Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stress kann man messen

23.07.2007
Forscherteam an der FH Lausitz entwickelte tragbares Messgerät für Langzeitaufnahmen

Ein Team aus einem Professor, einem Diplom-Ingenieur und einer Ärztin hat an der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg ein mobiles Messgerät für den Hautleitwert, einen wissenschaftlich anerkannten Indikator für mentale Erregungszustände - den Stressfaktor - entwickelt. Das Messgerät - nur ein wenig größer als ein Handy - ist ein fachübergreifendes Projekt, das zum Patent und einer Firmengründung geführt hat.

"Vor etwa drei Jahren ist Dr. Silvia Noetzel an mich mit ihrer Idee herangetreten, ein transportables, handliches Messgerät für Langzeitmessungen des Grades des Stresszustandes von Patienten zu ermitteln", erläutert Professor Dr. Helmut Schuster, Wissenschaftler an der Hochschule.

Zuerst analysierte der Professor gemeinsam mit Betriebswirtschaftsstudenten den Markt. Fazit des Experten für Marketing und Unternehmensplanung: Ein portables Gerät in dieser Form mit Display und hoher Messgenauigkeit gibt es noch nicht, während der Bedarf von Ärzten und Verhaltenstherapeuten an einer kontinuierlichen Wertaufnahme auch außerhalb der Praxisräume im normalen Lebensumfeld der Patienten, vorhanden ist.

"Dann haben wir begonnen, das Gerät mit Unterstützung der Fachhochschule zu entwickeln", sagt Dr. Silvia Noetzel. Die Ärztin und Verhaltenstherapeutin wollte sich nicht damit abfinden, dass bei ihren Patienten mit der bisher verfügbaren Gerätetechnik eine Messung der Werte nur in der Arztpraxis stattfinden konnte. "Die wirklich Stress auslösenden Faktoren sind zum Teil den Patienten nicht genau bekannt, mit unserem neuen Gerät können sie mit der Anzeige ihren eigenen Stresswert einschätzen", so die engagierte Medizinerin.

Mit dem Diplom-Ingenieur Kai-Uwe Irrgang kam der Dritte zum Bunde: ein Techniker, der tüftelte, probierte und den größten Teil der praktischen Entwicklungsarbeiten an dem inzwischen patentierten Gerät vornahm.

Mit dem kleinen Messgerät können Langzeitmessungen durchgängig aufgezeichnet werden und erlauben dem Arzt oder Therapeuten eine genaue Diagnose und exaktere Behandlungsmethoden, denn die Auslöser für die mentalen Erregungszustände können minutiös ausgewertet werden.

Anwendung kann das Gerät beispielsweise auch in der Therapie von Angstpatienten finden. Auf dem Display sehen die Patienten, wie sich ihr mentaler Erregungszustand entwickelt. Dann können die Patienten punktgenau die gemeinsam mit dem Therapeuten entwickelten Entspannungsübungen machen, wenn es die Situation verlangt. Ein lachendes oder trauriges Gesicht zeigt auf einen Blick, ob sich die Werte im günstigen oder ungünstigen Bereich bewegen.

Das funktioniert so: "Die handelsüblichen Klebe-Elektroden leiten einen sehr kleinen Messstrom durch die Haut, im Stressfall ist der Hautleitwert deutlich höher, diese Werte zeichnet das MentalBioScreen K3 auf und zeigt sie simultan an. Wir haben bei der Entwicklung darauf geachtet, so viele handelsübliche Teile wie möglich zu verwenden, so reichen zum Beispiel normale Supermarktbatterien oder Akkus völlig aus, um das Gerät zu betreiben. Damit können wir die Betriebs-Kosten für die Endanwender niedrig halten", erklärt der technische Informatiker Kai-Uwe Irrgang.

Das Beispiel zeigt gut, wie Wissenschaftler, Anwender und Entwickler an einer gemeinsamen Basis zusammenarbeiten. Viele Studierende konnten sich an der Entwicklung beteiligen, mit Diplomarbeiten, Praktikumsarbeiten und als Hilfskräfte erwarben sie praktisches Wissen.

Nach Entwicklung, Erprobung und Patentanmeldung sowie der Beantragung des CE-Zertifikats steht die Markteinführung an. Die gute Idee, der entsprechende Bedarf bei Patienten und Medizinern, die wissenschaftliche Unterstützung durch das gute fachübergreifende Forschungspotential und die ausgezeichneten Möglichkeiten einer modernen Hochschule machten es möglich: Professor Dr. Helmut Schuster in beratender Funktion, Dr. Silvia Noetzel und Kai-Uwe Irrgang gründeten eigens eine Produktionsfirma und gehen mit ihrem Produkt in die Serienproduktion am Standort Senftenberg.

"Das Stressmessgerät wird in der Diagnostik und Therapie von psychosomatischen Beschwerden, Depressionen, Angsterkrankungen und chronischen Schmerzen eingesetzt werden. Die Entwicklung des Gerätes wirft eine Menge weiterer zu erforschender Fragen auf, Forschungen, die erst durch die Möglichkeit, langfristig und mobil die Erregungszustände der Patienten in ihrem täglichen Umfeld zu messen und aufzuzeichnen, tatsächlich umgesetzt werden können", wagt Dr. Silvia Noetzel einen Blick in die Zukunft.

Autorin: Jana Wieduwilt

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Helmut Schuster
kontakt@prof-schuster.de
Dipl.-Ing. (FH) Kai-Uwe Irrgang
kirrgang@iem.fh-lausitz.de
Telefon: 03573 85-616

Ralf-Peter Witzmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-lausitz.de

Weitere Berichte zu: Erregungszustände Messgerät Stress

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Layouterfassung im Flug: Drohne unterstützt bei der Fabrikplanung
19.05.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Intelligente Industrialisierung von Rechenzentren
15.05.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie