Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Computer lernen Emotionen zu erkennen

17.02.2009
Algorithmen und Methoden aus Spracherkennung als Vorbild

Neben dem direkten Inhalt der gesagten Worte vermittelt die menschliche Sprache dadurch, wie etwas gesagt wird, implizit auch Emotionen. Computersysteme zur automatischen Spracherkennung können bislang aber nur den expliziten Sinninhalt verstehen und somit nicht die gesamte Information verwerten, die das gesprochene Wort transportiert.

Doch Wissenschaftler am Lehrstuhl für Systemtheorie und Signalverarbeitung (LSS) der Universität Stuttgart arbeiten daran, Sprachcomputern auch das Erkennen von Gemütsbewegungen beizubringen. Die normale Spracherkennung ist Vorbild bei Algorithmen und Methoden. "Die mathematischen Ansätze sind sehr ähnlich", meint LSS-Leiter Bin Yang im Gespräch mit pressetext.

Während schon seit Jahrzehnten an der Spracherkennung linguistischer Inhalte geforscht wird, arbeitet der LSS auf einem relativ jungen Gebiet. Computer sollen lernen, auch nicht direkt in Worte gefasste Inhalte der Sprache zu erkennen, sogenannte "paralinguistische Eigenschaften". Dazu zählen neben Emotionen wie Angst oder Wut auch Stress, medizinische Auffälligkeiten in der Stimmgebung oder auch Alter und Geschlecht eines Sprechers sowie der Dialekt als Zeichen der regionalen Herkunft. Die Stuttgarter setzen zur Emotionserkennung auf Algorithmen, die jenen aus der Spracherkennung ähneln. Genutzt werden lernende Verfahren unter Verzicht auf festgelegte Regeln, so Yang. Das Erkennungssystem wird mithilfe einer geeigneten Beispieldatenbank trainiert.

Eine Herausforderung ist, dass in der Spracherkennung bewährte Merkmale zur Analyse von Sprachdaten für die Emotionserkennung nach Erkenntnissen der LSS-Forscher nur bedingt geeignet sind. Denn für die Spracherkennung sind phonetische Informationen wichtig, wie beispielsweise die charakteristischen Resonanzfrequenzen von Vokalen. "Wir müssen hingegen praktisch hinter den Vokaltrakt schauen", meint Yang. Denn der emotionale Zustand des Sprechers spiegle sich eher in der Anregung der Stimmlippen wieder. Paralinguistische Informationen verstecken sich somit an anderen Stellen des Sprachsignals als solche, die für die Spracherkennung relevant sind. Dementsprechend intensive Forschungsarbeiten sind daher noch nötig, ehe eine automatische Emotionserkennung wirklich praxistauglich wird.

Das Interesse am Thema ist international groß und das nicht nur an Forschungseinrichtungen. Es gäbe Call Center, die bereits mit Emotionserkennung experimentieren, so Yang. Neben Anwendungen im medizinischen Bereich wären beispielsweise auch Fahrerassistenzsysteme denkbar, die erkennen, ob ein Fahrer im Stress ist. Auch die klassische Spracherkennung könnte profitieren, da beispielsweise Schimpfworte oft mit bestimmten emotionalen Färbungen verbunden sind. Die Erkenntnisse aus der Emotionserkennung sollen aber durch Umkehr auch dazu beitragen, die synthetisierte Spracheausgabe zu verbessern. "Viele Leute beschweren sich, dass beispielsweise Navigationscomputer viel zu trocken sprechen", sagt Yang. Emotionaler gestaltete Computerstimmen könnten diesbezüglich Abhilfe schaffen.

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.lss.uni-stuttgart.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Volle Konzentration am Steuer
25.11.2016 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Warum Reibung von der Zahl der Schichten abhängt
24.11.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie