Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovative Lösung zur Konferenzarchivierung

29.01.2009
Forschende des Idiap haben im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunkts IM2 eine innovative Lösung zur Archivierung von Konferenzen entwickelt.

Durch die Kombination verschiedener Technologien ist ein bedienungsfreundliches, zuverlässiges System entstanden. Die Forschenden haben ein Unternehmen namens "Klewel" gegründet, um ihr Produkt erfolgreich zu vermarkten. Bereits nutzen renommierte Kunden die Leistungen der neuen Software.

Konferenzen und Sitzungen bieten Unternehmen und Organisationen eine reichhaltige Informationsquelle. Wie kann das Wissen aber zum Beispiel Mitarbeitenden im Ausland zur Verfügung gestellt werden? Wie lässt es sich archivieren? Und vor allem: Wie findet man die gesuchten Informationen ohne grossen Aufwand?

Im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunkts IM2 haben sich Mitarbeitende des Forschungsinstituts Idiap in Martigny mit diesen Fragen beschäftigt. Durch die Zusammenführung verschiedener Technologien aus unterschiedlichen Forschungsprojekten ist es Alessandro Vinciarelli und seinen Kollegen gelungen, eine innovative, zuverlässige und bedienungsfreundliche Lösung zur Inhaltssuche von archivierten Konferenzen zu finden. Für die Qualität dieses Produkts spricht, dass zur Kundschaft bereits ACM, der wichtigste Organisator von Fachkonferenzen, oder Nestlé und Unicef gehören. Die neue Software ist ein weiteres Beispiel für wie der lange Weg und die vielen Hürden zwischen der Grundlagenforschung bis zur Anwendung erfolgreich bewältigt werden kann.

Bilder lesen
Das Konzept ist einfach: Bei einer Präsentation filmt eine Kamera den Redner, während ein Mikrofon das Gesprochene auf einem normalen Computer erfasst. Gleichzeitig zeichnet derselbe Computer auch die zum Vortrag gezeigten Diabilder auf. Diese drei Informationsquellen werden anschliessend synchronisiert. Nachdem die Präsentation archiviert wurde, lassen sich die Dias mit einer Suchmaschinen-Software durchsuchen - nach Schlüsselwörtern wie bei Google. Die Software "liest" daraufhin die Dias und schlägt jene vor, in denen das Schlüsselwort auftaucht. Der Anwender kann dann den Videoausschnitt der Konferenz anschauen und anhören, der zum gewählten Dia gehört.

Das Besondere der am Idiap entwickelten Software besteht darin, dass sie Dias lesen kann, die ja eigentlich einfach als Bilder - Zusammenstellungen unabhängiger Bildpunkte - aufgenommen wurden. Die Software hat nämlich gelernt, Textpassagen zu erkennen: Sie findet im Bild Wörter und liest diese. Damit erschliesst sie alle Arten von Text in einem Dia, etwa Bildlegenden oder Beschriftungen von Grafiken. Die Informationssuche ist besonders effizient, weil sie im gesamten Inhalt erfolgt und nicht nur in einer Liste von Schlüsselwörtern, die vom Redner zu diesem Inhalt erstellt wurde.

Bestehende Technologien kombinieren
Die Konferenzarchivierung hat am Idiap Tradition. Bereits früher hat das Institut einen intelligenten Sitzungsraum entwickelt (Smart Meeting Room). Dieser bietet zwar sehr viel, ein Nachteil ist jedoch die dafür benötigte umfangreiche und komplexe Ausrüstung, die zudem ortsgebunden ist.

Anfang 2004 wollte Alessandro Vinciarelli deshalb den Smart Meeting Room vereinfachen. Dazu verband er dessen Schlüsselelemente mit den Arbeiten seines Kollegen Jean-Marc Odobez. Dieser arbeitete an der Analyse und der Extraktion von Informationen aus Videosequenzen -dem Computer also beizubringen, wie dieser ein Gesicht, eine Landschaft oder auch Text in Bildern erkennen soll.

Präsentationsgerüst auf Diapositiven
Das Hauptanliegen der beiden Forscher bestand darin, ein anwenderfreundliches, zuverlässiges, Platz sparendes und für den Redner unauffälliges System bereitzustellen. Als sie Inhalt und Ablauf von Präsentationen analysierten, stellten sie fest, dass die Dias häufig eine Art Gerüst bilden, in denen die Informationen zusammenfassend und komprimiert erscheinen - zum Beispiel in Form von Schlüsselwörtern. Zwar befinden sich ein Grossteil der Botschaft und die inhaltlichen Feinheiten in den Worten und Gesten des Redners, zur Indexierung der Präsentationen reichen die Dias jedoch aus.

Bei der Entwicklung spielte eine einfache, praktische Benutzeroberfläche ebenfalls eine wichtige Rolle. Um diesen für die Vermarktung eines Produkts sehr wesentlichen Aspekt kümmerte sich der von diesem Projekt begeisterte Ingenieur Maël Guillemot. Seine bretonischen Wurzeln finden sich übrigens auch im Firmennamen wieder: "Klewel" ist ein Zusammenzug von zwei bretonischen Wörtern, die "audiovisuell" bedeuten.

Spracherkennung
Die Forscher des Idiap wollen auch die Spracherkennung in ihr System integrieren. Diese Technologie ist zwar bereits etabliert, das Hauptproblem besteht jedoch darin, sie im Konferenzumfeld anzuwenden, in dem es zu häufigen Rednerwechseln kommt (während für die Anwendung von Spracherkennungsprogrammen in der Regel für jeden Redner eine Trainingssequenz notwendig ist) und zuweilen beträchtlicher Hintergrundlärm vorhanden ist - was sich stark auf die Qualität der Aufzeichnungen auswirken kann. Derzeit werden deshalb die Tests in einem Vorlesungssaal durchgeführt, wo sich die Rahmenbedingungen wesentlich einfacher kontrollieren lassen.

Demonstration der Software, die von den Forschenden entwickelt wurde: http://www.klewel.ch/demo_en.php

Kontakt:
Forschungsinstitut Idiap
Centre du Parc, Rue Marconi 19
CP 592 - CH-1920 Martigny
Dr. Alessandro Vinciarelli
Tel.: +41-27-7217724
Fax: +41-27-7217712
E-Mail: vincia@idiap.ch
Maël Guillemot
Tel.: +41 (0) 27 721 77 64
E-Mail: mael.guillemot@idiap.ch
Fax: +41 (0) 27 721 77 12

| idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Computer mit Köpfchen
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pepper, der neue Kollege im Altenheim
17.08.2017 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie