Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Computer beibringen, sich zu versprechen

16.04.2014

Universität Bielefeld startet Forschungsprojekt mit französischem Partner

Was bringt es, wenn Menschen sich in Gesprächen versprechen? Mit dieser Frage befasst sich ein neues Forschungsprojekt der Universität Bielefeld und der Université Paris Diderot (Frankreich). In dem dreijährigen Projekt soll untersucht werden, welche Bedeutung Lacher, Versprecher und Ausrufe für die mündliche Sprache haben. Die Ergebnisse sollen genutzt werden, um Sprachdialogsystemen die natürliche Verständigung mit Menschen beizubringen.


Professor Dr. David Schlangen erforscht, welche Bedeutung vermeintliche Sprechstörer wie Lachen und Versprecher für das gesagte Wort haben.

Foto: CITEC/Universität Bielefeld

Wenn Menschen sprechen, dann versprechen sie sich nicht selten, sie lachen und sie machen Ausrufe wie „oh“, „Echt?“ und „Ah“. „Diese Elemente der Sprache wurden in der Forschung allerdings bislang stiefmütterlich behandelt. Wir wollen das ändern und sie in eine Theorie des Sprachgebrauchs integrieren.

Denn offenbar haben Elemente wie Versprecher oder Pausen wichtige Funktion für die mündliche Sprache“, sagt Professor Dr. David Schlangen. Er leitet die Forschungsgruppe „Angewandte Computerlinguistik“ an der Fakultät Linguistik und Literaturwissenschaft. Die Forschungsgruppe gehört zum Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld.

Lachen könne im Gespräch mehrere Funktionen haben, erklärt Schlangen. „Es kann zum Beispiel die Schärfe des Gesagten verringern oder es kann signalisieren, dass dem Sprecher das Gesagte peinlich ist.“ Auch Versprecher können dem Sprecher nützen: „Etwa wenn er unter Zeitdruck etwas sagen muss, es aber gedanklich noch nicht ausformuliert hat.“

Dann fängt der Sprecher einen Satz an und muss mittendrin ein Wort korrigieren, weil es nicht zu dem nachfolgenden Wort passt, das ihm gerade eingefallen ist („Kannst du mir bitte die … das Wasser reichen?“). „Der Vorteil ist, dass die jeweilige Person durch den Versprecher Zeit gewinnt, um seine Gedanken zu sortieren“, erklärt David Schlangen.

Die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter wollen herausfinden, nach welchen Regeln Versprecher, Ausrufe und Lacher in der mündlichen Sprache eingesetzt werden. „Danach wollen wir diese Regeln in ein Computersystem einbauen, das sprechen kann“, sagt Schlangen. Solche Sprachdialogsysteme werden heutzutage schon in Telefonhotlines eingesetzt, um Anrufern zu assistieren.

„Gerade im Gespräch mit solchen Systemen entstehen Missverständnisse. Unser System kann künftig über sich selber lachen, wenn es etwas nicht richtig verstanden hat und dann seine Frage wiederholen“, erklärt der Linguist.

Das Projekt mit dem Titel „Disfluenzen, Ausrufe und Lacher“ beginnt in diesem Monat und läuft bis März 2017. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Agence Nationale de la Recherche (ANR – Nationale Agentur für Forschung) in Frankreich finanzieren das Projekt mit jeweils 280.000 Euro.

Kontakt:
Prof. Dr. David Schlangen, Universität Bielefeld
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Telefon: 0521 106-67323
E-Mail: david.schlangen@uni-bielefeld.de

Jörg Heeren | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft
27.04.2017 | Kompetenzzentrum - Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH

nachricht Ergonomie am Arbeitsplatz: Kamera erkennt ungesunde Bewegungen
24.04.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie