Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Harvester weckt „Schläfer“-Malware

12.03.2015

TU Darmstadt und Fraunhofer SIT haben ein Analysetool entwickelt, das „schlafenden“ Android-Schadcode blitzschnell enttarnt

Hacker und Cyberkriminelle nutzen immer häufiger „Schläfer“-Software, um Schadcode für mobile Geräte in Apps zu verstecken. Diese „schlafende“ Malware tut zunächst einmal nichts. Erst nach einem bestimmten Zeitraum oder festgelegten Aktionen wird sie aktiv, was die Erkennung enorm erschwert.


Harvester enttarnt Schläfer-Apps. Analysewerkzeug hilft Software-Analysten bei der Suche nach Malware-Code.

Fraunhofer SIT

Sicherheitsforscher der TU Darmstadt und des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT haben deshalb das Analysewerkzeug Harvester entwickelt, das Sicherheitsanalysten dabei hilft, „Schläfer“-Schadcode in Android-Apps in Minutenschnelle zu enttarnen.

Millionen von Android-Geräten sind bereits mit mobilem „Schläfer“-Schadcode, auch timing bombs genannt, infiziert – auf den ersten Blick scheinen sie normale Software zu sein. Ihr schädliches Potenzial entfalten sie erst nach einer längeren Inkubationszeit. Für den Smartphone-Besitzer ist es dann schwierig festzustellen, was die eigentliche Ursache dieses zeitverzögerten Angriffs ist.

Ein aktuelles Beispiel ist der Banking-Trojaner BadAccents, ein zweistufiger Schadcode, der beim Herunterladen einer vermeintlichen Raubkopie des Films „The Interview“ aufs Smartphone kommt. Aktiv werden einzelne Komponenten in BadAccents erst unter bestimmten Umständen, etwa wenn das Smartphone per SMS bestimmte Befehle empfängt.

Auch für Sicherheitsanalysten, etwa von Antiviren-Herstellern, ist schlafender Schadcode, der erst unter speziellen Ereignissen ausgelöst wird, ein Problem. Sie müssen jeden Tag mehrere Tausend neue Apps darauf prüfen, ob sie potenziell schädlich sind oder nicht.

Daher bleiben für die Analyse jeder App nur wenige Minuten Zeit. Um eine Schläfer-App zu enttarnen, müsste ein Analyst eine solche Untersuchung tagelang ausführen und sämtliche Ereigniskombinationen simulieren, denn im Vorhinein weiß man nicht, was den Schadcode aktiviert.

Um Schläfer-Apps schneller finden zu können, haben IT-Sicherheitsexperten der Technischen Universität Darmstadt und des Fraunhofer SIT das Analysetool Harvester entwickelt. Das Analysewerkzeug nutzt eine einzigartige Kombination von Softwareanalyse-Techniken und Codeumwandlung und spart Sicherheitsanalysten damit viel Zeit.

Harvester untersucht nicht den gesamten Code der Original-App, sondern analysiert verdächtige Programmstellen. Die Software nutzt hierfür ein spezielles Verfahren der statischen Analyse, „backwards slicing“ oder „program slicing“.

Mithilfe des Tools können Analysten einfach den Teil des Codes herausschneiden, den sie näher untersuchen möchten – alles andere wird kurzerhand weggelassen. Dadurch wird etwaiger Schadcode direkt ausgeführt und programmierte Wartezeiten sowie Ereignisfilter entfallen. Ist Schadcode gefunden worden, kann Harvester außerdem vollautomatisch wichtige Informationen (Ziel-Telefonnummern, Inhalte von SMSen, Entschlüsselungs-Schlüssel, URLs, etc.) aus dem schädlichen Android-Codes extrahieren, mit denen der Analyst auf Art und Quelle der Malware schließen kann.

Für die Teilanalyse einer Codestelle benötigt Harvester rund eine Minute – das haben die Experten von TU Darmstadt und Fraunhofer SIT an mehr als 13.500 gängigen Malware-Beispielen getestet.

Das Testwerkzeug funktioniert sogar, wenn der Code der schädlichen App stark verschleiert ist oder andere Anti-Analyse-Techniken genutzt wurden. Eine Basisvariante steht als Open Source-Tool für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung, eine Nutzung durch Privatanwender ist nicht vorgesehen. Für die kommerzielle Nutzung können Unternehmen eine Version mit erweiterter Funktionalität lizenzieren. Harvester ist Teil eines Analyseframeworks, das derzeit in Darmstadt entwickelt wird. Mit dem Framework lässt sich Android-Code extrem schnell und einfach untersuchen.

Mehr Informationen:
Die Basisvariante für wissenschaftliche Zwecke ist über die Projektgruppe von Prof. Dr. Eric Bodden zugänglich. Weitere Informationen und Ansprechpartner zu Harvester finden sich im Internet unter www.sit.fraunhofer.de/harvester  oder im Blog der Forschungsgruppe unter
http://sseblog.ec-spride.de/2015/01/korea-threat-compain-2014/

Oliver Küch | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT)

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Der Form eine Funktion verleihen
23.06.2017 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Zukunftstechnologie 3D-Druck: Raubkopien mit sicherem Lizenzmanagement verhindern
23.06.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften