Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bielefelder entwickeln Software für Simulation des menschlichen Gehirns

24.03.2014

„Human Brain“-Projekt: Universität Bielefeld neuer Partner der EU-Initiative

Die Universität Bielefeld ist neuer Partner der von der Europäischen Union finanzierten Initiative „Human Brain“-Projekt. In dem Flaggschiffprojekt der EU sollen die bisherigen Erkenntnisse über das menschliche Gehirn zusammengefasst werden.


Professor Dr-Ing. Ulrich Rückert ist mit seiner Forschungsgruppe an dem „Human Brain“-Projekt der Europäischen Union beteiligt.

Foto: CITEC/Universität Bielefeld

Mit neuen computerbasierten Modellen soll das Gehirn nachempfunden werden. Bielefelder Informatiker und Ingenieurwissenschaftler arbeiten in dem Projekt an Modellen, die auf speziellen Computern Teilaspekte des menschlichen Nervensystems simulieren.

Handelsübliche Computer sind ungeeignet, um darauf eine künstliche Version des menschlichen Gehirns laufen zu lassen. Ein Grund ist, dass sie nach anderen Prinzipien funktionieren als das Gehirn. Deswegen konstruieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im „Human Brain“-Projekt eigene Hardware, die geeignet ist, um für Simulationen die komplexen Vorgänge eines Gehirns effizient zu berechnen.

Die Bielefelder Wissenschaftler werden sich speziell mit Modellen für das assoziative Gedächtnis beschäftigen. Dieser Begriff beschreibt die menschliche Fähigkeit, sich an wichtige Dinge zu erinnern, indem sie mit einem Ereignis verbunden – assoziiert – werden.

Damit unterscheidet sich das menschliche Gedächtnis von Computerspeichern, die Daten katalogisieren statt sie miteinander in Verbindung zu setzen. „Assoziative Speichermodelle spielen eine wichtige Rolle in der Kognitionsforschung“ sagt Professor Dr.-Ing. Ulrich Rückert.

Er ist Leiter der Forschungsgruppe Kognitronik und Sensorik der Technischen Fakultät der Universität Bielefeld, die auch zum Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld gehört. Seine Forschungsgruppe übernimmt in dem EU-Projekt die Aufgabe, Architekturen neuronaler Assoziativspeicher zu erforschen, die auf dem Konzept der „Spiking neural networks“ beruhen.

Das Modell greift die Beobachtung auf, dass eine Nervenzelle eine andere Nervenzelle erregt, indem sie einen schwachen Stromstoß an sie abfeuert. Solche Stromstöße nennen Wissenschaftler „Spikes“. Erst die Spikes sorgen dafür, dass im Gehirn Informationen verarbeitet werden können.

„Die Hardware-Systeme, die in dem EU-Projekt eingesetzt werden, verbrauchen gewöhnlich sehr viel Energie. Unser Ziel ist es, die Hardware so zu programmieren, dass die Gehirnsimulation möglichst ressourceneffizient läuft“, sagt Professor Rückert.

Außer der Bielefelder Forschungsgruppe sind zwei weitere deutschen Institutionen dem „Human Brain“-Projekt beigetreten: Die Stiftung FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Wie die EU-Kommission jetzt in Brüssel bekanntgab, gehören die drei Institutionen zusammen mit 29 anderen Organisationen aus weiteren EU-Ländern zu den neuen Partnern des „Human Brain“-Projekts und erhalten für ihre Forschung insgesamt 8,3 Millionen Euro.

Das „Human Brain“-Projekt wurde 2013 als Teil des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms (FP7) gestartet und wird mit 1,19 Milliarden Euro finanziert. Die auf zehn Jahre angelegte Großinitiative wird seit diesem Jahr im neuen EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“ weitergefördert.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Ulrich Rückert, Universität Bielefeld
Technische Fakultät
Telefon: 0521 106-12050
E-Mail: rueckert@techfak.uni-bielefeld.de

Weitere Informationen:

http://www.humanbrainproject.eu

Jörg Heeren | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: EU-Projekt Energie Gedächtnis Gehirn Human Nervenzelle Simulation Software Spikes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Störungsfreie Kommunikation für die Fabriken von morgen
22.03.2017 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie