Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MERASA: Neue Prozessoren für sparsamere Autos und sicherere Flugzeuge

05.12.2007
Augsburger Informatiker koordinieren 2,1 Mio Euro-schweres EU-Projekt mit Forschungs- und Industrie-Partnern aus Spanien, Frankreich, England, Tschechien und den Niederlanden.

Autos und Flugzeuge energiesparsamer, wirtschaftlicher und zugleich sicherer zu machen, ist die Leitperspektive des EU-Projekts "Multi-Core Execution of Hard Real-Time Applications Supporting Analysability" (MERASA). Ein Vertrag mit der Europäischen Gemeinschaft über die bei dem Augsburger Informatiker Prof. Dr. Theo Ungerer (Lehrstuhl für Systemnahe Informatik und Kommunikationssysteme) liegende Koordination dieses auf drei Jahren angelegten und von der EU mit 2,1 Millionen Euro bezuschussten Projekts wurde am 3. Dezember 2007 von der Universität Augsburg unterzeichnet.

Wie kann man Autos, Flugzeuge und generell Maschinen sicherer, wirtschaftlicher und energiesparsamer machen? ABS-Systeme in Autos z. B. könnten noch sicherer werden, wenn es gelänge, die Leistungsfähigkeit der elektronischen Steuereinheit zu steigern. Und wenn es gelänge, entsprechende Steuereinheiten mit höherer Leistungsfähigkeit zu entwickeln, könnte z. B. auch der Kraftstoffverbrauch von Motoren durch eine bessere Regelung optimiert werden. Für all diese Systeme gilt jedoch, dass eine Ausführung der Aufgaben in einem extrem kurzen und insbesondere in einem festen Zeitintervall gewährleistet sein muss. Man spricht hier von "harten Echtzeitanforderungen".

Nur wenige Prozessoren erlauben es, dass solche Garantien abgegeben werden können. Gängige PC-Prozessoren weisen zwar eine hohe Verarbeitungsleistung auf, sind aber für Anwendungen in "eingebetten Systemen" wie beim ABS oder bei der Regelung von Motoren nicht geeignet und auch zu teuer. Die derzeit in solchen "eingebetteten Systemen" üblicherweise eingesetzten, relativ einfachen Prozessoren wiederum sind mit ihren Leistungsgrenzen höheren Anforderungen, wie sie die Zukunft mit Blick auf höhere Sicherheit und höhere Wirtschaftlichkeit stellt, nicht gewachsen.

Eingebettete Prozessoren, die harten Echtzeitanforderungen genügen

Der Anspruch des EU-Projekts MERASA ist es, eingebettete Prozessoren, die harten Echtzeitanforderungen genügen, unter Nutzung der Multicore-Technologie zu entwickeln. Multicore-Technologie steht für ein Verfahren, bei dem mehrere Prozessoren auf einen Chip verbaut werden. "An der Universität Augsburg werden wir zu diesem Zweck zusammen mit Kollegen am Barcelona Supercomputing Center neue echtzeitfähige Prozessorstrukturen entwickeln, prototypisch implementieren und hier in Augsburg zugleich die zugehörige echtzeitfähige Betriebssystem-Software entwerfen", erläutert Ungerer.

Um Echtzeitfähigkeit gewährleisten zu können, benötigt man Software-Werkzeuge, die für ein Programm die im schlimmsten Fall auftretende Verarbeitungszeit errechnen können. Solche Software-Werkzeuge sollen im Rahmen von MERASA von Forschern der Universität Paul Sabatier in Toulouse sowie der englischen Firma Rapita Systems Ltd. bereitgestellt werden. Ungerer: "Hand in Hand mit den Hardware-Entwicklern in Augsburg und Barcelona erarbeiten die französischen und englischen Kollegen geeignete Software-Lösungen für die von uns gemeinsam angestrebten neuen Multicore-Prozessoren. Wir sind überzeugt davon, am Ende der dreijährigen MERASA-Laufzeit überzeugende Prototypen eines neuen Multicore-Prozessors, eines adäquaten Betriebssystems und geeigneter Software-Werkzeuge präsentieren zu können, die passgenau auf die Anforderungen der Programmanalyse harter Echtzeitanwendungen zugeschnitten sind."

Hersteller und Anwender von Beginn an einbezogen

Um einen optimalen Transfer- und Anwendungsprozess sicherzustellen, sind Industriepartner - Hersteller von Prozessoren ebenso wie Anwender - von Beginn an in die Entwicklung der angestrebten Hard- und Software-Lösungen mit einbezogen: Die Firma Honeywell spol. s.r.o. in Brünn (Tschechien) wird sich um die Lauffähigkeit einer autonomen Steuerungsanwendung für Autos und für Flugzeuge auf den MERASA-Entwicklungen kümmern. Ebenso sind über ein Industrial Advisory Board die Prozessorhersteller Infineon (München/Bristol) und NXP (Eindhoven) sowie die Anwenderfirmen Airbus France, European Space Agency und Bauer Maschinen (Schrobenhausen) in das Projekt mit eingebunden, um von Anfang an die Hard- und Software-Entwicklung zu begleiten und in Pilotprojekten auszutesten.

"Diese Integration renommierter Firmen aus verschiedenen europäischen Staaten", so Ungerer, "dokumentiert zugleich auch den Anspruch unseres MERASA-Projekts, in den Schlüsselsparten der Fahrzeug-, Flugzeug- und Maschinenbauindustrie einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit Europas zu leisten."

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Theo Ungerer
Institut für Informatik
Universität Augsburg
D-86135 Augsburg
Telefon: +49(0)821-598-2351
theo.ungerer@informatik.uni-augsburg.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.merasa.org/

Weitere Berichte zu: EU-Projekt MERASA Prozessor Software-Werkzeug

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht
18.01.2017 | Technische Universität Berlin

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein neuer Index zur Diagnose einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Cockpit für Kühlgeräte

20.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Der Hausschwamm als Chemiker

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie