Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intelligenter Container: Überwachung von Kühltransporten

13.05.2014

„Intelligenter Container“ der Uni Bremen steht im Mittelpunkt einer renommierten Publikation

Seit zehn Jahren arbeiten Forscher der Universität Bremen interdisziplinär am „intelligenten Container“. Eine genaue Überwachung von Kühltransporten soll dafür sorgen, dass Verluste in der Lebensmittelkette deutlich reduziert werden können.


Ein kleiner Sensor in einer Bananenverpackung.

Foto: Universität Bremen

Die Bremer Wissenschaftler haben nun eine seltene wissenschaftliche Ehre erfahren: Die „Philosophical Transactions A“ der Londoner Royal Society, eine der renommiertesten und ältesten wissenschaftlichen Zeitschriften, widmet dem Thema der Lebensmittellogistik eine ganze Ausgabe und hat die Bremer Teams mit der Herausgabe betraut.

An dem Projekt „intelligenter Container“ sind unter der Leitung des Instituts für Mikrosensoren-, aktoren und –systeme (IMSAS) des Fachbereichs Physik/Elektrotechnik das Microsystems Center Bremen (MCB) und der Forschungsverbund Bremen Research Cluster for Dynamics in Logistics (LogDynamics) beteiligt.

Die Zeitschrift Philosophical Transactions ist eine wichtige Lektüre für Mathematiker, Physiker, Ingenieure und andere Naturwissenschaftler und erscheint seit 1665.

„Nach Abschluss eines aufwändigen Industrie-Projektes im vergangen Jahr war es nun endlich an der Zeit, die aufgezeichneten Daten noch einmal gründlich wissenschaftlich aufzuarbeiten und mit internationalen Experten zu diskutieren“, so Reiner Jedermann, Forscher im Bremer LogDynamics Verbund.

Herausgekommen ist ein Heft mit zehn Beträgen - zur Hälfte aus dem Projekt der Universität Bremen, zur anderen Hälfte mit Artikeln von Lebensmitteltechnologen und Sensoranwendern aus den USA, Schweden, Belgien, Frankreich und Südafrika. Die vorgestellten Fallstudien umfassen den Transport von Bananen, Brombeeren und verschiedener Fleischprodukte auf dem Land- und Seeweg.

Das Heft ist ab sofort online verfügbar unter http://rsta.royalsocietypublishing.org/site/2014/2017.xhtml, die Druckversion erscheint am 13. Juni 2014.

Hintergrund zum „Intelligenten Conatiner“:

Weltweit verderben ein Drittel aller Lebensmittel, bevor sie zum Verbraucher gelangen. Ein erheblicher Anteil davon entfällt auf Verluste entlang der Lieferkette. Eine durchgängige Temperaturüberwachung ist bisher nur eingeschränkt möglich. Gemessen wird nur die Luft-, aber nicht die Warentemperatur. Mit Barcodes und Funkchips können zwar der Lieferweg und die korrekte Zustellung der Waren überwacht werden, aber nicht deren Zustand. Aufgrund von unterschiedlichen Erntebedingungen, dem Zeitpunkt bis zum Beginn der Kühlung und lokalen Abweichungen im Kühlcontainer oder Fahrzeug, sind Veränderungen der Qualität bei frischen Lebensmitteln unvermeidbar. Durch ein Netzwerk aus bis zu 20 Funksensoren ist es nun möglich, die Temperatur direkt in der Verpackung zu messen. Anhand biologischer Modellrechnungen kann auf die Resthaltbarkeit geschlossen werden. Spezialsensoren für das Gas Ethylen liefern zusätzliche Informationen zur Warenqualität.

Während der Projektlaufzeit wurde die Funktionsfähigkeit des Systems durch mehrere Testtransporte in einem Prototyp des „Intelligenten Containers“ belegt. Ein Beispiel, das auch im aktuellen Heft der „Philosophical Transactions A“ nachzulesen ist, ist der Seetransport von Bananen im Container von Costa Rica nach Europa. Dabei wurden Hunderte von Temperaturkurven aufgezeichnet. „Durch ein Modell des Kühlvorganges verstehen wir jetzt besser, welche Bedingungen zu einer Gefährdung führen“, so Jedermann. „Die entstehende Wärme kann dann nicht mehr abgeführt werden und die Bananen fangen vorzeitig an zu reifen.“

Anhand eines biologischen Modells kann der Container berechnen, wie viele Tage verbleiben, bis die Bananen spätestens in die Reifekammer müssen und eine entsprechende Nachricht per Satellit versenden. Somit können die Prozesse an Land besser geplant werden. „Zukünftig werden Fruchtcontainer mit Ethylen-Sensoren ausgestattet sein,“ so Steffen Janssen, Experte für Gassensorik am Microsystems Center Bremen (MCB). Gegenwärtig konkurrieren drei unterschiedliche Messprinzipien um die erste kommerzielle Anwendung von hochauflösender Ethylen-Messung. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass eine technische Lösung in Kürze verfügbar sein wird. Wir hoffen natürlich, dass es unser miniaturisierter Gas-Chromatograph sein wird, der als erster den Durchbruch schafft.“

Neues Projekt: Schimmelpilz

Es gibt aber auch neue wissenschaftliche Herausforderungen. „Die nächste ungelöste Messaufgabe werden Schimmelpilze sein“, sagt Professor Walter Lang, Sprecher des Microsystems Center Bremen (MCB). In einer neuen Initiative, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) unterstützt wird, entwickelt das Microsystems Center Bremen derzeit ein Sensorsystem, das während des Transports auf See den beginnenden Befall von Lebensmitteln mit Schimmelpilzen feststellen wird.

Weitere Informationen:

Universität Bremen,
Fachbereich Physik / Elektrotechnik
Institut für Mikrosensoren, -aktoren und -systeme (IMSAS)
Dr. Reiner Jedermann
Tel.: 0421 218 62603
E-Mail: rjedermann@imsas.uni-bremen.de


www.intelligentcontainer.com
http://rsta.royalsocietypublishing.org/site/2014/2017.xhtml

Meike Mossig | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Bananen Cluster Container Elektrotechnik IMSAS LogDynamics MCB Physiker Transactions Überwachung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Computer mit Köpfchen
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pepper, der neue Kollege im Altenheim
17.08.2017 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie