Digitales Gewusel: simulierter Personenstrom

Mit diesem Simulator können zum Beispiel Evakuierungsszenarien getestet werden. Das System berechnet das Verhalten einiger tausend Fußgänger zehnmal so schnell wie in Echtzeit. Mit realen Informationen aus Kameras gekoppelt, kann die Bewegung von Menschenmassen vorhergesagt werden. So lassen sich kritische Situationen vermeiden, weil die Einsatzkräfte mehr Zeit zum Eingreifen haben.

Fährunglücke, Unfälle in Fußballstadien, aber auch die Sorge vor Anschlägen haben die Notwendigkeit aufgezeigt, das Verhalten von Menschenmassen besser vorhersagen zu können, was letztlich bedeutet, die Bewegung einzelner Personen zu simulieren. Aber auch Fragestellungen, bei denen es nicht unmittelbar um Gefahrensituationen geht, profitieren von den Forschungen – wie das schnellstmögliche Umsteigen bei vollbesetzten Zügen.

Die Berechnung einer großen Anzahl von Personen ist komplex. Menschen gehen unterschiedlich schnell oder halten weniger Abstand zu Begleitern als zu Unbekannten. Meistens streben sie in verschiedene Richtungen – zum Beispiel zu Parkplatz, U-Bahn oder Fahrradständern. Betrachtet man jede einzelne Person und ihre Interaktion mit allen anderen, sprengt man schnell die Rechenkapazität der Computer. Um dieses Problem zu umgehen, unterteilen die Siemens-Forscher den Raum in Zellen, deren Größe dem Platzbedarf eines Menschen entspricht.

Das Verhalten der leeren und besetzten Zellen untereinander beschreiben sie durch eine Art Kraftfeld oder Potenzial. Gegenstände wie Säulen wirken zum Beispiel abstoßend und auch Menschen stoßen Fremde stärker ab als die eigene Gruppe. Mit diesem Kniff lässt sich das Verhalten von tausenden Personen sehr schnell berechnen.

Außerdem bezieht das Modell die Topographie mit ein, indem es etwa Treppen je nach Gehrichtung mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten belegt. Derzeit koppeln die Forscher den Simulator mit Daten wie Personenzahl und Gehrichtung, die sie aus Kamerabildern auslesen, um Kurzzeitprognosen für die nächsten Minuten zu erstellen. Damit könnte etwa die Leitstelle in einem übervollen Bahnhof entscheiden, ob ein einfahrender Zug auf einen weniger bevölkerten Bahnsteig umgeleitet werden sollte.

Siemens erforscht diese Simulationstechniken unter anderem im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts Repka. Dort entsteht ein Trainingssimulator, der das Gehverhalten von 50.000 Personen in Echtzeit berechnen soll. Mit dem System sollen Einsatzleiter verschiedene Rettungseinsätze bei Fußballspielen durchspielen können. (RN 2010.04.3)

Media Contact

Dr. Norbert Aschenbrenner Siemens InnovationNews

Weitere Informationen:

http://www.siemens.de/innovation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie

Neuerungen und Entwicklungen auf den Gebieten der Informations- und Datenverarbeitung sowie der dafür benötigten Hardware finden Sie hier zusammengefasst.

Unter anderem erhalten Sie Informationen aus den Teilbereichen: IT-Dienstleistungen, IT-Architektur, IT-Management und Telekommunikation.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Mehr Prozess- und Produktinnovationen in Deutschland als im EU-Durchschnitt

Mehr als jedes 3. Unternehmen (36 %) in Deutschland hat zwischen 2018 und 2020 (aktuellste Zahlen für die EU-Länder) neue Produkte entwickelt, Neuerungen von Wettbewerbern imitiert oder eigene Produkte weiterentwickelt….

Nanofasern befreien Wasser von gefährlichen Farbstoffen

Farbstoffe, wie sie zum Beispiel in der Textilindustrie verwendet werden, sind ein großes Umweltproblem. An der TU Wien entwickelte man nun effiziente Filter dafür – mit Hilfe von Zellulose-Abfällen. Abfall…

Entscheidender Durchbruch für die Batterieproduktion

Energie speichern und nutzen mit innovativen Schwefelkathoden. HU-Forschungsteam entwickelt Grundlagen für nachhaltige Batterietechnologie. Elektromobilität und portable elektronische Geräte wie Laptop und Handy sind ohne die Verwendung von Lithium-Ionen-Batterien undenkbar. Das…

Partner & Förderer