Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erdbeben in Amatrice: TRADR-Robotertechnik hilft Einsatzkräften vor Ort

08.09.2016

Im Nachgang zu dem schweren Erdbeben in Amatrice, Italien, kamen Technologien und Know-how aus dem EU-Forschungsprojekt »TRADR« zum Einsatz: Italienische Rettungskräfte baten das Team, darunter Mitarbeiter des Fraunhofer IAIS aus Sankt Augustin, Innenaufnahmen von zwei vom Einsturz bedrohten Kirchen – der San Francesco Basilika und der Sant'Agostino Kirche – zu liefern. Damit soll zusätzliche Zerstörung verhindert und der weitere Einsatz geplant werden. Drei Flugroboter und zwei Bodenroboter waren innerhalb kürzester Zeit vor Ort einsatzbereit.

In enger Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern und unter extremen Bedingungen und hohem Zeitdruck konnten schließlich 140 Gigabyte an Bild- und Sensordaten zu aussagekräftigen 3-D-Modellen von den Gebäuden verarbeitet werden. Der Einsatz zeigt, wie europäische Zusammenarbeit wirkungsvoll funktioniert.


Drei Flugroboter und zwei Bodenroboter waren innerhalb von 48 Stunden vor Ort einsatzbereit.

TRADR / Vigili del Fuoco


Das Forschungsprojekt »TRADR« liefert 3-D-Bilder aus vom Einsturz gefährdeten Gebäuden: 140 Gigabyte an Bild- und Sensordaten wurden zu aussagekräftigen 3-D-Modellen verarbeitet.

TRADR / Vigili del Fuoco

Ein Anwendungsfeld von »Cognitive Robotics« ist der Einsatz von intelligenten Robotern in Katastrophenfällen bei unübersichtlichen Gefahrenzonen. Die Roboter unterstützen die Rettungskräfte beim Einsatz, indem sie als stellvertretende Werkzeuge für Menschen eingesetzt werden.

In diesem Einsatzszenario wurden die Roboter teilweise ohne Sichtkontakt ferngesteuert und kooperierten miteinander. Zwei der Flugroboter lieferten Bilder, mit deren Hilfe der Operator Anweisungen für die Flugrichtung der dritten geben konnte und diese so ihren Weg durch enge Fenster oder einen zerstörten Dachstuhl fand.

Die anschließend aus Innen- und Außenaufnahmen sowie Lasersensordaten entwickelten 3-D-Modelle zeigen der italienischen Feuerwehr Vigili del Fuoco, wo eine Abstützung der Wände notwendig ist, damit weitere Einstürze verhindert und die Kulturgüter erhalten werden können.

»Das gesamte TRADR-Team musste innerhalb von 48 Stunden einsatzbereit sein. Wir standen unter großem Stress, aber die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern und den Rettungskräften vor Ort verlief reibungslos«, berichtet Prof. Hartmut Surmann, der für das Fraunhofer IAIS zusammen mit seinem Kollegen Erik Zimmermann verantwortlich für die TRADR-Integration und das technische Setup ist und die Flugroboter steuerte.

Den erfolgreichen Einsatz sieht er unter anderem dem eingespielten TRADR-Team geschuldet, das in zahlreichen Übungseinsätzen den Ernstfall geprobt hat: Die 12 Partnerorganisationen aus sechs EU-Ländern entwickeln in dem von der Europäischen Union geförderten Projekt unter der Leitung des DFKI neuartige Technologien für gemischte Mensch-Roboter-Teams für den Einsatz in Katastrophenszenarien.

»Der Einsatz zeigt eindrücklich, wie wirkungsvoll die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg funktionieren kann. TRADR ist ein europäisches Projekt und kann für die Feuerwehr unter realen Bedingungen wertvolle Beiträge zur Durchführung von Rettungs-Missionen leisten, indem Roboter zur Informationsbeschaffung effektiv genutzt werden«, davon ist Erik Zimmermann überzeugt.

Weitere Informationen: http://www.tradr-project.eu/

Über das Projekt TRADR

TRADR entwickelt neuartige Technologien für gemischte Mensch-Roboter-Teams für den Einsatz in mittleren und großen Katastrophenszenarien: Dabei arbeiten teilautonome Boden- und Luft-Roboter zusammen mit menschlichen Einsatzkräften, um die Umgebung zu erkunden und zu überwachen, visuelle Informationen zu sammeln und physische Proben zu nehmen.

Das Projekt TRADR wird von der Europäischen Union im 7. EU-Forschungsrahmenprogramm gefördert. 12 Partner, darunter das Fraunhofer IAIS aus Sankt Augustin sowie drei Feuerwehrorganisationen arbeiten in TRADR zusammen, das DFKI ist Projektkoordinator.

Über Fraunhofer IAIS

Das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS gehört zu den führenden Einrichtungen für angewandte Forschung im Bereich der intelligenten Datenanalyse und Wissenserschließung. Rund 200 Data Scientists, IT-Spezialisten und IT-Berater unterstützen Unternehmen und Organisationen mit maßgeschneiderten IT-Lösungen bei der Optimierung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen sowie bei der Realisierung von intelligentem Informationsmanagement. Im Fokus stehen dabei Lösungen, die Kunden aus Wirtschaft, Industrie und dem öffentlichen Sektor durch die ganzheitliche Analyse und Verknüpfung von großen Datenbeständen (Big Data) beim Informationsmanagement und der Entscheidungsfindung helfen.

Weitere Informationen:

http://www.tradr-project.eu TRADR Projektwebsite

Silke Loh | Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht
18.01.2017 | Technische Universität Berlin

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik