Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grüne Informationstechnik: "Anwender mehr in den Blick nehmen"

07.11.2011
Das "Wissenschaftsforum Green IT" diskutierte in Berlin die Chancen der IT-Branche, dem Endkunden klimaschonende Anwendungen zu verkaufen.

"Industrie kann nur erfolgreich agieren, wenn sie die Nutzer einbindet." Zwei florierende Geschäftsmodelle wurden vorgestellt: Start-up mit Verbraucher-App und Öko-Informationen sowie Green-IT-Patent, das Heizkosten um bis zu 30 Prozent senkt. Bei "intelligenten Stromzählern" gab es Zahlen zum teilweise erheblichen Eigenverbrauch der Geräte. Eine gute Nachricht dürfte Fans der Elektroautos erfreuen: Batteriewechselstelle funktioniert genauso flott wie Tankstelle.

Wie könnte das enorme Potenzial der Informations- und Kommunikationstechnik stärker genutzt werden, um CO2-Emissionen einzusparen? Warum hat diese dynamische Branche nicht mehr "grüne" Geschäftsmodelle vorzuweisen? Und wie könnten Kundenanforderungen und Anwenderinteressen hier künftig besser berücksichtigt werden? Dieser Thematik widmete sich das "Wissenschaftsforum Green IT" vergangene Woche auf seiner Jahrestagung "Smart Customer / Smart User" im Museum für Kommunikation Berlin.

App mit ökologische Produktinformationen
Mit seinem erfolgreichem Start-up "checkitmobile" konnte Benjamin Thym, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens, das Auditorium erfreuen: 4 Millionen User haben sich bereits das App "barcoo" der Firma heruntergeladen, um beim Einkaufen kostenlos mit Informationen über Produkte und Hersteller versorgt zu werden. Sie müssen nur zuvor den Barcode eines bestimmten Produktes per Handy einscannen. "barcoo" hat zahlreiche Informationen zum nachhaltigen Konsum integriert, ohne jedoch nach außen als "Öko"-Firma aufzutreten. Die Verbraucher können folglich bei "barcoo" nicht nur online Preisvergleiche anstellen, sondern sich z.B. auch über die Energieeffizienz-Rankings bei Elektrogeräten oder über den Zuckergehalt eines Nahrungsmittels informieren. Das Unternehmen lebt - ebenso wie Google und Facebook - von seinen Werbeeinnahmen.
30 Prozent Heizkosten einsparen
Ein weiteres Berliner Green-IT-Unternehmen konnte mit einem erfolgreichen Geschäftsmodell aufwarten. Die Firma Riedel Automationstechnik GmbH stattet bereits seit zwanzig Jahren vornehmlich ältere Gebäude mit Hard- und Software aus, mittels derer sich Heizkosten deutlich senken lassen. Die Riedel-Technologie erlaubt es, den individuellen Heizbedarf pro Raum genau einzustellen, anschließend aggregiert ein Gebäudemanager die einzelnen Bedarfe und passt die Heizleistung energiesparend an. Dr. Severin Beucker vom Berliner Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit betonte auf dem Wissenschaftsforum: "Bei ungedämmten Gebäuden können durch solche adaptiven Heizungssysteme bis zu 30 Prozent der Heizkosten gespart werden." Das Geschäftsmodell rechnet sich für Wohnungsbauunternehmen folgendermaßen: 1.500 EUR kostet diese Technik pro Mietwohnung. Der Vermieter legt diese Summe binnen zehn Jahren auf die Nebenkosten um, die Mieter wiederum zahlen zwar erhöhte Nebenkosten, erfreuen sich aber gleichzeitig am Einspareffekt bei der Heizkostenrechnung.
Erheblicher Eigenverbrauch bei "Smart Metering"
Sobald es aber um die Stromkosten der Haushalte geht, fehlen noch immer attraktive klimaschützende Geschäftsmodelle von IT-Firmen. Entsprechend zurückhaltend reagiert die Kundschaft. Erst 100.000 Haushalte verfügen in Deutschland über eine intelligente Verbrauchsmessung, die Daten zum gezielten Stromsparen auf den häuslichen PC übertragen kann. Allerdings sorgt der Gesetzgeber hier für Dynamik, denn seit Juni 2011 schreibt das novellierte Energiewirtschafts-Gesetz strenger vor, "Smart Meter" in Neubauten zu installieren. Dr. Siegfried Behrendt vom IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin wies auf dem Wissenschaftsforum auf den bisher unterschätzten Eigenbedarf etlicher Strommessvorrichtungen hin: "Ein Hochleistungs-Smart Meter, der pausenlos die Verbrauchsdaten eines Haushaltes überträgt, verbraucht rund 3 Prozent der Energie eines 2-Personenhaushaltes, so dass teilweise kein nennenswerter Einspareffekt übrig bleibt." Behrendt plädiert daher für eine "modulare Zählerarchitektur", Verbraucher sollten eine energie- und ressourceneffiziente Basisausstattung erhalten und anschließend entsprechend ihren Wünschen durch Module ergänzen können.
Akkuwechselstation so schnell wie Tankstelle
Ganz in den Anfängen steckt hingegen noch die Infrastruktur für Elektroautos und ihre Akkus. Das Oldenburger OFFIS - Institut für Informatik hat Effekte der Ladevorgänge auf das Stromnetz untersucht. Referentin Astrid Nieße: "Insbesondere der Ansatz, bei dem nicht nur der Fahrzeug-Akku mit Strom aufgeladen wird, sondern bei dem auch Strom aus dem privaten Elektro-Fahrzeug zurück ins Netz gespeist wird, bietet ein großes Potential für eine sehr starke und gleichzeitig netzverträgliche Photovoltaik-Einspeisung. Dieser Ansatz verspricht auch zukünftige Geschäftsmodelle für Netzbetreiber." Grüne Informationstechnik wird hier benötigt, damit der vernetzte E-Autofahrer Ladevorgänge mitsteuern kann. Wo und wie aber soll ein Städter sein Elektroauto aufladen? Eine häusliche Garage steht ihm selten zur Verfügung. Hier konnte Astrid Nieße vom OFFIS-Institut einen interessanten Lösungsvorschlag präsentieren. "Eine städtische Batteriewechselstation benötigt für das Auswechseln eines Akkus nur wenige Minuten - das ist vergleichbar mit dem Vorgang des Tankens und bedeutet keinen Komfortverzicht."
Weitere Veranstaltung zu Nachhaltigkeitsinnovationen
Wer mehr darüber wissen möchte, wie sich Nachhaltigkeitsinnovationen am Markt durchsetzen, kann am 24. November 2011 die nächste einschlägige Veranstaltung in Berlin besuchen. Prof. Dr. Klaus Fichter, Direktor des Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit, präsentiert dann u.a. Forschungsergebnisse zu 30 von ihm analysierten Green-IT-Innovationen. Klaus Fichter stellte schon auf dem Wissenschaftsforum Green IT fest: "Bei komplexen bzw. mit Verhaltensänderungen verbundenen Anwendungsbereichen wie dem 'Smart Home' oder der Elektromobilität kann die Industrie nur erfolgreich agieren, wenn sie die Nutzer einbindet und zum Mitgestalten einlädt".
Bundesumweltministerium: "Green IT wichtig"
Dr. Ulf Jaeckel, Regierungsdirektor im Bundesumweltministerium, betonte beim Wissenschaftsforum: "Unser Ministerium sieht Green IT als sehr wichtiges Handlungsfeld an, in den letzten Jahren sind daher zahlreiche Aktivitäten entstanden, wie z.B. das IT-Beratungsbüro beim BITKOM. Derartige Aktivitäten sollen in Zukunft verstärkt und weiter entwickelt werden."
Zum Download der Vortragsfolien:
http://www.izt.de/izt-im-ueberblick/presse/veranstaltungen/article/203/
Zur Veranstaltung zu Nachhaltigkeitsinnovationen am 24. November 2011:
http://www.borderstep.de/details.php?menue=6&subid=57&projektid=435&le=de
Wissenschaftsforum GREEN IT
Das Wissenschaftsforum GREEN IT wurde 2009 von führenden deutschen Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Green IT gegründet, inzwischen gehört auch ein Schweizer Institut dem Forum an.
Mitglieder sind:
Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gemeinnützige GmbH, Berlin; Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration, Berlin; Institut für Informatik der Universität Zürich; IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gemeinnützige GmbH, Berlin; OFFIS - Institut für Informatik, Oldenburg.
Pressekontakt:
Barbara Debus
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung
IZT - Institute for Futures Studies and Technology Assessment
E-Mail: b.debus@izt.de
Tel: +49 30 803088-45
Fax: +49 30 803088-88
Schopenhauerstr. 26
D - 14129 Berlin
Germany
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gemeinnützige GmbH
Registergericht: Amtsgericht Charlottenburg, Registernummer: HRB 18636
Die Geschäftsführer: Prof. Dr. Rolf Kreibich, Dr. Roland Nolte
Aufsichtsratsvorsitzender: RAuN Eckard Lullies

Barbara Debus | idw
Weitere Informationen:
http://www.izt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht
18.01.2017 | Technische Universität Berlin

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik