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Datenklau im Internet

02.02.2009
Informatiker der Uni Mannheim finden sensible Daten von mehr als 170.000 Opfern

Auf große Sicherheitslücken im Internet haben jetzt Wissenschaftler der Universität Mannheim hingewiesen.

In einem Zeitraum von sieben Monaten, von April bis Oktober 2008, haben die Computerwissenschaftler Thorsten Holz, Felix Freiling und Markus Engelberth vom Lehrstuhl für Praktische Informatik 1 einige Hunderttausend Zugangsdaten von mehr als 170.000 Opfern gefunden, die mithilfe von Schadsoftware (sogenannter "Malware") gestohlen wurden.

"Insgesamt fanden wir 10.775 Zugangsdaten zu Online-Konten, komplette Kreditkarteninformationen, Account-Daten für Auktionsplattformen, unzählige Passwörter für Freemail-Angebote wie Google, Microsoft oder Yahoo und Zugangsdaten für soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ", berichtet Holz. Geschätzter Wert der Daten auf dem Schwarzmarkt: mehr als zehn Millionen Dollar. Die Ergebnisse ihrer Arbeit haben die Informatiker als technischen Bericht veröffentlicht.

Den Cybercrackern auf die Spur gekommen sind die Wissenschaftler, indem sie sogenannte "Keylogger" unter die Lupe genommen haben. Keylogger sind Programme, die sich auf dem Rechner eines Opfers einnisten und sämtliche Eingaben protokollieren. Manche dieser Keylogger sind dabei bereits so ausgeklügelt programmiert, dass sie das Verhalten des infizierten Opfers genau beobachten und beispielsweise nur beim Login in das Online-Banking-System eines Kreditinstituts tätig werden. Die erbeuteten Daten werden dann an bestimmte Rechner im Netz gesendet. Von diesen "Dropzones", die wie Briefkästen funktionieren, kann der Angreifer bequem den Datenschatz abrufen. "Eine Dropzone ist einfach ein Server im Internet", so Holz, "die Kriminellen können darauf anonym zugreifen. Eine Identifizierung der Täter ist so natürlich schwierig. Das macht die Methode für Kriminelle attraktiv." Der Geschädigte bemerkt von alledem nichts.

Thorsten Holz und seine Kollegen haben Techniken entwickelt, um Dropzones im Internet systematisch aufzuspüren. Die Wissenschaftler haben Schädlinge und Trojaner entschlüsselt und die Orte abgefragt, wo diese ihre Ergebnisse speichern. "Wir haben mehr als 300 Dropzones gefunden. Zu gut 70 von ihnen konnten wir uns vollen Zugang verschaffen. Und dabei haben wir nur zwei von sieben großen Keylogger-Familien beobachtet", berichtet Holz. In welchem Stil im Internet Datenklau betrieben wird, lässt sich so nur vage erahnen.

Im Anschluss an die Studie haben die Wissenschaftler die sensiblen Daten an die Behörden und eine zentrale Sammelstelle für solche Funde übergeben. So können die Betreiber unsicherer Websites und die Opfer informiert und weitere Maßnahmen eingeleitet werden. Um sich selbst vor Datenklau im Internet zu schützen, rät Holz: "Das Beste ist, nicht alle Links und Attachments anzuklicken, die man per E-Mail bekommt, denn oft sind es "böse" Anhänge oder der Besuch von dubiosen Internetseiten, über die man sich infiziert. Außerdem empfiehlt sich zeitnahes Einspielen von Sicherheits-Updates, damit man nicht einfach zum Ziel von Angriffen wird."

Die Studie ist im Internet abrufbar unter:
https://honeyblog.org/junkyard/reports/impersonation-attacks-TR.pdf
Kontakt:
Thorsten Holz
Lehrstuhl für Praktische Informatik 1
Tel: 0621 / 181 2543
thorsten.holz@informatik.uni-mannheim.de
Felix Freiling
Lehrstuhl für Praktische Informatik 1
freiling@informatik.uni-mannheim.de

Achim Fischer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de/

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