Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF-Projekt des Monats: CARE - ein empathisches kontextbewusstes Empfehlungssystem für Senioren

02.12.2014

Im dem vom BMBF zum "Projekt des Monats" deklarierten Verbundvorhaben "A sentient Context-Aware Recommender system for the Elderly", das vom Lehrstuhl für Multimodale Mensch-Technik-Interaktion der Universität Augsburg (Prof. Dr. Elisabeth André) koordiniert wird, geht es um die Entwicklung eines einfühlsamen und hoch personalisierten Assistenzsystems zur Unterstützung alleinlebender Menschen im häuslichen Wohnumfeld. Assistenz wird in Form situativ-passender und unaufdringlicher Handlungsempfehlungen zur Durchführung physischer, mentaler und sozialer Aktivitäten gegeben, die allesamt auf eine individuelle Steigerung von Lebensqualität und Vitalität abzielen.

Das Phänomen einer alternden Gesellschaft ist mittlerweile in allen industrialisierten Ländern zu beobachten. In Griechenland und Deutschland gestaltet sich der demographische Wandel besonders dramatisch. Nach einer Studie von Eurostat haben beide Länder den höchsten Prozentsatz an älteren Menschen in Europa zu verzeichnen.


Seniorin bei der Interaktion mit dem in ihrer Küche installierten CARE-Prototyp.

Foto: BMBF

Gleichzeitig liegt auch die Lebenserwartung der Generation 65+ in beiden Ländern über dem europäischen Durchschnitt. Während eine höhere Lebenswartung als positive Errungenschaft zu betrachten ist, wird sie gleichzeitig von enormen gesellschaftlichen Herausforderungen begleitet.

Hierzu zählen soziale Isolation und fehlende soziale Teilhabe von alleinlebenden älteren Menschen, Verlust der Unabhängigkeit aufgrund von körperlicher Beeinträchtigung sowie Inaktivität und fehlende Initiative von älteren Menschen.

Das vom BMBF geförderte Verbundvorhaben CARE (a sentient Context-Aware Recommender system for the Elderly) mit den Konsortialpartnern Universität Augsburg, Hochschule Augsburg und der National Technical University of Athens untersucht das Konzept der empathischen Stimulierung, um Wohlbefinden und Lebensqualität von alleinlebenden älteren Menschen in Griechenland und Deutschland durch unaufdringliche Empfehlungen für Aktivitäten zu steigern.

Die CARE-Demonstratoren zeichnen sich durch folgende Funktionen aus:

• Aufzeichnung von Sensordaten: Zum einen kommen dabei am Körper getragene Vitalsensoren (z.B. Puls, Hautleitwert) zum Einsatz. Zum anderen wird auf Sensoren zur Erfassung von Umgebungsparametern (z.B. Temperatur, CO2-Konzentartion, Geräuschpegel, Helligkeit) zurückgegriffen.

• Sensordatenanalyse und -interpretation: Mittels geeigneter Analyse und Fusionsverfahren werden aus den aufgezeichneten Vitalparametern Schlussfolgerungen über die physische Verfassung und den aktuellen Gemütszustand des Nutzers getroffen. Die im Wohnumfeld integrierten Sensoren liefern Information zur Einschätzung der Umgebung, etwa ob das aktuelle Raumklima als behaglich wahrgenommen wird oder welche Beleuchtungssituation vorliegt.

• Situative Generierung personalisierter Empfehlungen: Auf der Basis der Sensordatenanalyse wird entschieden, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Häufigkeit welche physische, mentale oder soziale Aktivität empfohlen werden. Zu den Beispielen gehören Empfehlungen, was gekocht bzw. gegessen werden könnte, wen man mal wieder anrufen könnte oder welche Veranstaltungen einen Besuch wert wären. Andere Empfehlungen nehmen direkt auf das physische Wohlbefinden Bezug, etwa die Aufforderung ein Glas Wasser zu trinken oder kurz zu lüften.

• Situative Darbietung personalisierter Empfehlungen: Hier geht es um die Frage, mit welchen Medien (z.B. Text, Grafik, Animation, Sound) und über welche Displaygeräte eine Empfehlung dem Nutzer übermittelt werden soll, damit die Darbietung situativ angemessen und auch effektiv ist.

Zur Integration von Displaytechnik im Wohnumfeld bietet sich eine Reihe von Optionen an, etwa digitale Bilderrahmen, Tablets, ein in der Wohnung bereits vorhandenes Fernsehgerät, aber auch Alltagsgegenstände, wie Möbel, Küchengeräte oder Kleidungsstücke, welche mit Informationstechnik erweitert werden, um zusätzliche Funktionen zu übernehmen.

Ein erster CARE-Prototyp wurde in Form einer Pinnwand mit digitalem Bilderrahmen fertiggestellt und in einer Seniorenwohnung in Augsburg für einen ersten mehrwöchigen Testlauf installiert. Die Besonderheit: Die Installation registriert mittels Sensoren Nutzerpräsenz sowie Umgebungsparameter, um so möglichst passende Empfehlungen zur Steigerung des Wohlbefindens zwischen die im Bilderrahmen sonst gezeigten Motiv-, Familien- und Urlaubsfotos einzustreuen.

Die Abbildung zeigt eine 76-jährige Seniorin bei der Interaktion mit dem in ihrer Küche installierten CARE-Prototyp. Am Handgelenk trägt sie ein mit Sensoren ausgestattetes Armband, das Finger- und Handbewegungen aufzeichnet. So lässt sich u. a. rückverfolgen, ob die von CARE empfohlenen Übungen zur Revitalisierung ihrer durch einen Schlaganfall beeinträchtigten Hand auch tatsächlich ausgeführt wurden. Bei der Interpretation der Sensordaten kommt ein am Augsburger Lehrstuhl André entwickeltes Werkzeug zur synchronisierten Aufzeichnung und Analyse von physiologischen Signalen (Open SSI) zum Einsatz.

Der Testbetrieb unter realen Einsatzbedingungen hat bereits wertvolle Hinweise über eine Reihe im Labor nicht zu klärender Fragestellungen zur Validierung und Alltagstauglichkeit von CARE geliefert. So zum Beispiel welche Sensordaten zur Personalisierung und Kontextualisierung von Empfehlungen zweckmäßig aber auch unaufdringlich erfassbar sind, in welchen Situationen die von CARE dargebotenen Empfehlungen von den Nutzern geschätzt und angenommen werden und schließlich ob diese dann auch tatsächlich einen Beitrag zum Wohlbefinden leisten.

Installationen in weiteren Seniorenwohnungen sind geplant. Um den kulturspezifischen Einfluss auf den Umgang mit Technologie sowie die Verhaltensmuster deutscher und griechischer Senioren zu berücksichtigen, wird ein auf der CARE Technologie basierendes Lifestyle Empfehlungssystem auch in griechischen Seniorenhaushalten installiert und getestet.

Mehr zu CARE:
http://www.care-project.net

Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Elisabeth André
Lehrstuhl für Multimodale Mensch-Technik Interaktion
Universität Augsburg
86135 Augsburg
andre@informatik.uni-augsburg.de

Quelle:
http://pt-ad.pt-dlr.de/de/530.php 

Klaus P. Prem | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Komfortable Software für die Genomanalyse
16.08.2017 | Technische Hochschule Mittelhessen

nachricht Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung
16.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie