Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das flexible Mitmach-Stromnetz

27.09.2016

Unter der technischen Leitung von Fraunhofer FIT wurde das von der Europäischen Kommission geförderte Forschungsprojekt GreenCom nach 42-monatiger Laufzeit erfolgreich abgeschlossen. Als Ergebnis steht nun ein »Smart Energy Monitoring and Control System« zum Netzlast-Management regionaler Stromnetze zur Verfügung. Auf der Insel Fur wurde eine Testumgebung mit 29 Haushalten installiert, die unter anderem Wärmepumpen, Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher und Smart-Home-Installationen integriert.

Der steigende Ausbau von erneuerbaren Energien und die damit verbundene ungleichmäßige Belastung der Stromnetze erfordern Maßnahmen zur Vermeidung von Überlasten. Benötigt wird ein intelligentes, flexibles Versorgungsnetz, das den Schwankungen von Stromerzeugung und -nachfrage gerecht wird. Das Projekt GreenCom hat hier auf den Einsatz von SmartGrid-Lösungen auf regionaler Ebene gesetzt, die den sonst notwendigen Netz-ausbau vermeiden oder zumindest größtmöglich reduzieren.


Die Insel Fur, Dänemark.

© www.greencom-project.eu


Übersichtskarte der Lastsituation auf Fur. Die Stromleitungen und Transformatorstationen sind je nach Last farblich codiert. Grün steht für optimale, rot für sehr hohe und lila für kritische Last.

© Fraunhofer FIT

Probleme in Stromnetzen sollen durch Überwachung und Vorhersage der Energiebedarfe und Verfügbarkeiten der angeschlossenen Haushalte rechtzeitig erkannt werden. Auf Basis von Prognosen und Ist-Zuständen sind mit Hilfe des GreenCom-Systems Gegenmaßnahmen auf regionaler Ebene möglich. Angebot und Nachfrage können infolgedessen besser verwaltet werden.

Innerhalb des GreenCom-Projekts wurde eine wirklichkeitsnahe Testumgebung realisiert: Auf der dänischen Insel Fur wurde das »Smart Energy Monitoring and Control System« zusammen mit dem lokalen Stromnetzbetreiber in 29 Privathaushalten installiert.

Dieses bot die Möglichkeit, haushaltsbezogene Daten über Geräte, Sensoren, Aktuatoren und Smart Meters in nahezu Echtzeit zu sammeln, zu aggregieren und zu analysieren. Dabei wurden unter anderem Wärmepumpen, Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher und auch die im Projekt vom Fraunhofer FIT realisierten Smart-Home-Installationen an das System angebunden.

»Mit dem GreenCom-Smart Energy Management System haben wir eine Steuerungsplattform entwickelt, die das Energiemanagement voranbringt. Vor allem eignet sie sich auch in definierten Gemeinschaften wie Smart Cities«, so Dr. Markus Eisenhauer, Leiter des Forschungsbereichs User-Centered Computing am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT.

Mit der Datenanalyse wurden Verbrauchsdaten über Gerätetypen und -orte bereitgestellt sowie kurzfristige Vorhersagen (bis zu vier Stunden im Voraus) ermöglicht. Auf diese Weise konnte der Energieaustausch planbar gemacht werden. Durch die zeitversetzte Steuerung von Großverbrauchern in Haushalten wurden Lastspitzen vermieden.

Darüber hinaus wurden die gesammelten Prognose- und Verbrauchsdaten auch zur Analyse von bestehenden sowie zur Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen verwendet. Diese sehen etwa einen neuen Marktteilnehmer vor, den sogenannten Aggregator. Dieser soll Wärme als einen Service anbieten: Endkunden lassen zu, dass ihre Wärmepumpen ferngesteuert werden und bezahlen im Gegenzug weniger Heizkosten. Mindest- und Höchsttemperaturen sind dabei vertraglich festgelegt.

Der Aggregator kann folglich flexibel auf das Stromangebot reagieren und verkauft diese Flexibilität an den Netzbetreiber. Dieses Modell könnte zukünftig eingesetzt werden, um den Stromverbrauch von Haushalten zu regulieren. Der Bürger müsste der externen Steuerung nur zustimmen ohne seine Nutzungsgewohnheiten zu ändern, da beispielsweise eine Wärmepumpe nicht dauerhaft in Betrieb sein muss und von außerhalb ohne negative Auswirkung für die Bewohner gesteuert werden kann. Hier sollen preisliche Anreize überzeugen. Inwiefern diese Ideen umgesetzt werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

GreenCom wurde von der Europäischen Kommission im 7. Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung (RP7) gefördert. Das GreenCom Projekt wurde vom Istituto Superiore Mario Boella (ISMB) aus Italien koordiniert. Neben Fraunhofer FIT waren EnergiMidt A/S, Actua A/S, Tyndall National Institute und In-JeT ApS als dänische Partner sowie Sensing & Control Systems (Spanien) und University College Cork (Irland) am Konsortium beteiligt.

Mehr Info unter: http://www.greencom-project.eu

Alex Deeg | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT
Weitere Informationen:
http://www.fit.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung