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Hilfe für Politiker und Unternehmen: Computermodell soll Wirtschafts-Entwicklungen planbar machen

23.04.2013
Beispiel Stuttgart & Wien: Ökonom der Universität Hohenheim programmiert virtuelle Innovationsnetzwerke, die Blick auf Zukunftsentwicklungen erlauben

Gleich und gleich gesellt sich gern: Das gilt auch in der Volkswirtschaft, denn Unternehmen derselben Branche siedeln sich gerne in derselben Gegend an und bilden ein sogenanntes Innovationsnetzwerk.

Wie diese Netzwerke entstehen und wie sie sich weiterentwickeln, untersucht nun ein Ökonom der Universität Hohenheim an zwei regionalen Beispielen. Mit einem neuen Computermodell will er mit bisher unerreichter Detailgenauigkeit die komplexe Wirklichkeit abbilden. Die Abschätzung zukünftiger Entwicklungen soll damit präziser werden und Politikern und Unternehmern schwierige Entscheidungen erleichtern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorhaben mit knapp 335.000 Euro. Damit gehört es zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim.

Die Region Stuttgart ist ein Innovationsnetzwerk. Automobilzulieferer und -hersteller sind dort sehr eng miteinander verflochten. Doch das Netzwerk steht vor einem großen Umbruch: „Es muss sich in Richtung alternativer Antriebsstränge weiterentwickeln, wenn es in Zukunft noch eine Rolle spielen will“, sagt Prof. Dr. Andreas Pyka, Leiter des Fachgebiets Innovationsökonomik an der Universität Hohenheim.
Ein anderes Beispiel ist Wien: Die Industrie ist dort traditionell nicht besonders stark ausgeprägt. Doch nun will die österreichische Hauptstadt ein Innovationsnetzwerk für die Biopharmazeutik werden. Die ersten Forschungseinrichtungen und Start-up-Unternehmen haben sich bereits angesiedelt. Nun wollen sie sich überregional mit den Global Players in der Pharmaindustrie vernetzen.

Entscheidungshilfe für Manager und Politiker
Anhand dieser beiden Beispiele will Prof. Dr. Pyka herausfinden, wie sich Innovationsnetzwerke bilden, weiterentwickeln und immer wieder erneuern.

Als Test, ob das Computermodell funktioniert, dienen jedoch Zahlen aus der Vergangenheit. „Mit diesen Zahlen soll das Modell eine Prognose für die Gegenwart machen“, sagt der Wissenschaftler. „Wenn die dann der Realität entspricht, können wir mit aktuellen Daten auch einen Blick in die Zukunft werfen.“

Ob Stuttgart oder Wien: Das neue Computermodell von Prof. Dr. Pyka soll ein Instrument für die strategische Planung sein, das Unternehmen und Politik schwierige Entscheidungen erleichtern will.

Unterschiedlicher Wissenstand von Unternehmen ermöglicht Fortschritt
Tatsächlich haben sich schon mehrfach Volkswirte an solchen Prognosemodellen versucht. Bislang kranken deren Modelle jedoch alle an einem gemeinsamen Problem: „Sie reduzierten die Wirklichkeit so sehr, dass sie schließlich kaum noch etwas mit der Realität zu tun hatten“, sagt der Experte.

Bestehende Modelle ließen regionale Besonderheiten außer Acht und klammerten Umbruchphasen, wie beispielsweise strukturellen Wandel durch große technologische Veränderungen gleich ganz aus.

Mit seinem Computermodell will der Ökonom die komplexe Wirklichkeit in Stuttgart und Wien genauer abbilden als das bisher möglich war. Erreichen will er das mit der sogenannten agentenbasierten Modellierung: „Das bedeutet, dass das Programm in der Lage ein wird, komplexe Interaktionen zwischen den Akteuren und vor allem Rückkopplungen zwischen der Industrieebene und der Akteursebene abzubilden“, sagt Prof. Dr. Pyka.

„Auch regionale wirtschaftliche Systeme sind sehr komplex. Die klassischen Ansätze aus der Volkswirtschaft, wie Gleichgewichtsansätze und repräsentative Unternehmen allein, reichen nicht aus, um sie zu erklären“, sagt Prof. Dr. Pyka. „Die anstehenden großen technologischen Umbrüche verlangen, dass sich die regionalen Innovationsnetzwerke öffnen, um neues Wissen zu integrieren und damit letztlich die Entstehung von Einkommen in der Region auch in Zukunft zu ermöglichen.“

Dazu füttert der Wissenschaftler zusammen mit seinen Partnern in vom Austrian Institute of Technology (AIT) in Wien das Computermodell mit riesigen Datenmengen aus Presseberichten, persönlichen Interviews und Forschungsdatenbanken. Dabei betrachten die Forscher besonders, wie die verschiedenen Unternehmen in einem Innovationsnetzwerk miteinander konkurrieren und kooperieren: „Die einzelnen Firmen haben alle einen anderen Wissensstand und gerade diese Unterschiede schaffen Dynamik und bringen Innovationen in einer Region hervor", so Prof. Dr. Pyka.

Hintergrund: Forschungsprojekt
Das Forschungsprojekt „Innovationsnetzwerke für die Regionalisierungsentwicklung. Ein agentenbasierter Simulationsansatz“ ist an der Universität Hohenheim im September 2012 gestartet und soll 30 Monate laufen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Vorhaben mit knapp 335.000 Euro. Weitere 350.000 Euro fließen an die Projektpartner vom AIT. In diesem Fall kommen die Fördergelder vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) in Österreich.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung
Rund 27 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim im vergangenen Jahr für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Buchwissenschaften.
Text: Weik / Klebs

Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Andreas Pyka, Universität Hohenheim, Fachgebiet VWL insb. Innovationsökonomik,

Tel.: 0711/459 24481, E-Mail: a.pyka@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

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