Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektronische Zunge erkennt Weinsorten

11.08.2008
Portables Werkzeug entlarvt Panscher-Tricks

Ein spanisch-deutsches Forscherteam hat eine elektronische Zunge entwickelt, die in der Lage ist, Wein zu "schmecken". Mit dem portablen Gerät können Weine vor Ort untersucht werden, statt auf eine Laboranalyse warten zu müssen.

Die Software des Systems lernt mithilfe von Vergleichsproben und aufgrund der Messdaten Rebsorte und Jahrgang zu erkennen. Damit könnte diesbezüglicher Etikettenschwindel aufgedeckt werden. Langfristig sollen auch Panscher-Tricks wie das Aufzuckern von Wein erkannt werden. "Mit gutem Training wird das System dazu in der Lage sein", meint Cecilia Jiménez-Jorquera vom Centro Nacional de Microelectrónica gegenüber pressetext. Auch die Qualitätssicherung in der Produktion ist ein denkbares Anwendungsgebiet.

Herzstück der elektronischen Zunge ist ein Multisensor-Chip, auf dem sich mehrere Messkanäle mit Ionen-sensitiven Feldeffekt-Transistoren befinden. Sie messen den pH-Wert sowie den Gehalt an Ammonium und einer Reihe von Metallen. Die zugehörige Analyse-Software kann damit aber auch andere Parameter wie den Zucker- und Alkoholgehalt abschätzen. Ähnlich wie ein menschlicher Experte braucht das System Erfahrung, um Wein-Kostproben gut bewerten zu können. "Wir müssen das System mit einigen bekannten Traubensorten kalibrieren, um dann unbekannte Proben zu analysieren", erklärt Jiménez-Jorquera.

In Tests konnte das Wissenschaftler-Team zeigen, dass das System auf Basis geeigneter Vergleichsproben sowohl die Rebsorte als auch den Jahrgang von Weinen richtig einschätzen kann. Mit einer größeren Zahl von Vergleichsproben sollte die Beurteilung immer besser werden, ist Jiménez-Jorquera überzeugt.

Das System bleibt trotz der Analysequalitäten, die sich den Forschern zufolge mit denen von Standard-Laborverfahren messen können, kompakt und somit portabel. "Das System besteht hauptsächlich aus der Elektronik und einem Strömungssystem, die in einer kompakten Box zusammengelegt werden können", meint Jiménez-Jorquera. Dazu kommt noch ein Laptop für Signalüberwachung und Software. Die Wissenschaftler betonen, dass die Entwicklung große Vorteile für die Weinindustrie verspricht.

Vor-Ort-Messungen während des Produktionsprozesses würden eine effektive Qualitätssicherung deutlich erleichtern. Das System könnte ferner genutzt werden, um den Betrug aufzudecken, wenn ein Wein mit falscher Sortenbezeichnung oder unrichtigem Jahr angeboten wird. Mit einer ausreichend guten Vergleichsgrundlage wäre sogar möglich zu beurteilen, ob ein Wein wirklich rein ist oder beispielsweise aufgezuckert oder verwässert wurde.

"Die elektronische Zunge ist derzeit nur ein Prototyp, kein kommerzielles Produkt", betont Jiménez-Jorquera. Die Forscher sind überzeugt, dass schon einige wenige zusätzliche Biosensoren eine noch detaillierte Analyse von Wein-Parametern erlauben und das System noch interessanter für die Qualitätssicherung machen würden. Daher dürfte die Weiterentwicklung zunächst Vorrang vor der Kommerzialisierung haben.

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.cnm.es

Weitere Berichte zu: Ammonium Multisensor-Chip Qualitätssicherung Rebsorte Weinsorten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Ein stabiles magnetisches Bit aus drei Atomen
21.09.2017 | Sonderforschungsbereich 668

nachricht Drohnen sehen auch im Dunkeln
20.09.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie