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Big Data: Kundendaten werden der zentrale Treiber im Mobile Business sein – aber ...

27.06.2013
Wissenschaftler auf der International Conference on Mobile Business (ICMB) 2013 in Berlin diskutierten Zukunftstrends und -anwendungen und waren sich einig: Kundendaten werden der zentrale Treiber im Mobile Business sein – aber die Kunden sollten selbst bestimmen.

Mobile Business ist die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Smartphones werden das Leben der Einzelnen, die Abläufe in Unternehmen und die Gesellschaft künftig noch viel stärker verändern als bisher.

Erstmals fand in diesem Jahr die wichtigste wissenschaftliche Konferenz zu diesem Thema in Deutschland statt. Zentrales Thema war die Bedeutung von Kundendaten, außerdem wurde vor allem über Mobile Payment, Wertschöpfungsnetze für mobile Plattformen, mobile Dienste in Unternehmen, mobile Dienste in Entwicklungsländern, öffentliche Anwendungen und Mobile Health diskutiert.

Deutschland als Plattform für den internationalen Austausch

Die ICMB, die von der internationalen Wirtschaftsinformatik-Gesellschaft Association for Information Systems (AIS) mitveranstaltet wird, wurde in diesem Jahr von der Forschungsgruppe wi-mobile der Universität Augsburg und der Fachgruppe Mobilität und mobile Informationssysteme (MMS) der Gesellschaft für Informatik ausgerichtet.

“Der entscheidende Trend im Mobile Business wird für die kommenden Jahre die zentrale Bedeutung der erhobenen und verknüpften Kundendaten sein”, so PD. Dr. Key Pousttchi, Vorsitzender der diesjährigen ICMB. “Smartphones werden das klassische Marketing in den nächsten fünf Jahren stärker verändern als es sich in den letzten 25 Jahren insgesamt verändert hat.” Betroffen sein werden nicht nur techniknahe Bereiche, sondern vor allem eine Vielzahl klassischer Branchen. Forscher schätzen etwa, dass hunderttausende Arbeitsplätze betroffen sein könnten, sollten der klassische Einzelhandel und die Banken den Anschluss in diesem Bereich verlieren.

Weitere wichtige Themen der Konferenz lagen in den Bereichen mobile Dienste für Endkunden, Wertschöpfungsnetze für mobile Plattformen, mobile Dienste in Unternehmen, mobile Dienste in Entwicklungsländern, öffentliche Anwendungen und Mobile Health.

Auf der ICMB trifft sich das Who-is-who der internationalen Forschung. “Die International Conference on Mobile Business" dient als Forum für Akademiker und auch Praktiker, um die fortschreitenden Entwicklungen zu diskutieren und den Entwicklungsstand des Mobile Business weiter voranzutreiben”, so Professor George Giaglis von der Universität Athen. Sein Kollege, Professor Kalle Lyytinen aus Cleveland stellt die Eigenschaft als Schlüsseltechnologie in den Vordergrund und sieht ebenfalls klare Trends: “Mobile Technologien werden die dominante Rolle auf dem neuen computerbezogenen Markt einnehmen, auf dem EDV, Telekommunikation, Medien und Technologien für Endkunden immer stärker zusammenwachsen. Der Hauptaspekt ist die Entwicklung neuer Dienste, die auf der Integration von Mobilität, Ortsdaten und Rich Media basieren.” Professor Bill Kettinger aus Memphis, der mit dem MISQ eines der führenden internationalen Wirtschaftsinformatik-Journale vertrat, sieht den Einfluss des Mobile Business in der Forschung wachsen und verwies auf die querschnittliche Bedeutung mobiler Endgeräte und des Internet der Dinge.

Trends im Mobile Business

Ein Schwerpunkt der Diskussion war in diesem Jahr Mobile Payment. Einerseits wird dies in den nächsten Jahren der am stärksten umkämpfte Bereich zwischen den Marktteilnehmern sein – dies schließt nicht nur Banken und Mobilfunkanbieter, sondern viel stärker noch Kreditkartenfirmen, die großen Internetplayer und den stationären Einzelhandel ein. Daten aus Mobile-Payment-Systemen werden dabei eine größere Rolle spielen als Transaktionsgebühren. “In Deutschland fehlt vielen Marktteilnehmern der strategische Blick auf das Thema”, so PD Dr. Key Pousttchi. “Mobile Payment und Mobile Marketing werden die Einzelhandelslandschaft stark verändern. Nur wenige Einzelhändler sind darauf bisher wirklich vorbereitet.”

Steigende Bedeutung wird auch M-Health zugemessen. “Apps für den Gesundheitsbereich haben stark heterogene Zielgruppen und adressieren spezielle Bedürfnisse in verschiedenen Anwendungsfällen. Aufgrund des schnellen Marktwachstums eröffnen sich dem Gesundheitswesen damit unzählige neue mobile Möglichkeiten”, so Professor Markus Bick von der ESCP Europe. “Neben all diesen Vorteilen beinhalten solche Applikationen auch Risiken, wie beispielsweise Datensicherheit etc., die zu Problemen bei der Nutzerakzeptanz führen, was den direkten Widerstand der Nutzer zur Folge haben kann.”
Auch B2B-Themen wie mobil-integrierte Geschäftsprozesse und Customerization (“bring-your-own-device”) wurden stark diskutiert. “Durch den Austausch unserer Ideen auf der ICMB kann die derzeitige Nutzung mobiler Technologien besser bewertet und weiterentwickelt werden, so dass wir IKT effizienter und effektiver in unseren Bereichen einsetzen können”, so Professor Junichi Iijima vom Tokyo Institute of Technology, der bereits auf der ICMB 2009 in China in einer gemeinsamen Studie mit den Augsburger Forschern den Trend zur Customerization im B2B anhand der Entwicklung in Japan prognostiziert hatte.

Unkontrollierte Datensammlung und Internetüberwachung

Einerseits wurde auf der Konferenz klar, dass an Diensten, die auf verknüpften Kundendaten und Big Data basieren, kein Weg vorbei führt. Andererseits wurden auch Datenschutz und das Thema PRISM stark diskutiert. Dabei sehen viele Mobile-Business-Forscher mit Sorge zunächst die unkontrollierte Art und Weise, in der bisher Daten durch mobile Geräte, Betriebssysteme, Anwendungen und Dienste erhoben werden. “Unter den Internet- und Telekommunikationsfirmen hat sich diesbezüglich eine Art neuer Manchester-Kapitalismus breitgemacht”, so der Konferenzvorsitzende in seinem Abschlussstatement. “Staatliche Stellen, die eigentlich verpflichtet wären einzugreifen, Marktmacht zu begrenzen und die Grundrechte der Bürger zu schützen, sind stattdessen ebenfalls sehr an diesen Daten interessiert. Dabei wird die in freien Staaten geltende Regel der freien und vertraulichen Kommunikation zur Ausnahme gemacht und letztlich die Grenzen zwischen freien und totalitären Staaten verwischt.”

ICMB 2014 in London

Dass die deutsche Wirtschaftsinformatik und die Mobile-Business-Forschung im Bereich Mobile Business bisher international vorn mitspielen, liegt sicherlich auch an frühzeitigen nationalen Förderprogrammen wie beispielsweise MobilMedia und SimoBIT des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Allerdings fanden diese Programme in den letzten Jahren wenig Fortsetzung.

Stellt man gleichzeitig in Rechnung, wie stark insbesondere die USA im Mobile Business nicht nur aufgeholt, sondern inzwischen überholt haben, so ergeben sich für Unternehmen und Politik in Deutschland ein Reihe von Herausforderungen, um in der ersten Reihe der Hochtechnologie-Länder weiter mitzuspielen.
Die Augsburger Forscher haben ihren Teil dazu getan und Deutschland mit der Berliner ICMB 2013 zum Zentrum der Mobile-Business-Forschung gemacht. Eine große Ehre, aber wie bei Olympischen Spielen zeitlich begrenzt. So steht die nächste Konferenz bereits vor der Tür: Die ICMB 2014 wird in genau einem Jahr an der London School of Economics stattfinden.

Pressekontakt:
Yvonne Hufenbach
Forschungsgruppe wi-mobile
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon +49 (179) 6653782
presse@wi-mobile.de
Weitere Informationen:
http://www.mbusiness2013.org - ICMB-Homepage
http://www.wi-mobile.de - Die Augsburger Forschungsgruppe wi-mobile

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.mbusiness2013.org
http://www.wi-mobile.de

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