Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Greifswalder Modell - Dezentrales, digitales Netzwerk zur Brustkrebs-Vorsorge

08.09.2008
Mediziner der Universität Greifswald haben ein telemedizinisches Netzwerk entwickelt, mit dem Brustkrebs-Vorsorge-Untersuchungen auch in Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern in hoher Qualität durchgeführt werden können.

Damit wurden Forschungsergebnisse aus einem von der POMERANIA e.V. geförderten Telemedizin-Projekt in Vorpommern erfolgreich in die Praxis umgesetzt.

Über das deutsche Mammographie-Screening-Programm werden seit 2006 alle zwei Jahre Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren finanziert. In der Praxis hat sich allerding herausgestellt, dass es vor allem in Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte schwierig ist, diese Untersuchungen in der Breite als auch in der Qualität langfristig abzusichern.

"Selbst Mammographie-Geräte auf Lastkraftwagen wären für bevölkerungsarme Landesteile in Mecklenburg-Vorpommern zu aufwändig gewesen. Die weit auseinanderliegenden Haltepunkte hätte den Frauen auf dem Land die Anreise nicht erspart. Zudem bestand die Gefahr, dass die Ausbildung junger Ärzte geschwächt wird", so erklärt Professor Dr. Norbert Hosten, Direktor des Instituts für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie am Klinikum der Ernst-Moritz-Arndt-Universität, die Ausgangssituation.

Nach den positiven Erfahrungen mit dem Telemedizin-Netzwerk in Vorpommern entschlossen sich die Experten, mit einem System der Firma ImageDiagnost® zunächst ein digitales Mammographie-Screening-Netzwerk mit zwei 100 Kilometer voneinander entfernten Standorten aufzubauen. Mit digitaler Röntgentechnik verschiedener Hersteller wurden Aufnahmen angefertigt, über das Netz verschickt und an hochauflösenden Monitoren ausgewertet. Das System arbeitete bereits kurz nach Aufbau störungsfrei. Inzwischen wurde das Modell mit vier programmverantwortlichen Ärzten auf ganz Mecklenburg-Vorpommern ausgedehnt.

Für die Frauen hat das System den Vorteil, dass sie eine Röntgenpraxis in der Nähe ihres Wohnortes aufsuchen können. Dort kann ein entsprechend ausgebildeter Arzt die Aufnahme mit einem digitalen Röntgengerät anfertigen und den ersten Befund erstellen. Eine standardisierte Eingabemaske erleichtert dabei die Dateneingabe. Per S-DSL werden anschließend die Daten des Erstbefundes teilweise automatisiert an einen zweiten Röntgenarzt verschickt.

Schließen beide Ärzte einen Brustkrebs aus, wird an die Teilnehmerin am Vorsorgeprogramm automatisch ein Brief verschickt. Gibt es jedoch Differenzen zwischen beiden Befunden oder ergibt sich ein Verdacht auf Brustkrebs, sendet das System Bilder und Befunde automatisch an die Expertin an der Universität Greifswald. Sie entscheidet dann über die weitere Abklärung und erstellt den endgültigen Befund.

Das System erwies sich auch nach der Testphase als schneller und weniger fehleranfällig, als frühere Screening-Programme. Dort wurden Mammographie-Aufnahmen von Kurierdiensten zwischen den teilnehmenden Ärzten transportiert. Da sich die eingebundenen niedergelassenen Ärzte ein Mal pro Woche in Greifswald zur Auswertung strittiger Befunde treffen, kann so auch die Weiterbildung abgesichert werden.

"Das Greifswalder Modell läuft nun bereits seit zwei Jahren. Ohne zusätzliche Ärzte konnten doppelt so viele Mammographien erstellt werden und dies qualitätsgesichert und unter Erhaltung der gewachsenen Strukturen der medizinischen Versorgung", so fasst Professor Dr. Claus Bartels, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums der Universität Greifswald die bisherigen Erfahrungen zusammen. "Die wissenschaftliche Evaluation der universitären Radiologie hat zu einem Erfolg für die ganze Region geführt."

Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. med. Norbert Hosten
Institut für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie
Universitätsklinikum Greifswald der Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Ferdinand-Sauerbruch-Straße, 17475 Greifswald
Telefon 03834 86-7096, Telefax 03834 86-7097
E-Mail hosten@uni-greifswald.de
Weitere Informationen:
http://www.ein-teil-vonmir.de/die_mammographie/die_mammographie.php - Kooperationsgemeinschaft Mammographie in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Schnelle Time-to-Market durch standardisierte Datacenter-Container
28.03.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Modellfabrik Industrie 4.0: Forschungs- und Trainingsplattform für Wissenschaft und Wirtschaft
28.03.2017 | Hochschule Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit