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Fraunhofer FOKUS startet Zentrum zur Internet-Anbindung von Entwicklungsländern

26.11.2009
Medizinische Versorgung, Bildung oder die Teilnahme am wirtschaftlichen und politischen Leben sind für rund fünf Milliarden Menschen in sich entwickelnden und strukturschwachen Regionen häufig begrenzt.

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Ein Hindernis ist der fehlende Zugang zum Internet und zur regionalen Kommunikationsinfrastruktur. Um diese Regionen an das Internet anzubinden, wird Fraunhofer FOKUS im Januar 2010 `FOKUS NET4DC' ins Leben rufen.


Dieses internationale Zentrum für Informations- und Kommunikationstechnologien in Entwicklungsländern will gemeinsam mit Partnern aus den Zielregionen maßgeschneiderte IT-Infrastrukturen und Kommunikationsnetzwerke erarbeiten und bereitstellen.

Globale Verantwortung

"Die Förderung nachhaltiger Wirtschaftskonzepte ist eine globale Herausforderung. Wir sehen unseren Beitrag in der Bereitstellung mobiler Kommunikationsanwendungen und dem Aufbau moderner IT-Infrastrukturen in Schwellen- und Entwicklungsländern", betont Prof. Dr. Ulrich Buller, Vorstandsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft. Damit sollen Dienste wie eHealth, eLearning, eGovernment, eCommerce und eMicrobanking ermöglicht und so die Integration strukturschwacher Regionen in nationale und internationale Märkte gefördert werden. "So können wir im globalen Kontext unserem Verständnis von sozialer Verantwortung gerecht werden", sagt Buller.

Zielsetzung von FOKUS NET4DC ist die Implementierung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien in den betroffenen Regionen, um der Bevölkerung einen nachhaltigen Zugang zu globalen Kommunikationsnetzwerken zu ermöglichen. Prof. Dr. Radu Popescu-Zeletin, Direktor von Fraunhofer FOKUS, Urheber und Initiator des Zentrums FOKUS NET4DC erklärt: "Wir forcieren Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die die regionalen unregelmäßige Stromversorgung oder die jeweils verfügbaren Funkspektren berücksichtigen." Die so entwickelten, maßgeschneiderten Kommunikations- und Informationslösungen sollen von Menschen genutzt werden, die in gering besiedelten Regionen leben und kaum Englisch sprechen.

Per Mesh-Netz verbunden

Fraunhofer FOKUS erarbeitet hierfür großflächig vermashte Funknetze. Bislang können solche ad-hoc Netzwerke nur kleine Flächen abdecken. Im Vordergrund der Entwicklungsarbeiten stehen robuste Technik und einfache Handhabung. Einzelne Knoten - das sind Funkrouter - im Netzwerk werden sich automatisch mit benachbarten Knoten verbinden. Ist die Strecke überlastet, oder fällt eine einzelne Komponente aus, reagiert das System eigenständig; also ohne menschlichen Eingriff. Basierend auf dieser Technologie sollen die Kommunikationsnetze eine Qualität erreichen wie sie aus Europa bekannt ist.
Um den technologischen wie auch sozioökonomischen Herausforderungen gerecht zu werden, ist neben dem IT-Knowhow von Fraunhofer FOKUS die Expertise aus weiteren Fachgebieten der Fraunhofer-Gesellschaft notwendig. FOKUS NET4DC will die relevanten Kompetenzen - von geeigneten Materialien und drahtlosen Kommunikationsinfrastrukturen bis hin zu alternativen Energieversorgungsystemen und neuen Netzwerktechnologien - bündeln.

Die Fraunhofer-Experten wollen daher ganzheitlich vorgehen und eine offene Plattform bieten: Vor Ort sucht FOKUS NET4DC die Kooperation mit etablierten Partnern wie Organisationen, Forschungseinrichtungen oder Unternehmen - und führt damit die Expertise unterschiedlicher Akteure zusammen. "Zudem werden wir Test- und Evaluierungsumgebungen entwickeln und bereitstellen, um die Leistungsfähigkeit und Anwenderfreundlichkeit der Technologien und Dienstleistungen exakt an die Bedürfnisse der jeweiligen Zielregionen anzupassen", unterstreicht Popescu-Zeletin.

Versorgung in Sambia

Eines der ersten Projekte von FOKUS NET4DC ist die Internet-Anbindung von Ubuntu Campus, einer abgelegenen Siedlung des Dorfes Macha in der Südprovinz von Sambia. Über eine Richtfunkverbindung gelang den Spezialisten der Anschluss an die bereits vorhandene Satellitentechnik in Macha. Ein kostengünstiges WLAN-Netzwerk stellt nun auch die IT-Versorgung der Grundschule, eines Schulungszentrums sowie des Bürogebäudes der örtlichen Wasserverwaltung sicher. Zudem wollen die Experten von Fraunhofer FOKUS mit Hilfe des Netzwerks untersuchen, wie zuverlässig die Technologie arbeitet, welche Lebensdauer man erwarten kann und wie hoch der Wartungsaufwand der Komponenten bei den vorherrschenden Klimabedingungen ist.

Analysen zeigen, dass die Einwohner das Netz gerne zur persönlichen Kommunikation, Informationsbeschaffung sowie zur Aus- und Weiterbildung nutzen. Für den Ausbau dieser Infrastruktur kooperiert FOKUS NET4DC mit einer Firma aus der Region, die unter anderem ein kleines Internetcafé betreibt. Neben diesem Service, der jetzt auf weitere Regionen Sambias ausgeweitet werden soll, ist ebenfalls die Internet-Anbindung kleiner Krankenstationen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung geplant.

Über Fraunhofer FOKUS:

Fraunhofer FOKUS, das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme, entwickelt und erforscht am Standort Berlin Kommunikations- und Informationstechnologien. Im Zentrum der Forschungsaktivitäten steht die Entwicklung von IT-Infrastrukturen und Netzwerken zur domain- und organisationsübergreifenden Kommunikation.

Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung stellt Fraunhofer FOKUS einen bedeutenden IT-Forschungspartner für die Telekommunikations-, Automobil- und Medienindustrie. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Behörden und Softwareunternehmen erarbeitet das Institut bedarfsorientierte IT-Lösungen. Auf wissenschaftlicher Ebene gilt Fraunhofer FOKUS als renommierter Kooperationspartner in Forschungsprogrammen der Europäischen Kommission sowie nationaler Fördergeber.

Eva Sittig | Quelle: Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen: www.fokus.fraunhofer.de
www.net4dc.org

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