Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kreative Ideen für Sehbehinderte entwickelt

03.02.2015

Mit einer speziellen App können auch Menschen mit Sehbehinderung die Texte auf einem Tablet-Computer gut lesen. Entwickelt wurde sie im Studiengang Mensch-Computer-Systeme an der Uni Würzburg. Dort sind weitere kreative Ideen für Sehbehinderte in Arbeit.

Die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen sollen in der Informationstechnologie besser berücksichtigt werden: Darauf zielt eine Kooperation zwischen dem Berufsförderungswerk Würzburg (BFW) und dem Institut für Mensch-Computer-Medien der Universität ab. Das BFW ist ein Bildungszentrum für Menschen mit Seheinschränkung.


Enrico Göbel vom BFW Würzburg (links) und Michael Überschär aus dem Studiengang Mensch-Computer-Systeme entwickelten die Vergrößerungs-App Yris, die Sehbehinderte über das iPad nutzen können.

(Foto: BFW Würzburg)

Wie die Kooperation aussieht? Studierende können in Seminaren oder Abschlussarbeiten IT-Konzepte entwickeln, die Menschen mit Sehbehinderungen den Alltag erleichtern. Damit sie nicht an den Bedürfnissen der Nutzer vorbei arbeiten, werden diese in die Entwicklungsarbeit eingebunden. Die entsprechenden Kontakte werden beim BFW geknüpft.

„Unsere Studierenden können sich dort aus erster Hand über das Handicap ‚schlecht sehen‘ und die damit verbundenen Herausforderungen informieren“, sagt Dozent Robert Tscharn, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für psychologische Ergonomie. Die enge Zusammenarbeit bringe den Studierenden auch die Erfahrung, wie schnell Berührungsängste zu Menschen mit Behinderung verschwinden können.

Lupen- und Fernglas-App programmiert

Student Michael Überschär zum Beispiel hat in seiner Bachelor-Arbeit in Kooperation mit dem BFW die barrierefreie Lupen- und Fernglas-App „Yris“ programmiert. Sie ermöglicht es sehbehinderten Menschen, Texte auf dem iPad zu vergrößern und Filter darüber zu legen. Dadurch werden die Informationen besser lesbar. Die App unterstützt die Nutzer auch mit Hilfsmitteln wie Positionsanzeigern und Lesezeichen.

„Ein tolles Ergebnis und ein schöner Meilenstein in der Zusammenarbeit zwischen dem BFW und der Universität Würzburg“, findet Enrico Göbel, IT-Lehrer am Berufsförderungswerk. Doch die jungen Leute aus dem Studiengang Mensch-Computer-Systeme haben noch mehr Ideen auf Lager. Einige davon stellten sie Ende Januar bei der Abschlusspräsentation ihres Projektseminars „Accessability & Inclusive Design“ im BFW vor.

Orientierung in Gebäuden und an Haltestellen

Was sich die 14 Studierenden in dem Seminar so ausgedacht haben? Unter anderem ein Indoor-Navigationssystem fürs Smartphone, das Sehbehinderten zum Beispiel bei der Orientierung in großen Ämtergebäuden hilft. Es beruht auf der Technologie iBeacon: Mehrere kleine Sender sind im Raum oder im Gebäude platziert, ihre Signale werden von einer App registriert und weiterverarbeitet – zum Beispiel zu einer sprachgesteuerten Navigationshilfe: „Zu Raum 19 bitte noch 20 Schritte gehen, dann in den Flur links abbiegen und noch zehn Schritte gehen“: So könnte eine Ansage vom Smartphone lauten, die einem sehbehinderten Nutzer den Weg weist.

Ein anderes Team befasste sich mit Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr, besonders an Haltestellen. „In Interviews mit den Sehbehinderten hat sich gezeigt, dass es zum Beispiel ein großes Problem ist, wenn an einer Haltestelle mehrere Straßenbahnen hintereinander stehen“, erklärt Tscharn. Welche davon ist die Linie eins, welche die vier? Auch dieses Problem gingen die Studierenden mit Hilfe der iBeacon-Technologie an, um Sehbehinderte per Smartphone zum richtigen Bus zu lotsen.

Konzepte erarbeitet, nicht Produkte

„Die Studierenden haben im Seminar an einem Design-Prozess gearbeitet, der mit Konzepten endet, nicht mit fertigen Produkten“, so Dozent Robert Tscharn. Das bedeutet aber nicht zwingend das „Aus“ für die neuen Konzepte: „Ich bin überzeugt, dass wir die ein oder andere Idee im Sinne unserer blinden und sehbehinderten Teilnehmer weiter unterstützen und vorantreiben werden“, so BFW-Geschäftsführer Christoph Wutz. Zudem wolle man aufgrund der positiven Erfahrungen die Zusammenarbeit mit der Universität weiter ausbauen.

Kontakt

Robert Tscharn, Institut Mensch-Computer-Medien, Universität Würzburg, T (0931) 31-84718, robert.tscharn@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise