Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IT-Sicherheit wird Eckpfeiler der deutschen Wirtschaft

25.04.2013
Unsere Abhängigkeit von Informationstechnologien wächst. Genauso wie die Angriffe auf IT-Systeme, um diese zu manipulieren oder zu kopieren.

Gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Wissenschaft arbeitet Fraunhofer an Strategien und Lösungen, die das verhindern sollen. Mit intelligenten Technologien für die Sicherheit von eingebetteten Systemen, Smart Grids, Cloud Computing oder mobilen Geräten verbessern die Forscher unsere private Sicherheit und schützen Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen.


Schutzfolie gegen Produktpiraten: Sie ist fest mit der Hardware verschweißt und macht bei der kleinsten Beschädigung das Auslesen sensibler Daten unmöglich. © Fraunhofer AISEC

In Deutschland beobachten Experten nicht nur eine gestiegene Zahl, sondern auch »eine neue Qualität« zielgerichteter Cyberangriffe, wie dem letzten »Lagebericht zur IT-Sicherheit« des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu entnehmen ist. Alleine bayerische Behörden sind laut Innenminister Joachim Herrmann täglich über 35.000 Attacken aus dem Internet ausgesetzt. Dieser Trend verwundert nicht, bestimmt Informationstechnik doch zunehmend unser tägliches Leben.

Dass die IT-Systeme funktionieren, wird daher immer mehr zum entscheidenden Faktor: Einerseits, weil die Zahl sensibler Daten steigt, die wir austauschen – verstärkt über mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets. Andererseits, weil wichtige Dienste in der Gesundheitsversorgung, der Energieerzeugung, im Verkehr oder in der industriellen Produktion zunehmend vernetzt und digital gesteuert werden.

Fraunhofer-Sicherheitszentrum im Norden Münchens

Die Fraunhofer-Einrichtung für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC in Garching bei München unterstützt Unternehmen, Behörden und Privatpersonen beim Schutz vor derartigen Attacken. »Cyberangriffe können heute großen Schaden für Unternehmen und Gesellschaft verursachen. Aber auch außerhalb des Internets lauern Gefahren: Zum Beispiel durch Produktpiraterie, die heute auch immer mehr Diebstahl von IT-gestütztem Know-how bedeutet – ganz egal ob Software oder Hardware.
Der IT-Sicherheit kommt damit eine zentrale gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung zu. Für die deutsche Wirtschaft wird sie zunehmend zum wichtigen Eckpfeiler. Firmen können von dieser Entwicklung profitieren. Zum einen, um ihre eigenen Produkte und Lösungen vor möglichen Gefahren zu schützen. Zum anderen, indem sie Lösungen aus der Forschung einsetzen und selbst hochwertige Sicherheitstechnologien entwickeln und weltweit anbieten«, so Prof. Dr. Claudia Eckert, Leiterin des AISEC.

Kernkompetenzen der derzeit rund 80 wissenschaftlichen und technischen Mitarbeiter liegen bei der Hardware-nahen Sicherheit und der Sicherheit Eingebetteter Systeme, des Produkt- und Know-how-Schutzes, der Automotive-Sicherheit, der Sicherheit von Netzen sowie der Sicherheit im Cloud- und Service-basierten Computing. Die Wissenschaftler testen, wie bestehende Systeme auf Cyberattacken reagieren, analysieren deren Schwachstellen und entwickeln auf Basis der gewonnen Erkenntnisse konkrete Technologien zum Schutz sensibler Informationstechnologien. »Unser Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden und Partner aus produzierenden und dienstleistenden Unternehmen sowie öffentlichen Institutionen zu unterstützen und zu verbessern«, beschreibt Prof. Eckert die Aufgabe des AISEC.

Bayern hat die IT-Sicherheit Anfang 2013 im Zukunftskonzept »Digital Bavaria« verankert. Wirtschaftsminister Martin Zeil führt das Thema dort als besonders wichtiges Handlungsfeld auf. Unter anderem soll dabei das AISEC in den nächsten Jahren zu einem Sicherheitszentrum von nationaler und europäischer Bedeutung ausgebaut werden. Insgesamt investiert Bayern in den nächsten fünf Jahren 250 Millionen Euro in »Digital Bavaria«. »Wichtige Handlungsfelder sind die mobile Kommunikation, die Fabrik der Zukunft – Stichwort ‚Industrie 4.0‘ – intelligente Energienetze, Cloud Computing und das vernetzte Automobil«, präzisiert Prof. Eckert.

Schutzfolie verhindert Auslesen von Daten

Auch beim Thema Plagiatsschutz verstehen sich die Fraunhofer-Wissenschaftler als Dienstleister der Industrie, insbesondere des Mittelstands. »Made in Germany« ist auch bei Produktfälschern hoch im Kurs. Dies gilt vor allem für Maschinen und andere hochtechnische Produkte, die häufig keinen besonderen Schutz in sich tragen und den Fälschern ihr Handwerk erleichtern. Laut einer Studie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) beliefen sich die Umsatzverluste der Branche durch Plagiate 2011 auf rund acht Milliarden Euro – bei einer Steigerung um 24 Prozent gegenüber der letzten Umfrage vor zwei Jahren.

»Hier sind vor allem technologische Lösungen gefragt, die sowohl die Unternehmen vor Wirtschaftsspionage bewahren, als auch die durch hohe Eigeninvestitionen entwickelten Produkte gegen Nachbau absichern. Leider geht bisher nur ein Bruchteil der betroffenen Unternehmen das Problem an. Dabei sind Maßnahmen gegen die Produktpiraterie meist viel günstiger, als die durch sie entstehenden Kosten«, ergänzt Prof. Eckert. Ihr Team hat beispielsweise eine Schutzfolie entwickelt, mit der sich elektronische Steuerungskomponenten gegen Angriffe von außen absichern lassen. Damit können unerlaubte Zugriffe auf das Herzstück von elektronischen Geräten, die Firmware, verhindern werden. Die Folie ist fest mit der Hardware verschweißt und macht bei der kleinsten Beschädigung das Auslesen sensibler Daten unmöglich.

Fester Bestandteil der Sicherheitskompetenzen am AISEC ist auch das Thema Mobile Sicherheit. Zum Forschungsgebiet der Wissenschaftler gehören konkrete Lösungen für sichere mobile Endgeräte. Die Technologie trust | me zum Beispiel ermöglicht es, Smartphones und Tablets sicher in Firmennetzen zu nutzen. Das gelingt, indem die Forscher sichere isolierte Umgebungen für den privaten und geschäftlichen Bereich eingerichtet haben. Dadurch lassen sich mehrere virtualisierte Smartphones auf einem Gerät betreiben. Vertrauliche Unternehmensdaten bleiben vor dem Zugriff Dritter geschützt.

Die »App-Ray« unterstützt den Trend zu »Bring Your Own Device (BYOD)«, also dem Wunsch, private Smartphones und Tablets auch für geschäftliche Zwecke zu nutzen: »Mit der am AISEC entwickelten Technologie lassen sich Apps ‚röntgen‘. Ich bekomme sofort angezeigt, auf welche Daten meines Geräts die neu heruntergeladene App zugreift«, erklärt Julian Schütte, der das Projekt verantwortet. Die unternehmenseigene IT weiß sofort, welche Apps sich für den geschäftlichen Einsatz eignen und zum Download freigegeben werden können. Firmen können so ihren eigenen, qualitätsgeprüften App-Store sowohl für Mitarbeiter als auch für ihre Kunden betreiben.

ViktorDeleski | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2013/April/it-sicherheit-wird-eckpfeiler-der-deutschen-wirtschaft.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren
20.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Erster Modularer Supercomputer weltweit geht am Forschungszentrum Jülich in Betrieb
14.11.2017 | Forschungszentrum Jülich GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie