Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Individueller Schutz bei Sturm und Hagelschlag

22.08.2007
Aufgrund des Klimawandels nehmen extreme Wetterereignisse immer mehr zu. Um Schäden möglichst gering zu halten und Gefahr für Leib und Leben abzuwenden, entwickeln Forscher des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST in Berlin ein elektronisches Warnsystem, das ganz auf die persönlichen Bedürfnisse des jeweiligen Nutzers zugeschnitten ist. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vom 31.8. bis 5.9.2007 (Halle 5.3 TWF) stellen sie typische Anwendungen vor.

Wolkenbrüche, Stürme, Hagelschlag: Unwetter verursachen in den letzten Jahren auch in unseren Breiten immer mehr Schäden. Häuser werden abgedeckt, Fenster eingeschlagen, Keller laufen voll, Autos gehen in den Fluten unter. Vielfach könnte man aber das Schlimmste verhindern, wenn man rechtzeitig Bescheid wüsste.

Das Frühwarnsystem WIND Weather Information on Demand war bereits ein erster, wichtiger Schritt auf diesem Weg. Entwickelt wurde es vor einigen Jahren vom ISST zusammen mit der Versicherungskammer Bayern - im Auftrag der öffentlichen Versicherer - und dem Unternehmen meteomedia GmbH "Jörg Kachelmann". Es warnt angemeldete Teilnehmer per SMS, wenn in ihrem Postleitzahl-Bezirk ein Unwetter droht. Im Projekt SAFE Sensor-Aktor-gestütztes Frühwarnsystem bei Extremwetter gehen die Forscher weiter: Sie entwickeln ein System, dass in Zukunft viel zielgerichteter hilft, Risiken zu mindern. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im KlimaZwei-Programm.

Drei Faktoren tragen zur Verbesserung bei: noch genauere Wetterprognosen, eine optimierte Informationslogistik und die individuelle Bewertung der Nutzerbedürfnisse von Privatpersonen, Industrie und Einsatzkräften. Am Produktionsstandort der Wacker Chemie AG in Burghausen untersuchen die Forscher exemplarisch die Eignung des Systems für große Industriestandorte. In der Marktgemeinde Mering testen sie, wie sich das System für Kommunen, Gewerbebetriebe und Einwohner hilfreich einsetzen lässt. Neuartige, spezialisierte Sensoren werden in geringen Abständen in einer Kommune oder der Umgebung einer Industrieanlage installiert und tauschen per Funk ihre Daten mit dem Zentralsystem von SAFE aus.

... mehr zu:
»Hagelschlag »ISST »SAFE »SAFE-System »Unwetter

"Zusammen mit den Informationen der Wetterstationen und Radardaten wollen wir so über neue Prognoseverfahren beispielsweise Starkregen und Hagelschauer, deren Stärke sowie ihre zeitliche und räumliche Auswirkung besser vorhersagen", erklärt Projektleiter Ulrich Meissen vom ISST, "und das etwa zehn bis zwanzig Minuten vor dem Ereignis." Das genügt, um Autos oder wertvolle Maschinen in Sicherheit zu bringen oder in Gebäuden Schutz zu suchen.

Mit Vorhersagen allein geben sich die Berliner Forscher aber nicht zufrieden. Sie erproben derzeit als Herzstück des SAFE-Systems: Eine intelligente Software, die anhand der Daten bewerten kann, welche Schritte man am besten einleiten sollte. Natürlich steht an erster Stelle die gezielte Information der Einwohner - beispielsweise über individuell eingeblendete Warnungen im laufenden Fernsehpro-gramm -, der lokalen Industrie und der Feuerwehren der betroffenen Gebiete. SAFE kann aber auch ganz individuell eine SMS-Warnung an einen Nutzer senden, den es etwa per GPS im Gebirge geortet hat. Oder es blendet die Gefahren auf einer elektronischen Straßenkarte auf einem Smartphone im Fahrzeug ein.

Manche Maßnahmen könnte das SAFE-System sogar vollautomatisch ergreifen. Durch den Einsatz einer entsprechenden Gebäudetechnik kann es etwa Fenster bei einem drohenden Unwetter selbstständig schließen oder Rückstausicherungen in Kanalsystemen aktivieren. 2008 sollen die Verfahren in einem Pilotprojekt umfangreichen Tests unterzogen werden.

Weitere Projekte rund um das Thema mobile, digitale Informationen zeigt das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS auf der IFA: So erhalten die Besucher Einblick in die Entwicklung von Audiocodierverfahren in den letzten 20 Jahren, können Digitalradio in Surroundqualität auf mobilen Geräten hören und sich über Journaline informieren. Was es bisher nur für das Fernsehen gab, bringt Journaline jetzt auch ins Radio: Textnachrichten, angezeigt auf Displays künftiger digitaler Radiogeräte und Autoradios. Gemeinsam mit

Audi zeigt das IIS diesen Teletext für den digitalen Hörfunk mit Sprachausgabe.

Ansprechpartner:
Ulrich Meissen
Telefon: 0 30 / 2 43 06-4 50
ulrich.meissen@isst.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST
Mollstraße 1
10178 Berlin
Matthias Rose
Telefon: 0 91 31 / 7 76-3011
matthias.rose@iis.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS
Am Wolfsmantel 33
91058 Erlangen

Beate Koch | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.isst.fraunhofer.de
http://www.safe-projekt.de
http://www.iis.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Hagelschlag ISST SAFE SAFE-System Unwetter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie