Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Handys werden Lippenlese-Hilfe

02.03.2009
Software lässt sprachliche Nuancen ertasten

Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeiten an einer Software zur Unterstützung von Gehörlosen beim Lippenlesen.

Sie wandelt Schallwellen mithilfe eines taktilen Geräts in fühlbare Vibrationen um, die es erleichtern, rein optisch schwer unterscheidbare Laute auseinander zu halten. Solch eine technische Hilfe wäre deutlich billiger als eine Hörprothese in Form eines Cochlea-Implantats.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Team hofft, seine Software für Handys umzusetzen. "Jeder, der ein Smartphone besitzt, hat bereits viele zum Ausführen des Programms erforderliche Ressourcen", so Projektmitarbeiter Ted Moallem. Dazu zählen das Mikrophon, die Möglichkeit zur digitalen Signalverarbeitung sowie ein einfaches Vibrationssystem.

Beim Lippenlesen sind bestimmte Konsonanten wie "p" und "b" kaum voneinander zu unterscheiden. Ein taktiles Gerät hilft dieses Problem zu lösen, indem es solche sprachlichen Nuancen in fühlbare Vibrationen übersetzt. Ein Vorteil eines taktilen Hilfsgeräts wäre laut Moallem, dass Gehörlose zwanglosen Unterhaltungen leichter folgen könnten, ohne sich all zu intensiv aufs Lippenlesen konzentrieren zu müssen.

Zwar kommen laut MIT-Projektleiterin Charlotte Reed seit Jahrzehnten taktile Hilfen zum Einsatz, doch hoffe man, mithilfe verbesserter akustischer Signalverarbeitungssysteme taktile Hinweise zu bieten, die speziell als Lippenlese-Hilfe geeignet sind. Mit einem Laborgerät, das klar unterscheidbare Vibrationsmuster an drei Finger schickt, wurde in einer ersten Studie untersucht, wie gut Gehörlose solche Vibrationen interpretieren können.

Langfristig hoffen die Forscher eine Software zu entwickeln, die moderne Handys zur Lippenlese-Hilfe macht. "Diese Software würde Signale erstellen, die das Vibrationssystem des Mobiltelefons ansteuern oder auch ein externes Vibrationsgerät, dass über den Audio-Ausgang des Smartphones damit verbunden wird", erläutert Reed gegenüber pressetext. Die Software zur taktilen Hilfestellung könnte dann als Download auf einer Webseite angeboten werden. "Gehörlose könnten die Webseite besuchen, die Software herunterladen und diese würde damit zu einer der verfügbaren Optionen auf ihrem Gerät", meint Reed.

Mit dem Cochlea-Implantat gibt es zwar bereits eine technische Hörprothese, die relativ große Erfolge erlaubt. "Mit der derzeitigen Implantats-Generation können taube Kinder, welche die Implantate mit etwa zwei Jahren bekommen, sehr gut lernen zu sprechen und Sprache zu verstehen", sagt Reed.

Allerdings sind Cochlea-Implantate nicht für alle Betroffenen geeignet und manche Gehörlose möchten diese Geräte nicht. Außerdem sind die Hörprothesen mit relativ hohen Kosten für das Gerät selbst und die erforderliche Operation verbunden, was besonders in Entwicklungsländern ein Problem ist. In all diesen Fällen können taktile Hilfsmittel von großem Wert sein, ist Reed überzeugt.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.mit.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie