Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trojaner gegen den Terror?

10.07.2007
Max-Planck-Forum in Freiburg

Terroristen nutzen heute das Internet ebenso wie alle anderen Bevölkerungsgruppen. Sie kommunizieren untereinander und verbreiten ihre Ideen, Gedanken und Ideale mithilfe internetgestützter Kommunikationsplattformen. Dabei profitieren sie von der Anonymität, die das "Netz der Netze" bietet.

Ermittler beklagen sich hingegen, dass sie nicht mehr über die notwendigen Instrumente verfügen, um auch in den neuen Medien Straftäter aufzufinden und zu überführen. Um weiterhin erfolgreich zu arbeiten, werde ein neues Instrument benötigt, mit dem heimlich auf die Computer von Verdächtigen zugegriffen werden könne. Nur so werde verhindert, dass Terroristen - letztlich zum Schaden aller rechtmäßigen Nutzer - das Internet für ihre Zwecke missbrauchen.

Kritiker sehen in der Einführung eines solchen "Bundestrojaners" einen Dammbruch. Durch die Legitimation eines staatlichen Hackingangriffs könnten persönliche Informationen offenbart werden, wie etwa elektronische Tagebücher, Liebesbriefe, Daten zur eigenen Gesundheit und Sexualität, aber auch Firmengeheimnisse. Da die geplanten Maßnahmen heimlich erfolgen sollen, kann man die Zugriffe nicht mehr kontrollieren. Der vom Bundesverfassungsgericht geforderte "Kernbereich der privaten Lebensgestaltung" sei daher besonders gefährdet. Sind die bisher existierenden Instrumente - Woh-nungsdurchsuchung, Beschlagnahme von Computerdaten - für einen offenen Zugriff nicht mehr ausreichend? Auch rechtspolitisch müsse die Einführung einer derart tiefgreifenden Maßnahme verhindert werden, denn die bisherigen Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Terrorismusbekämpfung meist nur ein Vorwand für die Einführung neuer Ermittlungsmethoden sei. Später würden diese zunächst auf Fälle der organisierten Kriminalität ausgedehnt, bevor sie letztlich auch zur Bekämpfung der Alltagskriminalität eingesetzt würden.

Damit stellt sich auch unabhängig von der konkreten Ausgestaltung der Onlinedurchsuchung die Frage, welche Freiheitsräume für den Bürger bei der Nutzung des Internet verbleiben. Einerseits nimmt die Bedeutung des Netzes stetig weiter zu und spielt auch im Alltagsleben eine immer größere Rolle. Andererseits werden die möglichen Maßnahmen zur Überwachung von elektronischen Handlungen im Verhältnis hierzu überproportional ausgedehnt. So soll zum Beispiel mit der Vorratsdatenspeicherung sichergestellt werden, dass - nicht nur bei Kriminellen, sondern bei allen Nutzern des Internet - über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten alle Kommunikationsdaten gespeichert werden, damit Strafverfolgungsbehörden später darauf zugreifen können.

Auch rechtlich wirft die Onlinedurchsuchung neue, ungelöste Probleme auf. So ist bei einem Zugriff über das Internet nicht eindeutig feststellbar, wo sich ein Rechner physikalisch befindet und welche Personen ihn nutzen. Damit wären Konstellationen denkbar, bei denen deutsche Ermittlungsbeamte auf Rechner zugreifen, die sich im Ausland befinden. Derartige Maßnahmen tangieren die nationale Souveränität des betroffenen Staates und führen möglicherweise zu diplomatischen Verwicklungen.

Über das Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis nach heimlicher Onlinedurchsuchung durch staatliche Stellen einerseits und dem Wunsch der Bürger nach Privatsphäre (zumindest) auf dem eigenen Rechner andererseits diskutieren Dr. Michael Bruns, Bundesanwalt beim Bundesgerichtshof, Dr. Fredrik Roggan, stellvertretender Vorsitzender der Humanistischen Union, Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Sieber, Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg sowie Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes. Die Diskussion wird moderiert vom rechtspolitischen Korrespondenten der taz und der Badischen Zeitung, Dr. Christian Rath.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Max Planck Forum" der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. Anlässlich der 550-Jahr-Feier der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg findet sie im Rahmen der "Wissenschaftsmeile" am 11. Juli 2007 um 19 Uhr in den Räumlichkeiten der Deutschen Bank AG am Rotteckring 3 (Südeingang) in 79089 Freiburg statt. Pressevertreter sind herzlich eingeladen.

Da die Zahl der Plätze begrenzt ist, bitten wir um eine vorherige Anmeldung unter Tel. 089 2108-1296, Fax 089) 2108-1207 oder per E-Mail unter forum@gv.mpg.de.

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Onlinedurchsuchung Rechner Terror Terrorist Trojaner

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Computer mit Köpfchen
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pepper, der neue Kollege im Altenheim
17.08.2017 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie