Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cloud Computing in der Logistikbranche: Wissenschaftler verbessern Datenschutz mit neuer Software

05.05.2015

Forscher an der Universität Hohenheim ermitteln optimale Cloud-Einstellungen für reibungslosere Abläufe in der Logistik / BMBF fördert Projekt mit 2,4 Mio. Euro

Rund 2,6 Milliarden Pakete sind 2013 in Deutschland auf den Weg gebracht worden. Der Trend ist weiter steigend, vor allem im Online-Versandhandel. An der Zustellung eines Paketes sind bis zu zehn Subunternehmer beteiligt. Dafür nutzt rund die Hälfte der Logistikunternehmen das so genannte Cloud Computing.

Das heißt: Die Unternehmen speichern die Daten in einer gemeinsamen Cloud. In einem Projekt mit der Universität Leipzig und dem Fraunhofer IML entwickelt Dr. Jörg Leukel, Wirtschaftsinformatiker an der Universität Hohenheim, derzeit Verfahren, die die Privatsphäre wahren und dabei gleichzeitig so viele Daten wie für einen reibungslosen Ablauf nötig an die beteiligten Partner übermitteln.

Das Bundesministerium für Forschung und Entwicklung (BMBF) fördert das Projekt „PREsTIGE – Privacy-erhaltende Methoden und Werkzeuge für Cloud-basierte Geschäftsprozesse“ mit rund 2,4 Millionen Euro. 377 000 Euro davon entfallen auf die Universität Hohenheim und machen das Projekt zu einem der Schwergewichte der Forschung.

Um vom Absender zum Empfänger zu gelangen, läuft ein Paket in Deutschland durchschnittlich durch zehn Hände, sprich Spediteure, Lageristen und Zusteller. Mehrere Male gelangt es so von einem Lastwagen zum nächsten. Jedesmal werden Sendungsdaten erhoben, verarbeitet und weitergegeben. Cloud Computing vereinfacht dabei den Datenaustausch.

„Allerdings bedeutet Zusammenarbeit in der Cloud nicht uneingeschränkten Datenaustausch“, erläutert Dr. Jörg Leukel. „Viele Daten sind schutzbedürftig, vor allem die der Kunden. Sie wollen dabei natürlich möglichst wenig persönliche Daten preisgeben.“

Die Daten dürfen daher nicht beliebig gespeichert werden. „Wieviel Ladevolumen auf den einzelnen Lastwagen während des Pakettransports noch frei ist, geben die Zusteller in der Regel aus Angst vor der Konkurrenz nicht bekannt“, sagt Dr. Leukel.

Genau da setzt das Projekt „PREsTIGE“ an. „Wir wollen mit unseren Verfahren helfen, Vorbehalte hinsichtlich des Datenschutzes zu verringern. Diese sind in der Logistikbranche besonders groß. Dazu untersuchen wir in welchen Fällen es ökonomisch sinnvoll und zugleich datenschutzkonform ist, bestimmte Daten an andere Unternehmen weiterzugeben“, erläutert Dr. Leukel.

Datenschutzeinstellungen im Focus

Zu den Details, die Dr. Leukel und seine Kollegen von der Universität Leipzig und dem Fraunhofer IML unter die Lupe nehmen, zählen „schutzbedürftige Daten“ wie etwa Lager- und Lieferzeiten, aber auch personenbezogene Daten der Kunden und Mitarbeiter in den Logistikunternehmen. „Wir sprechen hier von Business Privacy als Datenschutz im weitesten Sinne, der neben den personenbezogenen Daten auch die Geschäftsdaten einbezieht. Dies sind Daten, die nicht an Unbefugte gegeben werden sollten“, erläutert Dr. Leukel.

Diese Daten werden in der so genannten „Logistik-Cloud“ gespeichert. Die an dem Logistikprozess Beteiligten haben Zugriff auf einen Teil der Daten, den sie benötigen. Weil nicht alle Beteiligten alle Daten sehen, können daraus Konflikte entstehen – beispielsweise Lieferverzögerungen.

Optimierung am Computer, Tests in der Praxis

Dr. Leukel und seine Kollegen arbeiten nun an Verfahren, mit denen die Beteiligten ihre Business-Privacy-Einstellungen definieren können. Im nächsten Schritt entsteht eine Software, die die Analyse und Optimierung dieser Einstellungen unterstützt. „Wir entwickeln einen Prototyp, der die Beteiligten auf Konflikte zwischen den Schutzbedürfnissen und möglichst effizienten Logistikprozessen hinweist, Lösungen vorschlägt und schließlich dabei unterstützt die Konflikte zu beheben“, sagt Dr. Leukel. Ziel seien vor allem Vertrauen und Akzeptanz bei den Anwendern.

Die Verfahren werden zusammen mit Softwareunternehmen entwickelt. Am Praxistest sind dann Logistikunternehmen aus der Region Halle/Leipzig beteiligt. Darin testen diese die technische Umsetzung und die ökonomische Wirksamkeit.

Hintergrund: Forschungsprojekt „PREsTIGE“

Der Projektname „PREsTIGE” steht für “Privacy-erhaltende Methoden und Werkzeuge für Cloud-basierte Geschäftsprozesse“. Das vom Bundesministerium für Forschung und Entwicklung (BMBF) geförderte Projekt läuft seit März 2014 und ist auf drei Jahre angelegt. Die Arbeit an der Universität Hohenheim wird mit 377 000 Euro gefördert. Damit zählt das Projekt zu einem der Schwergewichte der Forschung an der Universität.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung

Rund 32,8 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2013 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens 250 000 Euro bei den Experimental- bzw. 125 000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.
Text: A. Schmid / Klebs

Kontakt für Medien:
Dr. Jörg Leukel, Universität Hohenheim, Fachgebiet Wirtschaftsinformatik II
Tel.: 0711 459-23968, E-Mail: joerg.leukel@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht
18.01.2017 | Technische Universität Berlin

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise