Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erster Knoten für interplanetares Internet in Betrieb

09.07.2009
NASA testet neues Kommunikationsprotokoll auf der ISS

Auf der internationalen Raumstation wird derzeit ein neues Kommunikationsprotokoll getestet, das als Grundstein für ein zukünftiges interplanetares Internet gilt.

Es soll die Kommunikation zwischen Raumfahrzeugen und der Erde vereinfachen. Der erste Rechenknoten, der mit dem neuen Protokoll ausgestattet ist, stammt von der amerikanischen Firma Bioserve Space Technologies und soll - sofern alle Tests und eventuellen Nachbesserungen erfolgreich verlaufen - noch dieses Jahr durch einen zweiten Knoten ergänzt werden. "Auch die EU experimentiert mit dem neuen Protokoll. Hierzulande soll es aber dazu dienen, besonders entlegene Gebiete mit Internet zu versorgen", so Martin Pilgram vom deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Gespräch mit pressetext.

Bislang gestalteten sich Kommunikationsvorgänge im All schwierig. Raumfahrer mussten genau timen, wann sie andere Raumfahrzeuge oder die Bodenstationen kontaktieren, weil die Konnektivität im All häufig durch Himmelskörper oder gar Solarstürme unterbrochen ist. Deshalb setzt das interplanetare Protokoll "Delay Tolerant Networking" (DTN) im Gegensatz zu TCP/IP, wie es bei normalen Internetverbindungen verwendet wird, auf Datenspeicherung. Während eine Übertragung bei TCP/IP in einem Stück gehen muss und der Transfer bei einer Verbindungsunterbrechung abreißt, speichert DTN die Daten ab und versendet sie nach und nach, in jenen Zeiträumen, in denen Senden und Empfangen möglich ist. Die Zeitfenster für die Übertragung bestimmt das System dabei automatisch.

Der im Mai mit dem neuen Protokoll ausgerüstete Bioserve-Knoten sendete kürzlich erstmals Daten zur Erde. Die Übertragungsgeschwindigkeit konnte dabei um den Faktor vier gesteigert werden. "Die höheren Datenraten sind besonders bei Bildübertragungen ein Riesenvorteil", so Pilgram. Wird die Verbindung während der Übermittlung unterbrochen, übermittelt das System verlorene Daten nun automatisch zu einem späteren Zeitpunkt. Zuvor musste manuell ein zweiter Versuch gestartet werden. Den ersten Test im All durchlief das System übrigens schon im November 2008, als auf der Erde befindliche Computer der NASA und eine Sonde die Datenübermittlung vom Mars zur Erde simulierten. Unter Realbedingungen wird das System erst jetzt auf der ISS getestet.

Bis Ende 2011 will die NASA das DTN-Protokoll auf der Internationalen Raumstation so weit testen und perfektionieren, dass es bereit für den Einsatz in Raumfahrzeugen ist. "Bis das Protokoll tatsächlich in Raumfahrzeugen eingesetzt wird, dürfte es noch bis 2015 dauern", so Pilgram. "Derzeit führt die NASA auch Gespräche mit Japan und der ESA. Das europäische Columbus-Modul soll ebenfalls mit DTN ausgerüstet werden und Daten künftig auf diese Art ins Kontrollzentrum nach Oberpfaffenhofen senden", so Pilgram weiter. Wenn sich das neue Protokoll durchsetzt, könnte es erheblich dazu beitragen, die Kommunikation zwischen der ISS, Raumfahrzeugen und der Erde zu erleichtern.

Dominik Erlinger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.colorado.edu/engineering/BioServe/
http://www.dlr.de

Weitere Berichte zu: DTN ISS Knoten Kommunikationsprotokoll NASA Pilgram Raumfahrzeuge Raumstation TCP/IP

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Deep Learning und KI in der Motorenentwicklung – IAV und DFKI eröffnen gemeinsames Forschungslabor
23.01.2018 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder
19.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics