Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher testen neue Methoden für Katastropheneinsätze - - Autonom vernetzte Sensoren erfolgreich eingesetzt

25.11.2009
Terroristische Bedrohungen, zunehmende Wetterextreme und Unglücke wie Großbrände oder Zugunfälle haben Katastrophen mit sogenannten "Massenanfällen von Verletzten" (MANV) in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt.

Wie das Rettungswesen und der Katastrophenschutz solche Extremfälle bewältigen und Verbesserungen bei der Beherrschung von Großschadensereignissen und anderen Katastrophen mit Hilfe eigenständig per Funk kommunizierender Sensoren erreichen können, das wird seit 2008 im Forschungsprojekt MANET (Disaster Management using Autonomous Sensor Networks / Katastrophenmanagement mit Autonomen Vernetzten Sensoren) untersucht.

Kooperationspartner des Forschungsprojekts sind die Fachhochschule Köln, die Firmen Vomatec, Kontron und Amber Wireless, sowie das Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe, das Projektkoordinator von MANET ist. Das dreijährige Forschungsprojekt wird mit insgesamt drei Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Zum ersten Mal wurde jetzt die Sensortechnik und das von der Fachhochschule Köln implementierte Standard-Übungs-System (SÜS) bei einer Evaluationsübung von MANET getestet. Dazu wurden zwei äußerst realistische Übungsdurchläufe zum Unglückszenario "Verkehrsunfall mit jeweils 15 Verletzten" durchgeführt. Das Standard-Übungs-System ermöglicht, Übungen nach vorher definierten Parametern wissenschaftlich zu analysieren. Maßgeblich sind hierbei die Leistung der Übungsleitung sowie ein TED-System durch das die Daten gesammelt werden. Daneben wurden auch Übungsbeobachtung sowie Foto- und Videodokumentation erstmals erfolgreich erprobt. Zudem konnten die Wissenschaftler und Forscher viele Daten und aufschlussreiche Parameter für die weitere Projektarbeit erheben. "Hier wurde ein Meilenstein des Projekts erreicht und gleichzeitig der Kick-Off für weitere Forschung im Feld der Gefahrenabwehr gefunden", betonte Prof. Dr. Dr. Alex Lechleuthner, Leiter Studiengang Rettungsingenieurwesen der Fachhochschule Köln und Leiter des Instituts für Notfallmedizin der Berufsfeuerwehr der Stadt Köln.

"Die Sensortechnologie mit sich selbst vernetzenden Sensoren", so Lechleuthner weiter, "ist ein riesiger Fortschritt in der frühen Phase von Massenanfällen von Verletzen, bei denen es wichtig ist, schnell über Anzahl der Patienten und deren Verletzungsmuster informiert zu sein." Die Funktechnologie, die insbesondere auch auf die außerordentlichen Anforderungen im Umfeld eines Realeinsatzes ausgerichtet ist, liefert die Firma Amber Wireless. Hierbei vernetzen sich alle am Patienten befindlichen Knoten selbstständig mit vorher definierten Knoten und den Rettungsdienstgeräten der Firma Kontron Embedded Systems.

"Im Gegensatz zu klassischen Kommunikationstechnologien wie dem Mobilfunknetz sind Sensornetzwerke sehr robust, da sie nicht auf eine zentrale Infrastruktur angewiesen sind", erklärt Projektleiter Dr. Christopher Kunze vom FZI Forschungszentrum Informatik. "Im weiteren Projektverlauf kommen noch Technologien zur Lokalisierung der Patienten sowie ein Softwaresystem zur Lageerfassung und -Visualisierung hinzu", so Dr. Kunze weiter. "Derzeit werden Patienten noch mit Patientenanhängetaschen aus Papier registriert - es findet eine manuelle Übertragung auf Papier statt", berichtet B.Eng. Benedikt Weber, Projektverantwortlicher für MANET bei der Fachhochschule Köln und Übungsleiter. "Teilweise werden selbstgebaute elektronische Lösungen auf der Basis von Laptops und Standardanwendungen eingesetzt".

Die Firma Kontron Embedded Systems hat für das MANET-System Tablet-PC entsprechend den spezifischen Anforderungen der Projektpartner entwickelt und die Prototypen erfolgreich eingesetzt. Unter Federführung der Firma Vomatec wurde die Software für das Rettungsdienstgerät (Tablet-PC) programmiert und die Schnittstellenkommunikation gemeinsam mit der Firma Amber Wireless definiert. Darüber hinaus entwickelten die Firmen Kontron Embedded Systems und Vomatec gemeinsam die Technologie zur Definition der Patientenknoten mittels RFID Technologie. Möglich war diese Übung durch das große Engagement von Berufsfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehr der Stadt Köln, der freiwilligen Kräfte der Hilfsorganisationen sowie der hauptamtlichen Mitarbeiter und Ärzten des Rettungsdienstes. Daneben sorgte nicht zuletzt das täuschend echte Szenario und eine schauspielreife Leistung für die Hektik und den Stress, der für die Messungen der Prototypen von Sensorknoten und Rettungsdienstgeräten erforderlich waren. Kernaufgabe der Fachhochschule Köln bei MANET ist, den Technologiepartnern die Anwendungsexpertise im Bereich Rettungsmedizin und Katastrophenschutz zur Verfügung zu stellen. Dabei werden Anwendungsszenarien entwickelt, Prozesse beschrieben, Anwenderanforderungen analysiert, Entwicklungsergebnisse der Partner bewertet und getestet.

Die Fachhochschule Köln ist die größte Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Deutschland. Das Angebot der elf Fakultäten mit 400 Professorinnen und Professoren umfasst mehr als 70 Studiengänge aus den Ingenieur-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Die Fachhochschule Köln ist Vollmitglied in der European University Association (EUA); sie gehört dem Fachhochschulverbund UAS 7 an und ist eine zertifizierte umweltorientierte Einrichtung (EMAS und ISO 14001).

Der Studiengang Rettungsingenieurwesen (BA und MA) umfasst alle technischen und organisatorischen Elemente der operativen Gefahrenabwehr, die sich mit der Rettung von Menschen, der Erkennung von Gefahren und deren Abwehrplanung beschäftigen wie etwa behördliches und betriebliches Risiko- und Krisenmanagement sowie soziale und methodische Kompetenzen für Führungskräfte. In Verbundforschungsprojekten stehen die wissenschaftliche Analyse und das Bereitstellen von Anwenderexpertise im Vordergrund.

Das FZI Forschungszentrum Informatik ist eine Forschungseinrichtung des Landes Baden-Württemberg und der Universität Karlsruhe (TH). Es hat die Aufgabe, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Informatik, Ingenieurwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen verfügbar zu machen. In Kooperationsprojekten und in Auftragsforschung entwickelt das FZI für seine Geschäftspartner Konzepte für betriebliche Organisationsaufgaben, Software- und Systemlösungen und setzt diese in innovative Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsprozesse um. Wissenschaftliche Exzellenz und Interdisziplinarität sind in der Organisation verankert: Für den Technologietransfer engagieren sich am FZI Professorinnen und Professoren, die an verschiedenen Fakultäten der Universität Karlsruhe (TH) und weiteren Universitäten Informatik und ihre Anwendungen erforschen. Die Forschungseinrichtung ist gemeinnützig.

www.fzi.de

Kontron entwickelt und fertigt sowohl standardbasierte als auch kundenspezifische embedded und Kommunikations-Lösungen für OEMs, Systemintegratoren und Anwendungsanbieter in verschiedensten Marktsegmenten. Die Entwicklungs- und Fertigungsstandorte von Kontron in ganz Europa, Nordamerika und der asiatisch-pazifischen Region arbeiten mit einer globalen Vertriebs- und Supportorganisation zusammen, die den Kontron Kunden hilft, ihr Time-to-Market zu reduzieren und Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Das vielfältige Produktportfolio von Kontron umfasst: Boards und Mezzanine-Karten, Computer-On-Module, HMIs und Displays, Systeme und Fertigung nach Kundenwunsch. Kontron ist Premier Mitglied der Intel® Embedded and Communications Alliance. Das Unternehmen wurde zuletzt drei Mal in Folge von VDC als "Platinum Vendor" für "Embedded Boards" ausgezeichnet. Kontron ist im deutschen TecDAX unter der Wertpapierkennung "KBC" gelistet.

www.kontron.de

AMBER wireless ist ein deutsches Elektronikunternehmen, welches sich auf die Entwicklung, die Herstellung und den Vertrieb von Produkten zur drahtlosen Datenkommunikation spezialisiert hat. AMBER bietet qualitativ hochwertige und einfach zu integrierende Funk-Produkte in den ISM/SRD-Bändern 433/868 MHz und 2,4 GHz. Das Produktprogramm umfasst embedded Funktransceiver, Funkmodule, Funkmodems sowie Wireless M-Bus-, Bluetooth- und ZigBee-Lösungen mit Funkreichweiten von bis zu 20 km. Durch die Verwendung von AMBER Funklösungen können System-Integratoren nahezu jedes Produkt mit einer drahtlosen Schnittstelle versehen, ohne eigene HF-Kenntnisse und ohne langwierige Entwicklungszeit für Hardware- und Softwaredesign. AMBER Produkte werden in unterschiedlichsten kabellosen Anwendungen eingesetzt. Hierzu zählen beispielsweise die Bereiche: Logistik, Messdatenerfassung, Smart Metering, Sicherheitstechnik, Medizintechnik, Zugangskontrolle, Vermessungswesen sowie Home-/Gebäudeautomation. AMBER Produkte werden über Distributoren wie Farnell, Arrow Europe, EBV und andere vertrieben.

www.amber-wireless.de

VOMATEC ist seit 1992 im Bereich der Softwareentwicklung für Feuerwehren, Rettungsdienste, Polizei, Katastrophenschutz und für Sicherheitsbereiche der Industrie national und international tätig. Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Endanwendern und aufgrund der jahrelangen Erfahrung wurde ein umfangreiches Produktportfolio für diesen speziellen Anwenderkreis entwickelt. VOMATEC gehört zu den Marktführern in diesem Bereich; zwei Bundesländer (Rheinland-Pfalz, Saarland) setzen die Lösungen flächendeckend als Landessysteme ein. Die Anwendungsbereiche reichen von der Leitstelle über zentrale Katastrophenschutzsysteme bis zur Verwaltung im Tagesgeschäft. Im Bereich der Privatwirtschaft bietet VOMATEC Systemlösungen zur Zusammenführung der Sicherheitstechnik unter einer einheitlichen Bedienoberfläche und verbindet so Standorte auch weltweit. Im Kontext der MANET-Übung konnte erstmals die für das Rettungsdienstgerät entwickelte Touch-Screen-Benutzeroberfläche unter Realbedingungen getestet werden. Das User-Interface hat sich dabei als intuitiv erfass- und nutzbar erwiesen. Für die Weiterentwicklung und Verbesserung der bestehenden Software wird das konstruktive Feedback der verschiedenen Übungsteilnehmer einen entscheidenden Beitrag leisten.

www.vomatec.de

Weitere Informationen Fachhochschule Köln
Institut für Anlagen- und Verfahrenstechnik / Studiengang Rettungsingenieurwesen
Prof. Dr. Dr. Alex Lechleuthner
Tel.: 0221/8275- 2201
E-Mail: alex.lechleuthner@fh-koeln.de
B.Eng. Benedikt Weber
Tel.: 0221/8275- 2296
E-Mail: benedikt.weber@fh-koeln.de

Petra Schmidt-Bentum | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-koeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Kieler Wissenschaft entwickelt exzellentes Forschungsdatenmanagement
21.08.2017 | ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft

nachricht Computer mit Köpfchen
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

22.08.2017 | Physik Astronomie

Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Virus mit Eierschale

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie