Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Computer lernen, den Sinn von Texten zu erfassen

06.09.2010
Suchmaschinen suchen im Internet und in Textdatenbanken üblicherweise nach Stichwörtern.

Bisher stoßen Computer aber noch an ihre Grenzen, wenn sie die Bedeutung von Wörtern in einem Textzusammenhang erfassen sollen oder wenn man Querbezüge zwischen einzelnen Sachverhalten in großen Textmengen herstellen möchte. Auf einer Tagung in Saarbrücken diskutieren Computerlinguisten daher, wie man die maschinelle Sprachverarbeitung verbessern kann. Rund hundert Wissenschaftler aus verschiedenen europäischen Ländern, Japan und den USA werden bei der Konferenz zur Verarbeitung Natürlicher Sprache (Konvens) erwartet, die vom 6. bis 8. September auf dem Universitätscampus stattfindet.

Seitdem man durch das Internet und leistungsfähigere Rechner schnell auf riesige Mengen von Textdaten zugreifen kann, versuchen Forscher, noch mehr Intelligenz in die Suche einzubauen. Eine zentrale Herausforderung ist dabei die Flexibilität der Sprache: Ein Sachverhalt kann auf sehr unterschiedliche Weise ausgedrückt werden. Ein Wort oder auch ein Satz kann viele verschiedene Informationen ausdrücken und bekommt seinen genauen Sinn erst im Kontext. „Die Wissenschaftler gingen anfangs davon aus, dass man die Computer mit sehr viel Wissen füttern muss, um sie dann in die Lage zu versetzen, Sachverhalte aus Texten zu erschließen und logische Verbindungen zwischen verschiedenen Sachverhalten zu knüpfen“, erläutert Manfred Pinkal, Professor für Computerlinguistik der Universität des Saarlandes und Organisator der diesjährigen Konferenz. „Wenn man zum Beispiel im Internet herausfinden will, ob Firma A von Firma B übernommen wurde, und ein Textdokument findet, in dem von der Veräußerung von Firma B an Firma A durch eine dritte Firma die Rede ist, dann muss der Computer dafür die Sprache genau analysieren. Er muss richtig interpretieren, wer im jeweiligen Kontext Verkäufer, Käufer oder Kaufinteressent ist“, erklärt Pinkal. Der Mensch könne solche Texte mit seinem Hintergrundwissen schnell und problemlos deuten, der Computer jedoch nicht.

Vor einigen Jahren mussten sich die Forscher eingestehen, dass die Zusammenhänge zu komplex sind und man riesige Wissensmengen benötigt. Es wurde deutlich, dass das Verstehen von Texten auf der Grundlage von Wissen praktisch unmöglich ist. Seit einigen Jahren versuchen Forscher daher, über andere Wege zum gleichen Ziel zu kommen, nämlich Sprache in ihrer Komplexität automatisch zu erfassen. „Mit Hilfe von statistischen Lernverfahren gelingt es Computerlinguisten heute immer besser, die Bedeutung einer großen Textmenge sinnvoll zu erfassen. Der Rechner vergleicht dabei verschiedene Muster, setzt einzelne Wörter in Zusammenhang und lernt eigenständig dazu, wenn Informationen auf ähnliche Weise immer wiederkehren“, erläutert der Saarbrücker Forscher.

Dieses Thema wird der renommierte Computerlinguistiker Ed Hovy vom Information Sciences Institute (ISI) in Marina del Rey (Kalifornien) auf der Saarbrücker Tagung vorstellen. Die Wissenschaftler wollen dann darüber diskutieren, wie die unterschiedlichen Forschungsansätze miteinander verknüpft werden können. Die Konferenz befasst sich auch mit weiteren Themen, zum Beispiel, wie man Dialekte oder kleinere Sprachen wie das Schweizerdeutsch besser maschinell verarbeiten kann. „Viele Sprachdialogsysteme funktionieren heute nur mit weit verbreiteten Sprachen, weil man dort über die erforderliche Software und große aufbereitete Textmengen verfügt, mit denen man die Computer trainieren kann“, sagt Manfred Pinkal. Für die selteneren Sprachen, aber auch für historische Texte sei es daher wichtig, neue Analysewerkzeuge zu entwickeln. Damit hätten in Zukunft auch Kulturwissenschaftler vielfältige Möglichkeiten, um mit Hilfe des Computers große und heterogene Datenbestände zu analysieren und sinnvoll zu interpretieren.

Die Konferenz zur Verarbeitung Natürlicher Sprache wird alle zwei Jahre von drei wissenschaftlichen Fachgesellschaften, nämlich der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft (Sektion Computerlinguistik), der Gesellschaft für Sprachtechnologie und Computerlinguistik und der Österreichischen Gesellschaft für Artificial Intelligence organisiert.

Tagungsprogramm und weitere Informationen unter:
www.konvens.de
Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Manfred Pinkal
Tel. 0681/302-4344
Mail: pinkal@coli.uni-saarland.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.konvens.de
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Preiswerte Katalysatoren finden und verstehen: Auf das Eisen kommt es an

24.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Hoffnung für Leberkrebspatienten

24.03.2017 | Medizintechnik

Innovationslabor für neue Wege in die digitale Zukunft

24.03.2017 | Förderungen Preise