Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Big Data im Alltag effizient verarbeiten

19.05.2014

Ob in Smartphones, intelligenten Autos oder selbstorganisierten Produktionsanlagen – Computersysteme finden sich heute in fast allen Lebensbereichen und liefern rasant wachsende Datenmengen.

Die Herausforderung für die Informatik liegt dabei darin, die riesigen Datenberge (Big Data) sinnvoll und sicher zu verarbeiten. Hierfür soll das neue Schwerpunktprogramm „Algorithms for Big Data“ (SPP 1736) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nun effizientere Rechenoperationen entwickeln. An vier von insgesamt 15 Teilprojekten des SPP ist das Institut für Theoretische Informatik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) beteiligt.


Durch einen Algorithmus kann die steigende Vernetzung von Studierenden bei Facebook nach Jahrgang gefärbt analysiert werden. (Grafik: Michael Hamann, KIT)

Mit neuen mobilen Technologien wie Smartphones oder Tablet-PCs ist in den vergangenen Jahren die Verbreitung von Computersystemen rapide angestiegen. Dadurch entstehen immer mehr Daten mit unterschiedlichen Strukturen. Häufig fehlen allerdings passende Programme, um sie zu verarbeiten.

„Für viele Problemstellungen sind die bisher bekannten Algorithmen nicht auf die Verarbeitung großer Datenmengen ausgelegt. Daher suchen wir im neuen Schwerpunktprogramm nach theoretisch fundierten Verfahren, die sich dabei in der Praxis bewähren“, erklärt Juniorprofessor Henning Meyerhenke vom KIT.

Bislang standen bei der Forschung zu großen Datenmengen wissenschaftliche Anwendungen wie computergestützte Simulationen für die Wettervorhersage im Fokus. Die Wissenschaftler des KIT widmen sich dagegen alltagstauglichen Lösungen zur Effizienzsteigerung von Rechenvorgängen, wie sie etwa bei Suchanfragen im Internet oder bei der strukturellen Analyse von sozialen Netzwerken auftreten.

KIT mit vier Forschungsgruppen beteiligt

Das Schwerpunktprogramm „Algorithms for Big Data“, welches die DFG für sechs Jahre fördert, teilt sich in mehrere Projekte aus ganz Deutschland auf. Darunter sind vier Projekte aus dem Institut für Theoretische Informatik am KIT.

Das Projekt „Schnelle inexakte kombinatorische und algebraische Löser für große Netzwerke“ von Juniorprofessor Henning Meyerhenke widmet sich einer Reihe von komplexen Problemstellungen, die sich in großen Netzwerken ergeben. Die zu lösenden Aufgaben sind durch biologische Anwendungen motiviert. Beispielsweise lassen sich Individuen einer Spezies anhand der Ähnlichkeit ihres Erbguts vernetzen und dann klassifizieren. Die neuen Verfahren helfen dabei, die anfallenden Daten mit reduziertem Rechenaufwand in gleichartige Klassen einzuteilen. Diese Einteilung macht es wiederum für Biologen einfacher, neue Erkenntnisse abzuleiten.

Im Projekt „Scalable Cryptography“ von Juniorprofessor Dennis Hofheinz (KIT) und Professor Eike Klitz (Ruhr-Universität Bochum) dreht sich alles um die Sicherheit bei Big Data. Kryptographische Verfahren, wie Verschlüsselung oder digitale Signaturen, können auch bei großen Datenmengen eine sinnvolle Sicherheitsgarantie geben. Bestehende Verfahren lassen sich aber nur bedingt anpassen: So ist etwa der Schutz durch das in gängigen Internetbrowsern verwendete Verschlüsselungsverfahren RSA-OAEP bei riesigen Datenmengen nur unzureichend geklärt.

„Wir suchen nach einer Lösung, deren Sicherheitsgarantien auch bei einer steigenden Anzahl an Zugriffen und Benutzern stabil bleiben“, so Juniorprofessor Dennis Hofheinz von der Arbeitsgruppe Kryptographie und Sicherheit am KIT.

Eine immense Ansammlung von Daten bilden die immer weiter wachsenden sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter. Gleichzeitig zeichnet sich hierbei ein großer wirtschaftlicher und politischer Wert ab. Das Projekt „Clustering in sozialen Online-Netzwerken“ von Professorin Dorothea Wagner (KIT) und Professor Ulrik Brandes (Universität Konstanz) setzt an diesen Netzwerken an. Neue Algorithmen sollen es möglich machen, die Entwicklung von Onlinegemeinschaften in sozialen Netzwerken nachzuvollziehen.

Um eine große Menge an Daten wie zum Beispiel im Internet zu durchsuchen, ist ein funktionsfähiges Werkzeug, etwa eine gute Suchmaschine, unerlässlich. „Doch die heute verwendeten Suchmaschinen lassen sich mit effizienteren Algorithmen noch weiter verbessern“, sagt Professor Peter Sanders, der ebenfalls am Institut für Theoretische Informatik forscht.

Mit seinem Projekt „Textindizierung für große Datenmengen“ sucht Sanders gemeinsam mit Professor Johannes Fischer von der Technischen Universität Dortmund nach Optimierungsmöglichkeiten. Insbesondere sollen viele Prozessoren gleichzeitig eingesetzt werden und die Daten sollen in stark komprimierter Form trotzdem durchsuchbar bleiben.

Big Data am KIT

Das Thema Big Data ist in den verschiedensten Einsatzszenarien bereits angekommen und stellt nicht nur die Wissenschaft, sondern auch zunehmend auch die Nutzer neuer Technologien vor neue Probleme. Um diesen zu begegnen, beschäftigt sich das KIT auch über das SPP 1736 hinaus in den verschiedensten Projekten mit Big Data. So ist das KIT Partner im Helmholtz-Projekt „Large Scale Data Management and Analysis“ (LSDMA). Hier werden verschiedene Kompetenzen im Umgang mit großen Datenmengen durch vielfältige Forschungsschwerpunkte, wie effektive Erfassung, Speicherung, Verteilung, Analyse, Visualisierung und Archivierung von Daten gebündelt.

Seit 2014 betreibt das KIT zudem mit dem Smart Data Innovation Lab (SDIL) eine Plattform zur Big-Data-Spitzenforschung. Das SDIL stellt eine Höchstleistungsinfrastruktur zur Verfügung, welche Industrie und Wissenschaft praktisch nutzen können.

Digitale Pressemappe zum Wissenschaftsjahr 2014

Ob in der Kommunikation, der Energieversorgung oder der Mobilität, in der Industrie, im Gesundheitsbereich oder in der Freizeit: Digitale Technologien sind längst Teil unseres Alltags, sie eröffnen neue Möglichkeiten und bieten Lösungen für gesellschaftliche Probleme. Gleichzeitig stellen sie uns vor Herausforderungen. Chancen und Risiken stehen im Mittelpunkt des Wissenschaftsjahres 2014 – Die Digitale Gesellschaft. Am KIT beschäftigen sich Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen mit den vielfältigen – technischen und gesellschaftlichen – Aspekten der Digitalisierung. Kurzporträts, Presseinformationen und Videos dazu bietet die digitale Pressemappe des KIT zum Wissenschaftsjahr:
http://www.pkm.kit.edu/digitalegesellschaft

Weiterer Kontakt:
Sebastian Schäfer, Fakultät für Informatik – Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: +49 721 608-44344, Fax: +49 721 608-41777, E-Mail: sebastian.schaefer@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter knapp 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 000 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu

Weitere Informationen:

http://www.pkm.kit.edu/digitalegesellschaft

Monika Landgraf | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik