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Big Data – Zwischen Innovationspotenzial und Schutz der Privatsphäre

27.02.2015

Smartphones, soziale Netzwerke und mit dem Internet verbundene Alltagsgegenstände – immer mehr Quellen produzieren stetig wachsende Datenmengen. Wie können Politik, Wirtschaft und gesellschaftliche Akteure Big Data, sprich große, verknüpfte Datenmengen, positiv einsetzen? Und wie lässt sich die Technik mit dem Schutz von Persönlichkeitsrechten in Einklang bringen? Diese Fragen untersuchen Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Projekt ABIDA – Begleitforschung Big Data (engl. Assessing Big Data). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert ihre Arbeit für vier Jahre mit über sechs Millionen Euro.

Fitnessarmbänder geben dem Träger Auskunft über Vitalfunktionen und dokumentieren seinen gesundheitlichen Zustand. Richtig miteinander verknüpft könnten solche Daten als Grundlage für neuartige medizinische Studien und damit neue Therapien dienen. Demgegenüber steht die Gefahr, dass sich Dritte die Daten zur Überwachung oder für kommerzielle Zwecke aneignen.


Digitale Spuren entstehen heute fast überall: Den verantwortlichen Umgang mit großen Datenmengen untersuchen Experten für Technikfolgenabschätzung am KIT.

Foto: Lydia Albrecht und Emanuel Jöbstl / KIT

„Das Beispiel zeigt, dass die technischen Möglichkeiten, Daten aufzuzeichnen, sie miteinander zu verknüpfen und für unterschiedliche Zwecke auszuwerten rasant zunehmen, aber mit ihnen auch die Unsicherheit, was mit den Daten geschieht“, sagt Armin Grunwald, Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) und Sprecher des Projekts. Gleichzeitig stehe die Diskussion, wie diese Technik verantwortlich genutzt und mit unseren Vorstellungen von Datenschutz und Privatheit in Einklang gebracht werden könne, noch am Anfang.

„Mit ABIDA wollen wir die Grundlagen für eine informierte gesellschaftliche Debatte liefern und Handlungsoptionen für die Zukunft aufzeigen“, so Grunwald zu dem Kooperationsprojekt mit dem Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) der Universität Münster, dem Institut für Rechtsinformatik der Leibniz Universität Hannover, der Techniksoziologie der Technischen Universität Dortmund, der Forschungsstelle für Information, Organisation und Management der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

„Untersuchungen zu Big Data konzentrierten sich bisher häufig auf den Aspekt der technischen oder wirtschaftlichen Machbarkeit oder auf bestimmte mit der Technologie verbundene Schreckensszenarien. Der gestaltende Ansatz zum besseren Ausgleich gesellschaftlicher Interessen kommt bisher zu kurz“, erklärt Carsten Orwat, der die Forschung am ITAS mit seinem Kollegen Reinhard Heil leitet. Die Wissenschaftler aus Karlsruhe und Münster wollen sich dem Thema stattdessen aus einer grundlegenden und interdisziplinären Perspektive nähern. Soziologen, Philosophen, Ökonomen, Rechts- und Politikwissenschaftler arbeiten dafür Hand in Hand.

„Wir wollen gemeinsam bestehendes Wissen über den Umgang mit Big Data sammeln, die Erkenntnisse vertiefen und dann möglichst breit zugänglich machen“, sagt Reinhard Heil. „Dazu nutzen wir typische Forschungsmethoden der Technikfolgenabschätzung, die die mit Big Data verbundenen Auswirkungen auf die Gesellschaft untersuchen und auf Dialog und Partizipation setzen.“

Bürgerkonferenzen, Expertenbefragungen und Prognosemethoden

Im Mittelpunkt von ABIDA stehen unter anderem drei Bürgerkonferenzen an verschiedenen Orten in Deutschland. Zusammen mit einer repräsentativen Bürgerumfrage sollen sie Aufschluss darüber geben, welche Erwartungen und Ängste Bürgerinnen und Bürger mit der neuen Technologie verbinden. Die Wissenschaftler wollen darüber hinaus mit Einzelstudien und Expertenbefragungen zeigen, wie sich Big Data-Anwendungen, -Datenströme und -Geschäftsmodelle schon heute auf unser Leben auswirken.

Szenarien für Big Data werden schließlich mit einem Expertendelphi entworfen und diskutiert: einer wissenschaftlichen Methode, die es erlaubt zukünftige technische Entwicklungsmöglichkeiten abzuschätzen. Am Ende des Projekts wollen die Wissenschaftler in der Lage sein, konkrete Handlungsoptionen für Politik, Forschung und Entwicklung zu formulieren. Diese sollen zu einem Umgang mit Big Data beitragen, der die Balance zwischen Innovationspotentialen einerseits und der Wahrung von Persönlichkeitsrechten andererseits findet.

Weitere Informationen zu ABIDA finden Sie auf der Homepage des ITAS unter http://www.itas.kit.edu/projekte_grun15_abida.php

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vereint als selbstständige Körperschaft des öffentlichen Rechts die Aufgaben einer Universität des Landes Baden-Württemberg und eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemein-schaft. Seine drei strategischen Felder Forschung, Lehre und Innovation verbindet das KIT zu einer Mission. Mit rund 9 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 24 500 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Das Foto steht in druckfähiger Qualität auf www.kit.edu zum Download bereit und kann angefordert werden unter: presse@kit.edu oder +49 721 608-47414. Die Verwendung des Bildes ist ausschließlich in dem oben genannten Zusammenhang gestattet.

Weitere Informationen:

http://www.kit.edu/kit/pi_2015_16407.php

Monika Landgraf | Karlsruher Institut für Technologie

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