Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit dem Auto nicht der Chip durchbrennt

16.09.2011
Die Forschergruppe für Softwareproduktlinien an der Universität Passau arbeitet an Modellen, mit denen Firmen vorab berechnen können, welchen Effekt Anpassungen z. B. ihrer Steuerung- und Verwaltungssoftware haben. Auf der jüngsten internationalen Konferenz zu dieser Thematik erhielt sie dafür den Preis für die beste präsentierte Forschungsarbeit.

In einem Forschungsverbund entwickeln Passauer, Magdeburger und Marburger Wissenschaftler Modelle und Algorithmen, die Unternehmen helfen vorherzusagen, ob und wie eine Erweiterung oder Veränderung ihrer Software deren Geschwindigkeit, Rechenbedarf und Sicherheit beeinflusst.

„Während Privatnutzer in der Regel Standardsoftware wie Office-Pakete oder Bildbearbeitungsprogramme nutzen – obwohl sie die meisten Funktionen gar nicht benötigen – arbeiten Firmen zur Abwicklung ihrer Kunden-, Produktions-, Vertriebs- und Personalverwaltung meist mit standardisierten Softwarekomponenten, die sie dann individuell kombinieren und erweitern“, erklärt Dr. Sven Apel, Leiter der Forschergruppe für Softwareproduktlinien an der Universität Passau.

In Kooperation mit Norbert Siegmund (Universität Magdeburg) und einer Reihe weiterer Wissenschaftler arbeitet er an Modellen und Algorithmen, mit denen die Wirtschaft vorab berechnen kann, welchen Effekt die Kombinationen und Anpassungen solcher Komponenten haben.

„Ein Autohersteller will natürlich wissen, wie viel Speicher die Steuerungssoftware im Automobil benötigt, denn abhängig davon verbaut er entsprechend die kleinsten und kostengünstigsten Chips“. Das Problem besteht in der enorm gewachsenen Konfigurationsvielfalt von Automobilen und der dazugehörigen Software. „Ein Auto kann man heute in zahlreichen Varianten mit unterschiedlichen Funktionen und Extras kaufen. Die Zahl der Kombinationsmöglichkeiten ist riesig. Es ist ein enormer Aufwand, die Software am realen Objekt zu testen, um herauszufinden, ob der Speicher und die Rechenleistung der Computerbauteile in jedem Fall ausreicht.“ Nach Angaben etwa von BMW existieren bei einem Modell wie dem X3 geschätzte 1032 (eine 1 mit 32 Nullen) verschiedene Fertigungsvarianten – wenn man alle Variationsmöglichkeiten vom Dachhimmel bis zu technischen Extras mit einrechnet. „Allein von der Tür gibt es ca. 3.000 verschiedene Detailausführungen“, so Apel.

Die Arbeiten von Siegmund und Apel ermöglichen es der Industrie, schon im Vorfeld schneller und präziser abzuschätzen, welche Effekte gewünschte Anpassungen und Veränderungen ihrer Software haben. Bei der u. a. von Siemens und Hitachi geförderten 15. Internationalen Software-Produktlinien-Konferenz in München zeichnete die Fachwelt die Forschungsergebnisse von Siegmund und Apel mit dem Preis für den besten Forschungsbeitrag aus. Die beiden werden in Zukunft ihre Algorithmen verfeinern und auf weitere praktische Szenarien wie z.B. die Vorhersage von Energieverbrauch und die Optimierung von Energieeffizienz anwenden.

Grundlage für die Forschung von Dr. Apel ist das renommierte Emmy-Noether-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Das mit 1,3 Millionen Euro dotierte Forschungsstipendium ermöglicht es Apel, für bis zu fünf Jahre eine unabhängige Forschergruppe mit zwei Mitarbeitern an der Universität Passau zu führen.

Steffen Becker | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-passau.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb
27.06.2017 | FOKUS - Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme

nachricht Überschwemmungen genau in den Blick nehmen
27.06.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive