wird »MINTify rule« bereits eingesetzt und schützt dort viele Millionen Kreditkarten. Doch auch in anderen Bereichen kann die Anwendung helfen, beispielsweise könnte sie Ärzte in Krankenhäusern bei der Auswahl der Medikamente unterstützen.

Dr. rer. nat.StefanRüping | Fraunhofer Forschung Kompakt
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2013/Mai/kreditkartenbetrueger-schnell-entlarvt.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Klick-Tagebuch: App-Projekt der HdM erlaubt neuen Ansatz in Entwicklungsforschung
11.01.2017 | Hochschule der Medien Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau