Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Informatiker vereinfachen Zugang zur dritten Dimension des World Wide Web

06.08.2012
Text, Bilder, Videoschnipsel und Audioaufnahmen existieren zuhauf im World Wide Web. Dreidimensional anmutende, interaktive Grafikelemente fehlen jedoch – obwohl inzwischen nicht nur in jedem Computer, sondern auch in jedem Smartphone die dafür notwendigen Mikrochips zu finden sind.

Informatiker des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz und des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung arbeiten nun zusammen, damit Web-Entwickler künftig direkt im Code ihrer Internet-Seiten räumliche Szenen und Gegenstände beschreiben können.


Philipp Slusallek und das virtuelle Autodesign: Web-Entwickler werden 3-D-Objekte künftig viel einfacher darstellen können.
bellhäuser - das bilderwerk

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken und das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (Fraunhofer IGD) in Darmstadt bemühen sich nun zusammen um die dritte Dimension im World Wide Web. Sie wollen die Internetseiten-Programmiersprache Hypertext Markup Language (HTML) so erweitern, dass Webentwickler mit ihr auch komplexe Graphikelemente erstellen und in Webseiten integrieren können. Die Forscher planen, zusammen HTML-Elemente zu entwickeln, mit der sich sowohl dreidimensionale Objekte als auch ihre Eigenschaften (Shaders), ihre Beleuchtung und dazu gehörige „virtuelle Kameras“ beschreiben lassen.

„Entwickler von Webseiten können die neuen Elemente genauso verwenden, wie sie es von den bisherigen HTML-Elementen gewohnt waren. Millionen von Web-Entwicklern können so ohne großen Aufwand dreidimensional anmutende, variierbare Graphiken in ihre Seiten einbauen“, erklärt Philipp Slusallek, Professor für Computergraphik an der Universität des Saarlandes und wissenschaftlicher Direktor am DFKI und dem Intel Visual Computing Institute.

„Bei den von uns entwickelten HTML-Erweiterungen und bei Standards für sogenannte Szenegraphen haben wir gemeinsam die wichtigsten Bausteine identifiziert“, berichtet Johannes Behr, Leiter der Abteilung „Visual Computing System Technologies“ am Fraunhofer IGD und der X3DOM-Entwicklergruppe. „Auf diese Weise ist es für die Firmen hinter Firefox, Internet Explorer, Google Chrome und Co. sehr leicht, unsere Technologie in ihre Browser zu integrieren. Web-Entwickler genießen dennoch die gesamte Flexibilität, um dynamische und interaktive Anwendungen zu programmieren“, erklärt Behr. Die vorgeschlagene deklarative Erweiterung ermögliche Web-Entwicklern den Zugang auf einer höheren Ebene, so dass sie nicht mehr direkt Graphikhardware ansprechen müssten wie es die Programmierschnittstelle WebGL voraussetzt.

„Anstatt zu fordern, dass Web-Entwickler zu WebGL-Experten werden oder sich in neue Programmierschnittstellen einarbeiten, erweitern wir HTML so, dass sie damit arbeiten können, wie sie es schon von Tag zu Tag tun“, sagt Kristian Sons, der die Arbeitsgruppe „XML3D“ am DFKI und dem Intel Visual Computing Institute leitet. Zusammen mit den Kollegen aus Darmstadt will Sons den Entwicklern zwei Versionen anbieten. Sehr schnell soll eine auf der Programmiersprache Javascript basierende Implementierung veröffentlicht werden. Indem sie WebGL für das Rendern nutzt, können die Web-Entwickler sofort starten. Später soll dann eine zweite Implementierung komplett in einen Browser integriert werden und so volle Performanz und Funktionalität ermöglichen.

Ursprünglich hatten die beiden Forschungseinrichtungen jeweils ihre eigenen Ansätze XML3D und X3DOM verfolgt, nun wollen sie zusammen einen Standard definieren. „Unsere bisher unterschiedlichen Herangehensweisen waren dennoch notwendig, um Erfahrung zu sammeln und eine Reihe von verschiedenen Ansätzen zu bewerten“, urteilt Yvonne Jung, die für X3DOM verantwortliche Entwicklerin am Fraunhofer IGD. Die gemeinsame Forschung wurde von der deutschen Initiative „Software-Cluster“ und dem Intel Visual Computing Institute an der Universität des Saarlandes finanziert.

Den ausgearbeiteten Vorschlag präsentieren die Forscher diese Woche auf der SIGGRAPH, einer der renommiertesten und größten Konferenzen für Computergraphik. Sie findet dieses Jahr in Los Angeles im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien statt.

Fragen beantworten:
Prof. Dr. Philipp Slusallek
Professor für Computergraphik an der Universität des Saarlandes
Wissenschaftlicher Direktor am DFKI und Intel Visual Computing Institute
Saarbrücken
E-Mail: slusallek@dfki.de
Dr. Johannes Behr
Abteilungsleiter “Visual Computing System Technologies”
Fraunhofer IGD, Darmstadt
E-Mail: johannes.behr@igd.fraunhofer.de
Dr. Kristian Sons
Projektleiter XML3D
Phone: +49 681 85775 3833
E-Mail: kristian.sons@dfki.de
Gordon Bolduan
Forschungskommunikation
Exzellenzcluster “Multimodal Computing and Interaction”
Phone: +49 681 302-70741
E-Mail: bolduan@mmci.uni-saarland.de
Weitere Informationen:
http://www.x3dom.org
http://www.xml3d.org
http://www.w3.org/community/declarative3d/

Friederike Meyer zu Tittingdorf | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE