Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher hinterfragen die Praxistauglichkeit von forensischen Werkzeugen zur Erkennung von Bildmanipulationen

21.09.2007
Fälschen als Wissenschaft

Immer ausgereiftere Bildbearbeitungsprogramme erlauben es sogar unbedarften Nutzern, vergleichsweise einfach digitale Bilder zu manipulieren.

Aktuelle Beispiele in den Medien zeigen, dass Bildmanipulationen nicht nur ein häufig eingesetztes Mittel zur Retusche von "Schönheitsmakeln" sind, sondern auch eingesetzt werden, um die generelle Aussage eines Bildes zu verändern - wie etwa die bereits vom Fotograf gefälschten Bilder aus dem Libanonkrieg 2006 einer bekannten Nachrichtenagentur oder die im Zusammenhang mit geschönten Forschungsergebnissen präsentierten Bildfälschungen von Hwang et al. im renommierten Wissenschaftsmagazin Science. Von besonderer Bedeutung ist die Echtheit digitaler Bilder, wenn sie bspw. vor Gericht als Beweismittel oder Indiz dienen sollen.

In letzter Zeit gewinnt daher die digitale Bildforensik an wissenschaftlichem Interesse. Dabei handelt es sich um Techniken, mit denen der Ursprung digitaler Bilder bestimmt und Manipulationen erkannt werden können. Die Entwicklung von Methoden, mit denen überprüft werden kann, ob digitale Medien echt sind, steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Bisherige forensische Verfahren erlauben eine zuverlässige Unterscheidung zwischen echten und gefälschten Bildern lediglich unter definierten Testbedingungen.

Wie die Mitarbeiter an der Professur für Datenschutz und Datensicherheit zeigen konnten, scheitern bisherige Verfahren im praktischen Einsatz im Falle eines umsichtigen Fälschers. Sie haben sich daher zum Ziel gesetzt, forensische Verfahren für die Praxis zu schaffen.

Thomas Gloe und Antje Winkler, Medieninformatiker an der Professur Datenschutz und Datensicherheit, untersuchten unter anderem ein Verfahren zur Identifikation von Digitalkameras. Jede Kamera hinterlässt einen "Fingerabdruck" im aufgenommenen digitalen Bild, der mittels eines Rauschfilters aus dem Bild extrahiert und so für die Bestimmung des Bildursprungs genutzt werden kann. Die Wissenschaftler zeigten, dass dieser Fingerabdruck aus einem digitalen Bild leicht entfernt bzw. dem Bild einfach der Fingerabdruck einer anderen Kamera aufgebracht werden kann. Matthias Kirchner und Rainer Böhme von der gleichen Professur erforschten dagegen ein Verfahren zur Erkennung von Manipulationen an digitalen Bildern. Bei Größenänderungen, Drehungen oder Verzerrungen - wichtigen Bestandteilen von Bildmanipulationen - entstehen im Bild unnatürliche Abhängigkeiten zwischen einzelnen Pixeln. Eine Messung dieser Abhängigkeiten macht Bildfälschungen erkennbar. Die zuverlässige Aufdeckung kann jedoch mit einer von den Wissenschaftlern entwickelten Methode umgangen werden. Ihre Untersuchungen zeigen, dass aktuelle forensische Methoden bereits mit vergleichsweise einfachen Mitteln ausgehebelt werden können.

Das Team wird die Ergebnisse auf der internationalen Konferenz "ACM Multimedia" vorstellen, die vom 24. bis 29.9.2007 in Augsburg stattfindet.

Weitere Informationen:
Antje Winkler, antje.winkler@inf.tu-dresden.de, Fakultät Informatik, Institut für Systemarchitektur, Datenschutz und Datensicherheit, Tel. +49 351 463-38470

Mathias Bäumel | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de/

Weitere Berichte zu: Bildmanipulationen Datenschutz Datensicherheit Erkennung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Intelligente Videoüberwachung für mehr Privatsphäre und Datenschutz
16.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

nachricht Ein „intelligentes Fieberthermometer“ für Mikrochips
16.01.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik

17.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

17.01.2018 | Physik Astronomie

Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

17.01.2018 | Physik Astronomie