Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Beruhigt in den Urlaub: Der intelligente Boden passt daheim auf

13.08.2014

Ein berührungsempfindlicher Fußboden erkennt von allein, wenn ein Mensch ihn betritt. Damit bietet er in der Urlaubszeit Schutz vor Einbrechern. Darüber hinaus registriert die Technologie, wenn Menschen stürzen und Hilfe benötigen.

Urlaubszeit ist Einbruchszeit. Wenn Menschen verreisen und Wohnungen verwaist sind, steigen Einbrecher durch schlecht gesicherte Fenster und Türen ein. 2013 wurde nach Angaben der Polizeilichen Kriminalprävention, einem Informationsprogramm der Länder und des Bundes für die Bevölkerung in Deutschland, durch Einbrüche in der Urlaubszeit bundesweit ein Schaden von 39,4 Millionen Euro verursacht.


Die Balkontür war leicht zu knacken. Noch ein Schritt, und dann – löst der intelligente Fußboden CapFloor Alarm aus. © Fraunhofer IGD

Die Polizei rät deshalb regelmäßig vor Beginn der Reisezeit, Türen und Fenster gut zu sichern. Doch Schutz bietet auch eine Technologie ganz anderer Art: der CapFloor, ein berührungsempfindlicher Fußboden, der wahrnimmt, wenn ein Mensch ihn betritt. Steigt ein Einbrecher in ein Haus ein, lösen Sensoren im Boden Alarm aus.

»Mitte kommenden Jahres wollen wir ihn in Kooperation mit einem Industrieunternehmen als Produkt auf den Markt bringen«, sagt Dr. Reiner Wichert vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt. Unter seiner Leitung hat ein Forscherteam die intelligente Trittfläche entwickelt.

Die Basis des berührungsempfindlichen Bodens ist ein Gitter aus einfachen Drähten, das unter dem Parkett oder Teppich montiert wird. Die Drähte werden von einem sehr schwachen elektrischen Feld umgeben. Bewegt ein Mensch seinen Fuß hindurch, ändert sich das elektrische Feld in diesem Bereich.

Für die Gesundheit ist dies risikolos: Während zum Beispiel Touchpads in Laptops mit Spannungen von bis zu 20 Volt arbeiten, nutzt CapFloor lediglich etwa eineinhalb Volt. Das System meldet eine Bewegung – beispielsweise beim Einbruch, wenn das Haus verlassen und verschlossen ist. Ganz gleich über welchen Weg ein Dieb in ein unbewohntes Haus einsteigt – sobald er den Boden berührt, gibt es Alarm.

Je nach Wunsch des Besitzers kann das System dann über die Haustechnik eine Sirene auslösen oder eine Warnmeldung an ein Smartphone oder einen Sicherheitsdienst absetzen.

Die Entwicklung des Fraunhofer IGD eignet sich auch für andere Anwendungen. »Zunächst wollten wir erkennen, ob ein Mensch gestürzt ist«, sagt Wichert. »Doch uns wurde schnell klar, dass ein solches System mehr kann.« So lässt sich die Technologie einfach im bestehenden Schaltschrank mit der Gebäudetechnik verbinden, etwa mit der Licht- oder Heizungssteuerung. Betritt eine Person einen Raum, geht das Licht von alleine an. Verlässt sie das Zimmer, wird das Licht gelöscht. Zudem fährt automatisch die Raumheizung herunter, wenn sich länger niemand im Raum aufhält. Weitere Funktionen sind Warnmeldungen per SMS: zum Beispiel, wenn Kleinkinder nachts das Bett verlassen oder wenn sich im Haus länger nichts mehr bewegt hat und der Herd trotzdem noch eingeschaltet ist.

Einfache und günstige Technologie

Grundlage von CapFloor ist eine komplexe Software, die die verschiedenen technischen Komponenten miteinander verknüpft – das Schließsystem, die Lichtanlage oder die elektrischen Geräte. »Erst dadurch werden all die Funktionalitäten denkbar«, so Wichert. Das Besondere ist, dass die im Boden verbaute Technik auf ein Minimum reduziert wurde. Bei anderen Systemen am Markt wird unter dem Boden schwer wartbare Elektronik verbaut. Bei CapFloor hingegen werden einfache Drähte verlegt.

Die Sensoren verschwinden am Rande des Raums in der Fuge unter der Fußleiste und werden per Klickstecker an das Drahtgeflecht montiert. Pro Zimmer ist dann nur noch ein kleines Gerät nötig, das die Sensorsignale verarbeitet und zum zentralen Schaltschrank leitet. Dort ist auch eine kleine Verarbeitungseinheit verbaut, die Stürze erkennt und Hilfe rufen kann. Somit bleiben alle gesammelten Daten innerhalb des Hauses.

In einem Pilotprojekt werden aktuell über 30 Appartements und Wohngemeinschaften für Demenzkranke mit der Technologie ausgestattet. Das System erkennt, ob eine Person durch den Raum geht oder ein Haustier vorüberhuscht. Stehen die Bewohner nachts auf, um zur Toilette zu gehen, schaltet sich das Licht automatisch ein, sobald der Fuß den Boden berührt.

Zu CapFloor gehört ein Notfallsystem mit verschiedenen Stufen. Bleibt eine Person länger regungslos liegen, weil sie eventuell bewusstlos ist, beginnt das Licht in der Wohnung zu blinken. Reagiert der Bewohner nicht und schaltet es nicht aus, werden nacheinander zunächst Angehörige, Nachbarn und schließlich der Notdienst per Telefon oder SMS alarmiert.

Weitere Informationen:

http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2014/August/beruhigt-in-d...

Tobias Steinhäußer | Fraunhofer-Institut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Industrie 4.0: Fremde Eindringlinge im Unternehmensnetz erkennen
16.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Die Thermodynamik des Rechnens
11.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics