Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher "infiziert" sich mit Computervirus

27.05.2010
Eigenwilliges Experiment zeigt potenzielle Risiken

Der Forscher Mark Gasson an der School of Systems Engineering der University of Reading hat sich nach eigenen Angaben als erster Mensch mit einem Computervirus "infiziert".

Genau genommen wurde der Schädling freilich nur auf einem implantierten RFID-Chip installiert. Von dort aus konnte sich die Malware auch auf ein weiteres System ausbreiten. Damit will der Wissenschaftler auf potenzielle Risiken implantierter Technologie aufmerksam machen.

Allerdings stößt die Vorstellung des Experiments auf Kritik. "Die Art, wie diese Forschung präsentiert wird, ist panikmachender Unsinn", meint Sophos-Sicherheitsexperte Graham Cluley in seinem Blog. Er betont, dass eine Malware-Verbreitung via RFID-Chip eigentlich kein sehr realistisches Szenario darstellt. Doch könnten Implantate auch umfassender vernetzt sein als diese Chips.

RFID ein schlechtes Beispiel

Gasson hatte sich 2009 einen High-End-RFID-Chip in die linke Hand implantieren lassen. Dieser diente dem sicheren Zugang zu einem Universitätsgebäude und seinem Handy. Nachdem der Chip für das Experiment mit einem Virus infiziert wurde, konnte dieser auf das Hauptsystem übergreifen, das mit dem Chip kommuniziert. Von dort aus könnte der Schädling sich theoretisch weiter ausbreiten, so der Wissenschaftler.

"Der Code würde nicht ausgelesen, ehe ein RFID-Reader in Kontakt mit dem infizierten Chip kommt. Selbst dann müsste die Software des Lesegeräts noch eine Schwachstelle haben, damit der Code ausgeführt wird", meint allerdings Cluley. Außerdem bleibe die Frage offen, wie in der Praxis der RFID-Chip überhaupt infiziert werden könne. Ferner mache es keinen wirklichen Unterschied, ob er am oder im Körper getragen wird. Insofern ist Gassons mahnendes Beispiel eher aus der Luft gegriffen.

Potenzielle Risiken

Das ändert freilich nichts daran, dass immer intelligentere Implantate auch Gefahren mit sich bringen. "Unsere Forschung zeigt, dass impalantierbare Technologie sich so weit entwickelt hat, dass die Implantate Daten übertragen, speichern und manipulieren können", erklärt Grasson. Es handelt sich also effektiv um Minicomputer, die insbesondere mit zunehmender Vernetzung genau wie normale Computer mit entsprechenden Sicherheitsrisiken konfrontiert werden.

"Wir müssen eingestehen, dass der nächste Schritt unserer Entwicklung darin bestehen mag, auf der Suche nach Verbesserung teilweise Maschinen zu werden", meint der Kybernetiker. Dabei sei es wichtig, sich möglicher Risiken bewusst zu sein. Ob freilich eigentümliche Aktionen wie Grassons "Computervirus-Infektion" oder andere, die seinem Kollegen Kevin Warwick bereits den Spitznamen "Captain Cyborg" beschert haben, wirklich die beste Art der Bewusstseinsbildung sind, ist fraglich.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.reading.ac.uk/sse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie