Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fraunhofer Forscher machen Mut zum Lesen

22.11.2007
"Funktionaler Analphabetismus" ist heute ein weit verbreitetes Phänomen in den westlichen Industrienationen, so auch in der Bundesrepublik Deutschland.

Im Rahmen des Verbundprojektes "alph@bit" entwickeln die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung Rostock (IGD) computerbasierte Lernszenarien, mit denen lese- und schreibschwache Erwachsene auf spielerische Weise lernen, sich in Alltagssituationen besser zurecht zu finden.

Mehr als vier Millionen Menschen haben hierzulande Probleme mit den Anforderungen einer durch Schriftsprache geprägten Umwelt. Da sie Lesen, Schreiben und Rechnen nur unzureichend beherrschen, bereiten ihnen schon einfache Alltagssituationen wie das Lesen eines Fahrplans oder bestimmter Produktinformationen beim Einkaufen große Schwierigkeiten. In Folge dessen geben sie das Lesen und Schreiben im täglichen Leben weitestgehend auf. Unter diesem Vermeidungsverhalten leidet nicht nur die persönliche Weiterentwicklung der Betroffenen. Eine aktive Teilnahme an einer leistungsorientierten Gesellschaft, in der die Fähigkeit zu Lesen und Schreiben eine Schlüsselrolle spielt, ist so kaum noch möglich.

Die Forscher des Fraunhofer IGD wollen Betroffenen nun zu einem sicheren Umgang mit der Schriftsprache verhelfen und ihnen damit den Weg in das Gesellschaftsleben ebnen. In dem Projekt "alph@bit: Game Based Training in der Grundbildung" werden neue Möglichkeiten des Lesenlernens in der Erwachsenenbildung mit Hilfe des PCs erforscht. "Computerspiele gehören auch bei vielen Erwachsenen mit Lese- und Schreibschwäche durchaus zum Alltag. Unser Hauptaugenmerk liegt daher auf der Entwicklung von digitalen Lernszenarien, in denen spielerisch typische Problemsituationen des Alltags gelöst werden sollen", sagt Steffen Malo vom Fraunhofer IGD Rostock.

Die Wissenschaftler nutzen hierfür die Prinzipien und Technologien aus dem Computerspielebereich, mit denen sie eine spannende und gleichzeitig effektive Lernumgebung gestalten. Dabei handelt es sich beispielsweise um Levelspiele mit spannenden Rahmenhandlungen, in die bestimmte Aufgaben eingebettet sind, die das Lesen und Schreiben schulen. "Der entscheidende Vorteil solcher Programme liegt darin, dass die Anwender sie auch unabhängig von Bildungseinrichtungen und bestimmten Seminarzeiten nutzen können", so Malo weiter. "Vielen Betroffenen, die aus verschiedenen Gründen solche Kurse nicht besuchen würden, könnte so der Zugang zum Lesenlernen erleichtert werden."

"alph@bit" ist im November 2007 als Verbundprojekt zwischen dem Fraunhofer IGD Rostock, dem Deutschen Volkshochschul-Verband, dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung und dem Volkshochschul-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern ins Leben gerufen worden. In Zusammenarbeit mit diesen Partnern werden in den nächsten drei Jahren innovative Motivierungs- und Lernmöglichkeiten für die Entwicklung einer angemessenen Grundbildung bei Erwachsenen erforscht. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunktes "Alphabetisierung/Grundbildung für Erwachsene", der die von UNO und UNESCO ausgerufene "Alphabetisierungsdekade" zwischen 2003 bis 2012 in Deutschland unterstützt.

Kontakt:
Steffen Malo
Fraunhofer IGD Rostock
Joachim-Jungius-Straße 11
18059 Rostock
Tel.: 0381/40 24 110
E-Mail: steffen.malo@igd-r.fraunhofer.de
Kurzprofil Fraunhofer IGD:
Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD betreibt angewandte Forschung im Bereich der graphischen Datenverarbeitung. Zu den Kernkompetenzen des Instituts gehören unter anderem Visualisierung und Simulation, Animation, Modellierung, Virtuelle und Erweiterte Realität, Sicherheitstechnologien sowie Ubiquitous Computing. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf drei Schwerpunkte: Den Erhalt von Semantik über den gesamten Modellierungsprozess hinweg, die Wechselwirkung von Graphik und Vision sowie die Bearbeitung bibliothekarischer Fragestellungen im Kontext dreidimensionaler Modelle. Das Anwendungsspektrum der innovativen Konzepte, Modelle und Praxislösungen reicht von Virtueller Produktentwicklung über Medizin und Verkehr bis zu Multimedialem Lernen und Training. Im Auftrag von Kunden entstehen Prototypen und Komplett-Systeme, die optimal auf deren spezifische Anforderungen abgestimmt sind. So entwickeln die dreizehn Abteilungen in Darmstadt, Rostock und Singapur neue Technologien, erstellen Studien und realisieren Anwendungen und Systeme (Hard- und Software), die sich durch hohe Benutzerakzeptanz, gute Bedienbarkeit und ergonomische Gestaltung auszeichnen. Die Forschungs- und Entwicklungsprojekte des Fraunhofer IGD haben direkten Bezug zu aktuellen Problemstellungen in Industrie und Wirtschaft. Zahlreiche Ausgründungen gewährleisten, dass Prototypen schnell in marktfähige Produkte umgesetzt werden.

Das Fraunhofer IGD kooperiert eng mit der Technischen Universität Darmstadt, der Technischen Universität Graz und der Universität Rostock. Das Centre for Advanced Media Technology (CAMTech) in Singapur, gegründet 1998, sichert die Präsenz auf den Zukunftsmärkten Asiens. Das Fraunhofer IGD beschäftigt in Darmstadt und Rostock rund 140 feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unterstützt durch etwa 140 wissenschaftliche Hilfskräfte. Der Etat betrug 2006 über 14 Millionen Euro.

Bernad Lukacin | idw
Weitere Informationen:
http://www.igd.fhg.de/

Weitere Berichte zu: Graphische Datenverarbeitung Prototyp Schriftsprache

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Layouterfassung im Flug: Drohne unterstützt bei der Fabrikplanung
19.05.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Intelligente Industrialisierung von Rechenzentren
15.05.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften