Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektronische Suchhilfe für Eltern

01.10.2010
Ein kurzer Anruf und schon ist geklärt, wo sich das Kind gerade aufhält: Der »Kidfinder« gibt Auskunft via SMS. Integrierbar in eine Spielekonsole kombiniert das Ortungsgerät GPS-Peilung mit GSM-Tracking. Im günstigsten Fall ermittelt es den Standort der gesuchten Person auf wenige Meter genau.

Wo bleibt Tobias? Der Achtjährige sollte seit einer halben Stunde zu Hause sein. Seine Mutter greift zum Telefon, ruft den »Kidfinder« ihres Sohnes an, übermittelt ihr Passwort und bekommt sofort eine SMS mit Tobias’ Positionsdaten.

An den Koordinaten erkennt sie: Ihr Jüngster hat einen kleinen Umweg zum Bach gemacht und beim Spielen am Wasser die Zeit vergessen. Anders als reine Handy-Ortungssysteme nutzt der »Kidfinder« sowohl das GSM-Netz (Global System for Mobile Communications) für den Mobilfunk als auch das Global Positioning System GPS zur Positionsbestimmung.

»Diese Kombination aus GSM und GPS ermöglicht eine zuverlässige Ortung, egal, ob sich die gesuchte Person im Freien oder innerhalb eines Gebäudes aufhält«, erklärt Carsten Hoherz vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM in Berlin. Ist das Kind draußen unterwegs, wird seine Position via GPS mit einer Genauigkeit von bis zu fünf Metern bestimmt.

Die GPS-Peilung über mehrere Satelliten arbeitet hier wesentlich genauer als die Ortung via GSM. Diese verrät lediglich, in welcher Mobilfunk-Zelle sich ein Nutzer gerade aufhält. Andererseits ist ein Mobilfunk-Empfang meist auch im Inneren von Gebäuden möglich, während GPS-Signale generell nicht durch Wände und Dächer dringen. Bereits in Häuserschluchten verringert sich die Ortungsgenauigkeit von GPS durch Signalreflexionen erheblich.

Ursprünglich hatten die Wissenschaftler des IZM ihr »Hosentaschen-GSM/GPS-System« entwickelt, um Fracht oder Fahrzeuge zu orten. Für solche Anwendungen enthalten die Geräte zwar dieselbe Technik, sind jedoch etwas größer und schwerer. Entsprechend bieten sie mehr Raum für leistungsstärkere Antennen und Akkus. Beim »Kidfinder« waren die Entwickler dagegen Beschränkungen unterworfen. Schließlich sollte das Gerät den Kindern nicht zur Last fallen.

Sie sollten es vielmehr gerne und freiwillig bei sich tragen. Aus diesen Überlegungen entstand die Idee, das Ortungsgerät mit einer tragbaren Spielkonsole zu verbinden. »So etwas nehmen Kinder von sich aus lieber mit als ein Extragerät, das für sie keinen Nutzen hat«, erklärt Hoherz. Der »Kidfinder« ist nicht viel größer als eine aufgeklappte Streichholzschachtel und wiegt weniger als 80 Gramm. Das Leichtgewicht passt genau in den Reserve-Slot einer gängigen Spielkonsole. Sein Akku mit einer Kapazität von 400 mAh reicht für eine Betriebsdauer von zwei Tagen. Er lässt sich über die Konsole aufladen. Das Ortungsmodul bietet die Option, den Funktionsumfang der Konsole zu erweitern, indem es Ortsinformationen für Geländespiele zur Verfügung stellt.

Der »Kidfinder« entstand in einem gemeinsamen Projekt des IZM mit dem Potsdamer Ingenieurbüro Schmidt. Das Ortungsgerät reagiert nicht nur auf Anfragen der Eltern, es überwacht auch selbstständig eine antrainierte Zone – beispielsweise den Schulweg – und sendet eine Nachricht, wenn das Kind diese Zone verlässt. Bei Bedarf überträgt eine Visualisierungssoftware des Ingenieurbüros Schmidt die Positionsangaben des Ortungsgeräts auf Karten für PCs oder Handhelds. Während die Weiterentwicklung des »Kidfinder« zur Marktreife in Händen des Potsdamer Projektpartners liegt, arbeiten die Fraunhofer-Forscher bereits daran, das Gerät noch kleiner zu machen. Es soll in ein Armband oder einen Gürtel für Demenzkranke integriert werden, die leicht die Orientierung verlieren und dann auf Hilfe angewiesen sind.

Carsten Hoherz | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/10/kidfinder-gps-gsm-tracking.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise