Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Expertenhilfe aus der Ferne

01.07.2011
Verweigern elektronische Geräte den Dienst, helfen Handbücher meist nicht weiter. Dies gilt auch für komplexe Industriemaschinen – oft muss der zuständige Experte aus der Herstellerfirma eingeflogen werden. Ein neues System soll jetzt die Unterstützung durch den Hersteller vereinfachen, egal wie weit der Firmensitz entfernt ist.

Maschine an Maschine reihen sich in der Fertigungshalle aneinander, jede trägt ihren Teil zum Produktionsprozess bei. Legt eine Störung eine dieser komplexen Anlagen lahm, zücken die Industrietechniker zunächst selbst ihr Werkzeug und das entsprechende Handbuch.


Anhand von 2-D-Barcodes, die an den Einzelteilen der zu reparierenden Maschine angebracht sind, ermittelt das System Kameraposition und -richtung und sendet diese Daten an den Experten. (© Fraunhofer FKIE)

Manchmal hilft allerdings nur der Griff zum Hörer, um bei der Herstellerfirma Tipps zur Reparatur einzuholen. Telefonisch ist das mit der Beratung jedoch schwer: Welche Schraube ist gemeint? Rechts? Links? Von welcher Seite aus schaut der Techniker auf die Maschine? Auch die schriftliche Kommunikation hat schnell ihre Grenzen erreicht. Oft bleibt nur, den Experten einzufliegen – manchmal vom anderen Ende der Welt. Währenddessen steht die Maschine still und bremst eventuell die ganze Produktion aus.

Künftig kann der Experte den Techniker einfach und schnell unterstützen, ohne sein Büro zu verlassen: Mit einem Augmented-Reality-System, das Forscher des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE in Wachtberg entwickelt haben. Der Industrietechniker nimmt dabei die defekte Maschine mit einer Kamera auf, die auf der Rückseite seines Laptopmonitors angebracht ist.

Der Computer ist an einem schwenkbaren Arm montiert, so dass der Techniker den Bildschirm während der Reparaturarbeiten betrachten kann. Eine Bildverarbeitung berechnet Kameraposition und -richtung und sendet die Daten über konventionelle Telekommunikationsnetze zur Herstellerfirma. Der Experte sieht die Maschine auf seinem Monitor in derselben Perspektive. Er kann mit Hilfe der Software Arbeitsanweisungen an bestimmte Teile der Maschine schreiben, beispielsweise: Diese Schraube lösen. Auf dem Monitor des Technikers werden diese Hinweise an den entsprechenden Maschinenteilen eingeblendet.

Läuft der Mitarbeiter mit seinem Laptop um die Maschine herum, bewegt sich das Bild entsprechend. Die Informationen bleiben dabei an der Stelle, an der sie ausgeführt werden sollen, etwa an der speziellen Schraube. Hat der Techniker den Arbeitsschritt ausgeführt, kann er die Anweisung wegklicken. Da das System auf einem Chat-Protokoll basiert, können alle Beteiligten zusätzlich entweder über Chat oder per Telefon Informationen austauschen.

Die Forscher konnten die zu übertragende Datenmenge so reduzieren, dass ein Handynetz für dieses System ausreicht – eine Breitbandverbindung ist überflüssig. Das bietet den Vorteil, dass man den Experten auch an abgelegenen Anlagen zurate ziehen kann. Etwa an Windkrafträdern, die auf einem Feld stehen oder bei Maschinen, die sich in Schwellen- und Entwicklungsländern befinden. »Wir übertragen keine Bilder, sondern Ortsinformationen«, sagt Dr. Thomas Alexander, Forschungsgruppenleiter am FKIE. »Dazu bringen wir derzeit an verschiedenen Stellen der Maschine 2-D-Barcodes an. Nimmt der Techniker ein Bild des zu reparierenden Objekts auf, liest eine Software diese Markierungen aus und sucht die Hinweise, die dazu hinterlegt sind – etwa die Identifikationsnummer der Maschine sowie die Position und Lage des aufgenommenen Barcodes. Übermittelt werden lediglich diese Details.«

Bei der Herstellerfirma verknüpft eine Software die Informationen so mit den CAD-Daten der Maschine, dass der Experte sie aus demselben Blickwinkel sieht wie der Techniker vor Ort. Einen Prototypen des Systems haben die Forscher bereits entwickelt. In einem weiteren Schritt planen sie eine Studie, in der Anwender das System testen werden. Die Ergebnisse helfen den Wissenschaftlern, das System weiter zu optimieren und an die Bedürfnisse der Benutzer anzupassen.

Dr. Thomas Alexander | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/19/expertenhilfe.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits
15.12.2017 | Forschungszentrum Jülich GmbH

nachricht Neues Epidemie-Management-System bekämpft Affenpocken-Ausbruch in Nigeria
15.12.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Carmenes“ findet ersten Planeten

Deutsch-spanisches Forscherteam entwirft, baut und nutzt modernen Spektrografen

Seit Januar 2016 nutzt ein deutsch-spanisches Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen den modernen Spektrografen „Carmenes“ für die Suche nach...

Im Focus: Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

Heute verfügbare Ionenfallen-Technologien eignen sich als Basis für den Bau von großen Quantencomputern. Das zeigen Untersuchungen eines internationalen Forscherteams, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Physical Review X veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler haben für Ionenfallen maßgeschneiderte Protokolle entwickelt, mit denen auftretende Fehler jederzeit entdeckt und korrigiert werden können.

Damit die heute existierenden Prototypen von Quantencomputern ihr volles Potenzial entfalten, müssen sie erstens viel größer werden, d.h. über deutlich mehr...

Im Focus: Error-free into the Quantum Computer Age

A study carried out by an international team of researchers and published in the journal Physical Review X shows that ion-trap technologies available today are suitable for building large-scale quantum computers. The scientists introduce trapped-ion quantum error correction protocols that detect and correct processing errors.

In order to reach their full potential, today’s quantum computer prototypes have to meet specific criteria: First, they have to be made bigger, which means...

Im Focus: Search for planets with Carmenes successful

German and Spanish researchers plan, build and use modern spectrograph

Since 2016, German and Spanish researchers, among them scientists from the University of Göttingen, have been hunting for exoplanets with the “Carmenes”...

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Konfenzreihe in Berlin: Landscape 2018 - Ernährungssicherheit, Klimawandel, Nachhaltigkeit

18.12.2017 | Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Lipid-Nanodisks stabilisieren fehlgefaltete Proteine für Untersuchungen

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Von Alaska bis zum Amazonas: Pflanzenmerkmale erstmals kartiert

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Krebsforschung in der Schwerelosigkeit

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie