Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intelligentes Implantat ersetzt Lesebrille

14.10.2008
KIT-Wissenschaftler entwickeln anpassungsfähige Linse für Nah- und Fernsehen

Rund 1,3 Milliarden Menschen weltweit leiden unter Altersweitsichtigkeit. Ab dem vierzigsten Lebensjahr verschlechtert sich das Nahsehen, weil das Auge Objekte in nächster Nähe nicht mehr scharf abbilden kann. Verantwortlich hierfür ist die nachlassende Elastizität der Augenlinse. Wissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickeln zurzeit ein intelligentes Implantat, das diese Ermüdungserscheinung ausgleichen soll.

Wenn eine Armeslänge nicht mehr ausreicht, um die Zeitung zu lesen, hilft normalerweise eine Lesebrille dem nachlassenden Sehvermögen auf die Sprünge. Diese Ersatzleistung wollen Wissenschaftler des Instituts für Angewandte Informatik (IAI) nun in das Auge hinein verlagern und mit einem intelligenten System die kontinuierliche Brechungsleistung der Linse ersetzen. Die Vision der Wissenschaftler: Eine Optik mit intelligenten Materialien, die sich an die unterschiedlichen Bedingungen des Nah- und Fernsehens anpasst. "Innerhalb von fünf Jahren wollen wir einen Prototyp entwickeln und die Grundlagen für ein Implantat schaffen", kündigt Professor Georg Bretthauer vom IAI an.

Das menschliche Auge ist ein optisches System. Es lenkt einfallendes Licht auf dem Weg von der Hornhaut bis zur Netzhaut auf der Rückseite des Auges so ab, dass auf der Netzhaut ein scharfes Abbild des anvisierten Objektes entsteht. Um sich auf unterschiedlich entfernte Objekte einzustellen, muss das Auge sein Brechungsverhalten anpassen. Dazu verändert der Ziliarmuskel die Form und Lage der Augenlinse. Beim Blick in die Ferne hat die Linse eine flachere Form und dadurch eine niedrigere Brechkraft.

Je näher das Objekt rückt, desto mehr nimmt die Linse eine kugeligere Gestalt mit einer höheren Brechkraft an. Diese so genannte Akkommodation, das heißt die Anpassung an verschiedene Sehweiten, lässt mit den Jahren nach und verschwindet im Alter im Fall der Altersweitsichtigkeit fast völlig, da die Linse ihre Elastizität verliert. Das künstliche Akkommodationssystem der KIT-Wissenschaftler soll die nachlassende Sehleistung kompensieren. Es benötigt dazu mehrere Komponenten: ein aktiv-optisches Element mit Aktorik, einen Sensor zur Erfassung des Akkommodationsbedarfs sowie eine Steuerung und Energieversorgung. Zurzeit entwickeln die KITWissenschaftler die Grundlagen für das Aktorsystem, das Energieversorgungssystem und für die Systemintegration. Für die anderen Komponenten liegen bereits wesentliche Ergebnisse vor, die ein Demonstrator veranschaulicht, der das menschliche Auge im Maßstab 5:1 abbildet.

Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit der Universitäts- Augenklinik in Rostock durchgeführt. Beteiligt sind außerdem ab 2009 als Industriepartner die Firmen Carl Zeiss Meditec AG und Wittenstein AG, die gemeinsam mit dem KIT und der Universität Rostock in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt einen entsprechenden Prototyp entwickeln werden.

Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schließen sich das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Einrichtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut.

Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches Energieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovationspartner für die Wirtschaft.

Weiterer Kontakt:
Inge Arnold
Forschungszentrum Karlsruhe
Stabsabteilung Presse, Kommunikation und Marketing
Postfach 3640, 76021 Karlsruhe
Tel.: +49 7247 82-2861
Fax: +49 7247 82-5080
E-Mail: info@pkm.fzk.de

Dr. Elisabeth Zuber-Knost | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits
15.12.2017 | Forschungszentrum Jülich GmbH

nachricht Neues Epidemie-Management-System bekämpft Affenpocken-Ausbruch in Nigeria
15.12.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik