Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bits für die Ewigkeit ?

23.08.2007
Uni Köln zentral in einem EU-Projekt zur elektronischen Langzeitarchivierung tätig.

Für viele ist der Sommerurlaub schon vorbei, da tröstet der Gedanke, dass zumindest die schönsten Motive und Eindrücke dank digitaler Kamera "sicher" sind. Wieder zu Hause angekommen landen die Bilder auf Festplatte oder CD und sind dort nach einer ausführlichen Präsentation für die Daheimgebliebenen bald vergessen.

Erst Jahre später wird der Urlaub zufällig wieder zum Gesprächsthema - eine gute Gelegenheit, die alten Fotos rauszusuchen und in Erinnerungen zu schwelgen. Der Zustand der CD lässt aber nichts Gutes erahnen: Die Scheibe hat sich verfärbt und am Rand blättert die Beschichtung ab. Der PC bestätigt schließlich die Vermutung: "Der Datenträger kann nicht gelesen werden." Kopien der Bilder gibt es nicht mehr, die Speicherkarte aus der Kamera wurde längst überschrieben und der alte Rechner samt Festplatte vor Jahren ersetzt. Die Fotos sind weg.

Dieser stets drohende Verlust digitaler Informationen ist im besten Falle ärgerlich, im schlimmsten Fall, bei geschäftlichen Daten, existenzbedrohend, denn auch Aufzeichnungen von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen sind vom Verfall betroffen. Firmen sind in vielen Fällen rechtlich dazu verpflichtet, geschäftliche Dokumente für die Dauer von Jahrzehnten aufzubewahren; Bibliotheken und Archive stehen sogar vor der Herausforderung, das kulturelle Erbe der Gesellschaft für immer zu erhalten. Was dem Einzelnen die Urlaubsnostalgie vermiest, gefährdet für diese Einrichtungen die Erfüllung einer ihrer zentralsten Aufgaben.

Das von der EU geförderte Projekt PLANETS (Preservation and Long-term Access via NETworked Services) nimmt sich nun dieser Probleme an. Der Verbund aus nationalen Bibliotheken und Archiven, führenden Forschungseinrichtungen und Technologieunternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, den Zugang zu digitalen Dokumenten langfristig zu sichern. Als Schnittstelle von Informatik und Geisteswissenschaften nimmt die Professur für Historisch Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung (HKI) der Universität zu Köln dabei eine führende Rolle ein. Unter der Leitung von Professor Manfred Thaller entwickelt das Kölner PLANETS Team große Teile der Software für das Projekt. In Zusammenarbeit mit den übrigen europäischen Partnern entsteht ein umfassendes Konzept, das zugeschnitten auf die einzelnen Zielgruppen sowohl die Planung der Langzeitarchivierung als auch deren Umsetzung beinhaltet. Die Erforschung verschiedener Aspekte digitaler Bibliotheken zählt schon länger zu den Schwerpunkten der HKI, wie ein Blick auf die Kölner Server http://www.ceec.uni-koeln.de und http://inkunabeln.ub.uni-koeln.de zeigt.

Info: Digitale Langzeitarchivierung - Das PLANETS Projekt

Die beteiligten Wissenschaftler schätzen, dass Informationen im Wert von etwa 3 Milliarden Euro in vom Verfall bedrohten Dateien vorliegen.

Um eine zuverlässige Archivierung und Verfügbarkeit dieser Dokumente auch langfristig sicherzustellen, greifen mehrere Projektbereiche ineinander. Ein Preservation Planning Service erstellt zunächst einen auf die betroffenen digitalen Objekte zugeschnittenen Langzeitarchivierungsplan, dieser berücksichtigt die individuellen Anforderungen der jeweiligen Organisation. So wird etwa festgestellt, welche Arten von digitalen Inhalten vorliegen und wie diese genutzt werden. Um die ausgearbeitete Strategie umzusetzen, kommen zunächst Characterisation Services zum Einsatz, die Domäne der Kölner Wissenschaftler. Sie entwickeln formale "Sprachen", die die Eigenschaften digitaler Objekte beschreiben und es erlauben, Dateiinhalte formatunabhängig abzuspeichern - die Probleme mit der Langzeitarchvierung digitaler Inhalte so zu beschreiben, dass sogar Rechner sie verstehen, sozusagen. Dies dann praktisch umzusetzen und bereits vorhandene Ansätze zur Langzeitarchivierung in das PLANETS Projekt zu integrieren ist Aufgabe des Preservation Action Service. Um die Funktion der Dienste zu prüfen, steht den Projektpartnern ein spezielles Testbed zur Verfügung, das in einer späteren Phase auch Dritten zur Erprobung von Archvierungstechniken zur Verfügung stehen soll. Um diese Komponenten nahtlos zu integrieren wird ein Interoperability Framework aufgebaut, das gleichzeitig eine Schnittstelle für die Produkte von Drittherstellen bietet. PLANETS soll so langfristig eine Plattform für die Anbieter und Nutzer von Langzeitarchivierungsdiensten anbieten, auf der sich auch ein kommerzieller Markt etablieren kann.

Bei Rückfragen: Susanne Kurz, Universitätsstraße 22, Köln
Tel: +49-221-470-1751
E-Mail: susanne.kurz@uni-koeln.de
Internet: http://www.hki.uni-koeln.de
Verantwortlich: Fabian Klaetke

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.hki.uni-koeln.de
http://inkunabeln.ub.uni-koeln.de
http://www.ceec.uni-koeln.de

Weitere Berichte zu: Bibliothek Festplatte Langzeitarchivierung PLANETS Preservation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb
27.06.2017 | FOKUS - Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme

nachricht Überschwemmungen genau in den Blick nehmen
27.06.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise

Immunabwehr: Wie Proteine Membranbläschen zusammenbringen

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Auto lernt vorauszudenken

28.06.2017 | Maschinenbau