Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Cloud als Datenversteck

04.04.2014

Cloud Provider wie Facebook, Twitter, SoundCloud und Google Picasa werden von Nutzern mit Unmengen von Daten gefüttert, die dann einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Doch die Anbieter prüfen nicht genügend, ob Nutzer nur die erlaubten Datenformate und Datenmengen auf ihre Server hochladen, wie Forscher der Universität Zürich nachweisen.

Die meisten Cloud Provider schreiben Formate sowie maximale Dateigrösse vor, die hoch geladen werden dürfen. Guilherme Sperb Machado hat in seiner Doktorarbeit untersucht, ob und wie es möglich ist, grössere Datenmengen versteckt auf Cloud Provider wie Facebook, Twitter, SoundCloud, Google Picasa und andere mehr hochzuladen.

Zu diesem Zweck hat Machado unter Mithilfe seines Doktorvaters Prof. Burkhard Stiller vom Institut für Informatik der Universität Zürich und seines Betreuers Thomas Bocek eine open-source Anwendung mit dem Namen PiCsMu (Platform-independent Cloud Storage System for Multiple Usage) entwickelt.

PiCsMu kann eine Datei irgendwelchen Formats in viele kleine Teile zerschneiden. Diese Teile werden verschlüsselt, in verschiedene Dateien wie zum Beispiel ein Foto, einen Text oder eine Audiodatei eingeschleust und zuletzt je nach Format auf verschiedene Anbieter wie Google Picasa, Facebook oder SoundCloud hochgeladen.

Die ursprüngliche Datei ist jetzt in Form von Kleinteilen in verschiedenen anderen Dateien enthalten und so versteckt, dass sie für Nutzer nicht ersichtlich und von Computern nur sehr schwer zu entdecken ist. Das Foto oder die Audiodatei, die jetzt Fragmente der versteckten Datei enthalten, zeigen aber genau das gleiche Foto oder spielen den gleichen Song, als wenn sie keine versteckten Daten enthalten würden.

Will ein anderer Nutzer die versteckte Datei ansehen, kann er den Vorgang wieder rückgängig machen, sofern er über das nötige Passwort verfügt und weiss, wo sich die Kleinteile befinden. Dabei werden die Dateifragmente aus den einzelnen Formaten herausgelöst und wieder zusammengesetzt.

Dieses System ermöglicht es, Daten versteckt auf verschiedenen Anbietern zu speichern. «Mit PiCsMu können wir zeigen, dass es möglich ist, Daten in grossem Ausmass auf Cloud Provider hochzuladen, ohne dass diese davon etwas merken. Damit wollen wir die Anbieter auf ein Sicherheitsproblem aufmerksam machen», erklärt Machado. Einerseits kann es für Cloud Provider unangenehm sein, wenn sich verbotene Inhalte wie zum Beispiel Pornographie in den hochgeladenen Dateien verbergen. Andererseits kann es auch finanziell nachteilig sein, wenn Nutzer viel mehr Daten als eigentlich erlaubt und auch bezahlt hochladen.

Zusätzliche Sicherheit

Doch PiCsMu kann nicht nur in Cloud Provider, sondern zum Beispiel auch auf privaten Festplatten oder auf USB-Sticks versteckt Daten speichern, was eine erhöhte Sicherheit gewährleistet. Zur Zeit ist PiCsMu eine «open source software» und demzufolge für alle nutzbar. Für die Zukunft kann sich Machado jedoch vorstellen, dass Nutzer ein kleines PiCsMu-Gerät an ihren Computer anschliessen und so heikle Daten verschlüsselt auf verschiedenen Orten abspeichern, wo gegebenenfalls auch andere Nutzer diese einsehen können.

Literatur:

Guilherme Sperb Machado, Fabio V. Hecht, Martin Waldburger, Burkhard Stiller. Bypassing Cloud Providers’ Data Validation to Store Arbitrary Data.

Guilherme Sperb Machado, Fabio V. Hecht, Martin Waldburger, Burkhard Stiller. PiCsMu: A System to Aggregate Multiple Heterogeneous Cloud Services’ Storage.

Kontakt:

Prof. Dr. Burkhard Stiller
Institut für Informatik
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 67 10
E-Mail: stiller@ifi.uzh.ch

Beat Müller | Universität Zürich

Weitere Berichte zu: Audiodatei Cloud Data Facebook Festplatten Informatik Picasa Provider Sicherheitsproblem Storage Validation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Forschungsprojekt: Zukünftige Fahrzeugtechnologien im Open Region Lab – ZuFOR
30.03.2017 | Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

nachricht Schnelle Time-to-Market durch standardisierte Datacenter-Container
28.03.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

30.03.2017 | Physik Astronomie

Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

30.03.2017 | Medizin Gesundheit

Flipper auf atomarem Niveau

30.03.2017 | Physik Astronomie