Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hilfe aus der Wand - Versteckte Technik erleichtert Senioren das Leben zu Hause

14.02.2013
Ungewöhnliche Assistenten könnten künftig älteren Menschen das Leben in der eigenen Wohnung ermöglichen: Die Wände sollen zu Helfern im Alltag werden.
Forscher haben ein System entwickelt, dass auf Brille oder Haustürschlüssel aufpasst, Gesundheitsdaten auswertet und in Kontakt mit Ärzten und Hilfsdiensten steht. Es versteckt sich in einer Wandverkleidung. Vorgestellt wird die intelligente Garderobe am 20. Februar auf der Munich Creative Business Week. Modelle für weitere Zimmer sollen folgen.

Die meisten älteren Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben. Machen Körper und Geist aber nicht mehr richtig mit, beginnen die Probleme: Die Brille ist genauso wenig auffindbar wie das Telefonbuch und beim Einkaufen liegt der Haustürschlüssel zu Hause. Aus Unsicherheit über die eigene Fitness oder einfach nur über das Wetter trauen sich manche Senioren gar nicht mehr vor die Tür.

Forscher der Technischen Universität München (TUM) und Unternehmen haben nun eine Wandverkleidung konstruiert, die für solche Probleme eine Anlaufstelle in der eigenen Wohnung ist. In die Wand eingelassen ist ein Tablet-Computer. Ob Wettervorhersage, Busverbindung oder die Telefonnummer der Tochter – die Nutzer müssen nicht mehr nach Zeitungen, Fahrplänen oder Merkzetteln kramen. Stattdessen können sie an einem Ort alle Informationen über leicht verständliche Buttons abrufen.

Gedacht ist der Prototyp für den Flur. Er sieht deshalb aus wie eine Garderobe – aber eine intelligente: Beim Öffnen der Wohnungstür warnt die Wand, wenn der Schlüssel nicht kurz zuvor aus seinem Kasten genommen wurde. Auch andere Dinge, die man oft in der Wohnung verlegt, hat die Wand unter Kontrolle. Sie steuert ein sogenanntes Indoor Positioning System, das Gegenstände wie beispielsweise die Brille orten kann.

Fühlen sich die Bewohner nicht fit, können sie über Biosensoren die wichtigsten Vitaldaten wie Blutdruck und -zucker messen. Das System gibt dann Empfehlungen, ob Bewegung gut tut oder wahrscheinlich ein Medikament eingenommen werden muss. Erkennt es einen kritischen Gesundheitszustand, stellt es die Verbindung zu Ärzten oder Pflegediensten her. Diese könnten das Terminal auch nutzen, um solche Gesundheitsdaten regelmäßig zu beobachten. Dienstleister, etwa für Einkauf oder Fahrten, könnten ebenfalls angeschlossen werden.

Darüber hinaus kümmert sich die Wand um die Haustechnik. Zum Beispiel sorgt sie mit einer integrierten Klimaanlage für frische Luft, sollten die Bewohner vergessen zu lüften.

Langfristig wollen die Forscher solche Wandverkleidungen für alle Wohnbereiche konstruieren. In der Küche beispielsweise könnte die Wand den Herd überwachen oder mit höhenverstellbaren Schränken das Kochen erleichtern. Zwischen den Stationen soll ein kleiner zusätzlicher Helfer unterwegs sein: ein fahrbarer Roboter, auf den man beispielsweise einen Einkaufskorb abstellen kann. Den bringt der Roboter dann auf Zuruf vom Flur in die Küche.

Wichtig ist den Wissenschaftlern: „Die Menschen sollen so selbstständig wie möglich bleiben“, sagt Prof. Thomas Bock vom Lehrstuhl für Baurealisierung und Baurobotik. „Die Assistenten sollen ihnen immer nur das abnehmen, was sie selbst nicht mehr können.“ Deshalb sollen die Wände flexibel sein: Nach und nach können einzelne Elemente je nach Bedarf eingebaut werden.

Bei aller Hightech haben die Forscher bei der Flurwand bewährte analoge Funktionen nicht vergessen: Neben Kleiderhaken gibt es am Boden einen praktischen Schuhanzieher.
Projekt LISA:
Das Projekt „Living independently in Südtirol / Alto Adige (LISA)“ wird geleitet vom Human Ambient Technologies Lab. Diesem Zusammenschluss verschiedener Forschungseinrichtungen gehören an der TUM der Lehrstuhl für Baurealisierung und Baurobotik, der Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie sowie das neue Munich Center for Technology in Society an, das die Wechselwirkung von Technik und Gesellschaft untersucht. An LISA beteiligt sind außerdem die Unternehmen MM Design, Frener & Reifer, Kompetenzzentrum Alpines Bauen (KAB), Pfeiffer Architekten, TIS Innovation Park und Barth Innenausbau. Unterstützt wird das Projekt von der Provinz Bozen Südtirol. Der Prototyp wurde bereits mehrmals von Probanden getestet. Die Unternehmen wollen bald ein fertiges Produkt auf den Markt bringen.
Präsentation:
Vorgestellt wird LISA auf der Munich Creative Business Week. Besucher können die intelligente Wand testen. Ebenfalls ausprobieren können sie einen Sessel als Fitnesstrainer und Teile des Assistenzsystems „PASSAge“, bei dem Hilfsmittel wie Rollatoren, Fahrzeuge und Haustechnik vernetzt werden. Gezeigt wird ein Anzug, mit dem Bewegungseinschränkungen im Alter simuliert werden. Experten halten Vorträge, wie mit Mikrosystemtechnik und Robotik Probleme der alternden Gesellschaft gelöst werden können.

„Humant Ambient Technologies“
Mittwoch, 20. Februar
Vorträge 14-16 Uhr, Ausstellung mit Tests 16-18 Uhr
Technische Universität München
Baurobotik-Labor (Raum 0710)
Arcisstraße 21 (Eingang Theresienstraße)
80333 München

Kontakt:
Prof. Thomas Bock
Technische Universität München
Lehrstuhl für Baurealisierung und Baurobotik
T: +49 89 289 22100
E: thomas.bock@br2.ar.tum.de
W: www.br2.ar.tum.de

Dr. Ulrich Marsch | Technische Universität München
Weitere Informationen:
http://www.br2.ar.tum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Datenleck in Apps bedroht Millionen von Nutzern
27.05.2015 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT)

nachricht Auch die Cloud ist kein rechtsfreier Raum
26.05.2015 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Szenario 2050: Ein Wurmloch in Big Apple

Andy ist Physiker und wohnt in New York. Obwohl er schon seit fünf Jahren im Big Apple arbeitet, ist ihm die Stadt immer noch fremd – zu laut, zu hektisch, zu schmutzig. Wie soll das in Zukunft weitergehen? Die Antwort erfährt er prompt – und am eigenen Leib.

„New York – die Stadt, die niemals schläft.“ Lieber Franky Boy Sinatra, ich bin ganz bei Dir. Schon 1977 hattest du mit deinem Song ganz recht. Einen wichtigen...

Im Focus: Auf der Suche nach Leben in ausserirdischen Ozeanen

Grosse Ehre für Nicolas Thomas von der Universität Bern: Der Forscher wurde zum Mitglied des Kamerateams der NASA-Mission «Europa Clipper» ernannt. Mit ihrer Hilfe soll die Frage beantwortet werden, ob es in den Ozeanen des Jupiter-Mondes «Europa» Leben gibt.

Gibt es Leben im All? Antworten auf diese Frage erhofft sich die US-Weltraumbehörde NASA von der Mission «Europa Clipper». Das Ziel der in der Planungsphase...

Im Focus: Neue Perspektiven für das Laserstrahlschweißen von Bauteilen aus Aluminium-Druckguss

Das Fraunhofer IWS Dresden hat ein neues Verfahren zum Schweißen von Bauteilen aus Aluminium-Druckguss entwickelt und gemeinsam mit einem Industriepartner in die Serie überführt. Mit Hilfe brillanter Laserstrahlung und hochfrequenter Strahloszillation konnte erstmals eine Schweißverbindung erzeugt werden, die sich durch eine äußerst geringe Porenhäufigkeit im Schweißgut auszeichnet. Darüber hinaus ist der Bauteilverzug durch die konzentrierte, lokal begrenzte Wärmeeinbringung kaum noch messbar. Mit dem herkömmlichen Laserstrahlschweißen ist diese Qualität nicht realisierbar.

Wegen der hervorragenden Gießbarkeit und der Möglichkeit einer komplexen Formgebung wird Aluminium-Druckguss im Automobilbau vielfältig genutzt, insbesondere...

Im Focus: Advance in regenerative medicine

The only professorship in Germany to date, one master's programme, one laboratory with worldwide unique equipment and the corresponding research results: The University of Würzburg is leading in the field of biofabrication.

Paul Dalton is presently the only professor of biofabrication in Germany. About a year ago, the Australian researcher relocated to the Würzburg department for...

Im Focus: Eine Bremse gegen epileptische Anfälle in Nervenzellen

In jedem Augenblick werden an Billiarden Synapsen unseres Gehirns chemische Signale erzeugt, die einzelnen Nervenzellen feuern dabei bis zu 1000 mal in der Sekunde. Wie ihnen diese Höchstleistung gelingt ohne dabei epileptische Anfälle zu erzeugen, haben Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie in Berlin nun ein Stück weit aufgeklärt. Das Ergebnis könnte zu einem besseren Verständnis nicht nur der Epilepsie, sondern auch anderer neurologischer Erkrankungen wie der Alzheimerschen Krankheit beitragen.

Mit jedem elektrischen Impuls schüttet eine Nervenzelle Neurotransmitter in den synaptischen Spalt aus und trägt so das Signal weiter. Sie hält dafür einen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kaba Days in Bingen und Friedrichshafen: Ganzheitliche Sicherheit im Blick

27.05.2015 | Veranstaltungen

Stadtgesellschaft 2025 – Gemeinsam statt gegeneinander?!

27.05.2015 | Veranstaltungen

Schweigen ist Silber, Diskutieren ist Gold

26.05.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Datenleck in Apps bedroht Millionen von Nutzern

27.05.2015 | Informationstechnologie

Ergänzendes Behandlungsverfahren bei Brustkrebs: Haare bleiben trotz Chemotherapie

27.05.2015 | Medizin Gesundheit

Kompakte Elektronik für Motoren

27.05.2015 | Energie und Elektrotechnik